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Deutschland

Ostdeutschland - ein blühendes Land?

Den Ostdeutschen klingen die Worte des damaligen Bundeskanzlers noch in den Ohren. "Blühende Landschaften" hatte Helmut Kohl versprochen und weckte damit Hoffnung auf Besserung. Was ist daraus geworden – 20 Jahre später?

Ein gelbes Rapsfeld blüht vor der Industriekulisse eines Krupp-Stahlwerks in Duisburg Huettenheim. (Foto:AP)

Blühende Landschaften: versprochen - bekommen?

Am 3. Oktober 1990 traten die ostdeutschen Bundesländer formell der Bundesrepublik Deutschland bei. Seitdem gelten für sie die gleichen Gesetze und Rahmenbedingungen wie für die westdeutschen Bundesländer. Aber wirtschaftlich war mit der Wiedervereinigung noch lange keine Ausgewogenheit hergestellt. Daher werden jährlich Milliardenbeträge von West nach Ost transferiert, um die Angleichung der Lebensverhältnisse in allen Bundesländern zu erreichen.

Ein langsames Zusammenwachsen

Portait von Pfarrer Friedrich Schorlemmer aus Wittenberg, der zur Wendezeit Mitglied der Oppositionsbewegung war.(Foto:Petra Schulze)

Pfarrer Friedrich Schorlemmer

Auch nach 20 Jahren sieht der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und Theologe Friedrich Schorlemmer sehr viele Unterschiede zwischen Ost und West. Es gebe eine "Asymmetrie zwischen den Landesteilen und wenig Verständnis" füreinander. Dennoch glaubt Schorlemmer, dass zusammenwachsen wird, was zusammengehört: "In 20 Jahren sind wir soweit."

"Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört!", mit diesem Satz hatte Willy Brandt 1989 bei vielen Menschen Euphorie ausgelöst. Aber Schorlemmer diagnostiziert, dass der Begeisterung ein "Kater" gefolgt sei. "Die Normalität des Zusammenfindens hat den Schneckengang" eingelegt. Daran konnte auch die Hoffnung auf "blühende Landschaften" nichts ändern, mit der der Wahlkämpfer Helmut Kohl 1990 die Ostdeutschen für sich und seine Partei begeistern konnte.

Blühende Lanschaften? - Pfeilschnelle Autobahnen!

Innenansicht der Dresdner Frauenkirche. Im Februar 1945 war die Kirche nach einem Bombenangriff zerstoert worden. (Foto:AP)

Aufbau Ost: Die restaurierte Frauenkirche in Dresden

Aber allen Bedenken zum Trotz: Autobahnen und Landstraßen sind ausgebaut, Innenstädte saniert, Wohnungen millionenfach neu gebaut und renoviert worden. Bauwerke von großer Symbolkraft wie der Berliner Dom und die Museumsinsel in der Hauptstadt oder die Frauenkirche in Dresden wurden wieder errichtet. Gleichzeitig entsorgte man allzu unliebsame Relikte der DDR-Geschichte: Der Berliner „Palast der Republik“ – im Volksmund "Erichs Lampenladen" genannt – oder zahlreiche Anlagen, in denen Betonwohnburgen in Plattenbauweise getanden hatten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel prägte am 3. Oktober 2009 den Satz, dass es sich bei der deutschen Einheit um ein Ereignis handelt, das "den Beginn einer neuen Zeit der Freiheit und Offenheit" markiert. Diese neue Zeit änderte aber nichts am Bevölkerungsschwund der ostdeutschen Bundesländer: In viereinhalb Jahrzehnten vom Kriegsende bis zur Wende (1945 – 1990) verließen viereinhalb Millionen Menschen die DDR, die meisten davon bis zum Bau der Berliner Mauer 1961. Nach dem Mauerfall 1989 ist die Einwohnerzahl Ostdeutschlands um weitere 1,5 Millionen gesunken.

Der Osten verliert seine Kinder

Bei den Umsiedlern handelte es sich meist um junge, gut ausgebildete und hoch motivierte Menschen. Sie suchen ihr Glück im Westen und hinterlassen einen Osten, der mehr und mehr zum Auffangbecken für Alte und sozial Schwache geworden ist. Als Ursache für ihre Abwanderung nennen die Meisten die schlechtere wirtschaftliche Entwicklung in Ostdeutschland: Gemessen am Bruttoinlandsprodukt erreicht der Osten erst 71 Prozent der Produktivität des Westens. Die Arbeitslosigkeit ist im Osten zudem immer noch doppelt so hoch wie im Westen.

Dennoch: Ein bisschen blüht es doch in Ostdeutschland. Denn die so genannten "Leuchttürme" ragen mit ihren wirtschaftlichen Erfolgen hervor und ziehen andere mit. Aber abgesehen davon, wird es noch eine Weile dauern, bis die Angleichung der Lebensverhältnisse geschafft worden sind. Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft prognostiziert, dass 2020 die finanziellen Transfers von West nach Ost eingestellt werden können. Bis dahin allerdings darf es zu keiner weiteren Weltwirtschaftskrise kommen, die diese Prognose überholt.

Autor: Matthias von Hellfeld
Redaktion: Tobias Oelmaier