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Deutschland

Ostdeutschland macht Schule

Welches Bundesland hat das beste, effizienteste Bildungssystem? Darauf gibt der Bildungsmonitor Antwort. Im Auftrag der Wirtschaft benennt er Gewinner und Verlierer. Sachsen und Thüringen sind top, Berlin liegt hinten.

Eine Treppe aus überdimensionalen Schulbüchern vor der Silhouette von Dresden. Foto: dpa

In Sachsen wird Bildung groß geschrieben

In der deutschen Hauptstadt werden in dieser Woche die Schultaschen gepackt. Nach sechs unterrichtsfreien Wochen neigen sich die Sommerferien dem Ende zu. Ab Montag beginnt er wieder, der sprichwörtliche Ernst des Lebens. Um die Berliner Bildungslandschaft ist es allerdings ernster bestellt, als manchem lieb sein dürfte. Im Bildungsmonitor 2010, erstellt vom Institut der deutschen Wirtschaft im Auftrag der von Wirtschaftsverbänden getragenen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), landet die deutsche Hauptstadt auf dem letzten der 16 Plätze. Ein relativ großer Teil der Berliner Schüler erfülle nicht einmal die Mindeststandards beim Lesen, sagte INSM-Geschäftsführer Hubertus Pellengahr am Mittwoch (19.08.2010) in Berlin bei der Vorstellung der neuen Zahlen. Viele Schüler seien am Ende ihrer Schulzeit nicht reif für eine Ausbildung und insbesondere unter ausländischen Jugendlichen sei die Schulabbrecherquote viel zu hoch.

Deutschland muss nachsitzen

Interkulturelle Schule. Fotograf: Ludolf Dahmen

In Deutschland werden Kinder mit Migrationshintergrund noch nicht ausreichend gefördert

Tatsächlich verlassen in Berlin fast 20 Prozent der ausländischen Jugendlichen die Schule ohne Abschluss, nur Bremen schneidet in diesem Bereich noch schlechter ab. Schüler mit Migrationshintergrund haben es allerdings auch in den übrigen Bundesländern nach wie vor nicht leicht. Beim Thema Integration muss ganz Deutschland nachsitzen, bemängelt Hans-Peter Kloes, Geschäftsführer des Instituts der deutschen Wirtschaft. "Wir wissen aus allen Benchmarks, allen Indikatoren, dass es nach wie vor einen vergleichsweise großen Unterschied gibt beim Zugang zu Bildung, Arbeitsmarkt, Karriere, Einkommen, ob man einen Migrationshintergrund hat oder nicht - und das ist auch volkswirtschaftlich hoch bedeutsam." Jedes dritte Kind unter fünf Jahren in Deutschland hat heute einen Migrationshintergrund, bei einer insgesamt schrumpfenden Bevölkerung. Die Wirtschaft kann es sich daher nicht länger leisten, auf den Nachwuchs von in Deutschland lebenden Ausländern zu verzichten.

Ein Schüler demonstriert die Funktion einer Pumpe. Foto: AP

Künftige Ingenieure müsse naturwissenschaftlich ausgebildet werden

Unter ökonomischen Aspekten kommt es aber auch auf die Lerninhalte an. Die Wirtschaft braucht mehr Ingenieure und da zählen Kompetenzen in Geschichte, Sport oder Musik wenig. Wer im Bildungsmonitor gut abschneiden will, muss andere Schwerpunkte setzen, daraus macht INSM-Geschäftsführer Pellengahr keinen Hehl. "Sachsen und Thüringen belegen vor allem deshalb die Spitzenplätze, weil sie erfolgreich große Anstrengungen in den sogenannten MINT-Wissenschaften unternommen haben, also in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik."

5400 Euro pro Schüler

Insgesamt werden im Bildungsmonitor mehr als 100 Indikatoren verglichen, von Leistungstests, über die Qualifikation von Lehrpersonal, Ganztagsbetreuung und -förderung bis hin zu den Bildungsausgaben pro Schüler. Diese belaufen sich mittlerweile auf 5400 Euro pro Schüler an den allgemeinbildenden Schulen. Das sind 800 Euro mehr als noch im Jahr 2000.

Die Daten beziehen sich allerdings, wie alle Daten in der Studie, auf das Jahr 2008 und seitdem hat sich die Haushaltslage in Deutschland deutlich verschlechtert. Es müsse ein Ausgleich zwischen dem berechtigten Spargebot und den Bildungsausgaben gefunden werden, heißt es im Bildungsmonitor.

Deutschland Bildung Grundschule Schüler

In Zukunft wird es immer weniger Schüler in Deutschland geben

Wirtschaftswissenschaftler Kloes sieht aber durchaus Möglichkeiten. "Wir meinen, dass die Chancen für eine weitere Qualitätsverbesserung trotz Schuldenbremse und Haushaltskonsolidierung ganz gut stehen, wenn es nämlich gelingt, die sich aus der Verringerung der Schülerzahlen ergebenden potenziellen Einsparungen im System zu belassen." Das heißt konkret: Wenn die Bildungsausgaben auf dem Stand von 2007 eingefroren würden, könnten durch sinkende Schülerzahlen im Jahr 2020 bundesweit rund 8,8 Milliarden Euro zur Verfügung stehen.

Je nach Bundesland käme das einer Steigerung der Bildungsausgaben um 8 bis 40 Prozent gleich. Würden die gezielt in das Schulwesen reinvestiert, so heißt es im Bildungsmonitor, sei ein besseres Bildungssystem trotz Sparpolitik durchaus möglich. Sachsen und Thüringen arbeiten bereits nach diesem Muster. Vielleicht liegen sie auch deshalb im Bildungsmonitor 2010 ganz vorne.

Autorin: Sabine Kinkartz
Redakteur: Kay-Alexander Scholz

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