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Kultur

Ossietzky-Medaille für Snowden

Der Whistleblower Snowden, die Dokumentarfilmerin Poitras und der Journalist Greenwald wurden für die Aufdeckung des "NSA-Skandals" von der Internationalen Liga für Menschenrechte geehrt - mit der Ossietzky-Medaille.

Die drei hätten die "umfangreichste verdachtsunabhängige Überwachung aller Zeiten" aufgedeckt und sich damit um Demokratie und Menschenrechte verdient gemacht, begründete die Jury ihre Entscheidung. Edward Snowden sei ein außergewöhnlicher und mutiger Mensch, der mit seinen Enthüllungen den größten geheimdienstlichen Ausspähskandal aller Zeiten aufgedeckt habe.

Die Präsidentin der Liga, Fanny-Michaela Reisin, sagte wörtlich, das Trio habe über ungeheuerliche Verletzungen der Menschenrechte und nationaler Gesetze aufgeklärt, insbesondere durch die Regierungen, die vorgäben, Hüter der Freiheit und Demokratie zu sein. Sie nannte die drei Preisträger "die revolutionäre Avantgarde der neuen, wesentlich durch Elektronik geprägten Zeit". Snowden bedankte sich für die Medaille mit den Worten, es sei eine menschliche Pflicht, gegen die Einschränkungen der Freiheit durch die Geheimdienste aufzustehen.

Journalistische Unterstützung

Carl-von-Ossietzky-Medaille 2014

Laura Poitras holte sich ihre Medaille persönlich ab

Bei der Bekanntmachung des Skandals um den US-Geheimdienst NSA bekam Snowden Hilfe vom US-Journalisten Glenn Greenwald. Er veröffentlichte die brisanten Dokumente 2013 zusammen mit einem Interview des Whistleblowers in der britischen Tageszeitung "The Guardian". Die Dokumentarfilmerin Laura Poitras setzte Snowden mit "Citizenfour" ein filmisches Denkmal. Für ihr Engagement in der Affäre werden beide ebenfalls mit der Ossietzky-Medaille ausgezeichnet.

Die Laudatio auf Snowden hielt der Bürgerrechtler und frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum. Dieser habe die Welt ein Stück weit verändert und "den Blick geöffnet auf den größten geheimdienstlichen Überwachungsskandal, den ich kenne", sagte er.

Snowden selbst wurde aus Moskau zugeschaltet, wo er im August vergangenen Jahres vor der Verfolgung durch die US-Justiz Asyl fand. Poitras nahm persönlich an der Verleihung teil.

"Im Geiste Ossietzkys"

Carl von Ossietzky KZ Esterwegen

Ossietzky im KZ Esterhagen

Die Liga für Menschenrechte, die in diesem Jahr auf ihr 100-jähriges Bestehen zurückblickt, verleiht die Medaille seit 1962. Sie ist nach dem deutschen Journalisten, Pazifisten und Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky benannt, der 1938 an den Folgen seiner Haft im Konzentrationslager starb. Mit der Auszeichnung Snowdens, Poitras und Greenwalds will die Liga explizit auch "das Zusammenwirken von couragiertem Whistleblowing und staatskritischem Journalismus" würdigen, wie sie mitteilte: "Ganz im Geiste Carl von Ossietzkys, jenes für seine Zivilcourage und für sein selbstloses Engagement international geehrten Publizisten."

Die Liga fordert Asyl für Snowden in Deutschland. Außerdem möchte sie erreichen, dass alle notwendigen Schutzgarantien für Whistleblower im Menschenrechtskatalog des UN-Zivilpakts in europäisches Recht sowie in nationale Ausführungsgesetze aufgenommen werden.

suc/kle (dpa, epd, DLF)