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Kultur

Oscars für Deutsche?

In die Hauptkategorie haben es deutsche Filmschaffende in diesem Jahr nicht geschafft. Doch ein paar Deutsche dürfen trotzdem hoffen. Zwei Regisseure und ein Tricktechnikstudio sind mit dabei auf dem Roten Teppich.

Max Lang und Jan Lachauer beim Oscar-Posing (Foto: Chris Pizzello/Invision/AP)

Die Regisseure Max Lang (l.) und Jan Lachauer

Es muss ja nicht immer der "Beste lange Spielfilm" sein. Oder die Kategorie "Bester Darsteller". Über einen Oscar darf man sich auch freuen, wenn es um einen Kurzfilm geht. Oder um die besten Tricks. Deutsche Filmschaffende haben in den vergangenen Jahren schon so manchen Oscar mit nach Hause nehmen dürfen, meist in der Kategorie "Bester Nichtenglischsprachiger Film". Volker Schlöndorff, Caroline Link oder Florian Henckel von Donnersmarck - sie alle sind stolze Besitzer des begehrtesten Filmpreises der Welt.

Hoffnungen auf den Oscar

Die Namen Max Lang und Jan Lachauer dürften hierzulande noch weniger bekannt sein. Auch Thilo Kuther ist nur Eingeweihten der Filmszene geläufig. Sind Lang und Lachauer in diesem Jahr als Regisseure für den besten animierten Kurzfilm "Room on the Broom" nominiert, so macht sich Kuther als Mitbegründer der weltweit agierenden deutschen Tricktechnik-Firma "

Pixomondo

" Hoffnungen auf einen Oscar.

Streng genommen sind es auch gar keine deutschen Filme, die ausgewählt wurden. Lang und Lachauer, die gemeinsam an der Filmakademie Baden-Württemberg in Ludwigsburg studiert haben, saßen bei dem von einer britischen Produktionsfirma hergestellten Film "Room on the Broom" auf dem Regiestuhl. Und Pixomondo stellte einige der Special Effects für den US-Blockbuster "Star Trek: Into Darkness" her.

Oscars in einer globalen Filmwelt

Room on the Broom Filmstill (Foto: dpa)

Max Lang und Jan Lachauer führten beim Film "Room on the Broom" Regie

Und doch: Ein wenig Ruhm würde abfallen auf den deutschen Film, wenn die drei am 2. März im Dolby-Theatre in Los Angeles ausgezeichnet werden. In einer globalisierten Filmwelt fällt es heute sowieso immer schwerer, Filme nach nationalen Zugehörigkeiten einzuteilen. "Wir gehen mit dem Film auf Tour, fahren von einem Studio zum nächsten und geben viele Interviews", beschreibt Lachauer seine Tage vor der Oscar-Feier. Das gehört dazu: die Filme im Vorfeld der Verleihung bewerben. Lachauer ist - im Gegensatz zu seinem Kollegen Max Lang - noch ein Neuling in Sachen Oscar. Lang war 2011 schon einmal nominiert, damals für den Film "Der Grüffelo". Es blieb allerdings bei der Nominierung. Diesmal rechnet er sich größere Chancen aus: "Ein Vorteil ist in diesem Jahr, dass das Buch 'Room on the Broom' in Amerika viel bekannter ist als 'Der Grüffelo'", drückte der Regisseur seinen Optimismus in einem Interview gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) aus.

Tricktechnik und Spezialeffekte aus Deutschland

"Es sind fünf Filme nominiert. Die Chancen stehen also eins zu fünf", blickt Lachauer nüchtern auf den großen Abend. "Room on the Broom" (deutscher Titel: "Für Hund und Katz ist auch noch Platz") erzählt in einer knappen halben Stunde die Abenteuer einer Hexe und einer Katze, die auf einem Besen unterwegs sind und dabei auf andere Tiere treffen und diese mitnehmen. Ein Kinderfilm, liebevoll gemacht, mit zum Teil klassischer Anmutung. "Room on the Broom" entstand in einer Mischung aus am Computer generierten Effekten und herkömmlicher Tricktechnik. "Im Grunde geht es um eine Familie, die immer größer wird und zusammenwachsen muss. Jan und ich haben an unsere eigene Kindheit denken müssen, wie es ist, wenn man mit Geschwistern aufwächst und anfangen muss, alles miteinander zu teilen", so Max Lang gegenüber der FAZ.

Thilo Kuther (Foto: Pixomondo)

Thilo Kuther, Gründer von Pixomondo

Erfolgreich um Effekte kümmert sich seit Jahren auch Thilo Kuther. Auch er hat schon Oscar-Erfahrung. Die von ihm vor 13 Jahren im Keller seines Elternhauses in der Nähe Darmstadts gegründete Firma Pixomondo ist inzwischen ein weltweit agierendes Unternehmen mit 400 Mitarbeitern an sieben Standorten. Ins Blickfeld einer größeren Öffentlichkeit geriet Pixomondo, als die Firma 2012 einen Oscar in der Kategorie "Spezialeffekte" für den Martin-Scorsese-Film "Hugo Cabret" bekam.

Tricktechnikfirmen: unsichere Geschäftslage

Der Bereich Tricktechnik ist derzeit in einer Umbruchphase. "Die gesamte Branche klagt über sinkende Preise und den Abzug von Arbeitsplätzen in Länder mit billigeren Löhnen oder Steuervergünstigungen", erzählt Kuther. Sogar einige renommierte und mit einem Oscar ausgezeichnete Tricktechnikfirmen mussten in jüngster Zeit Insolvenz anmelden. Auch Pixomondo hat zwei Ableger in China gegründet. Allerdings gehe es dabei nicht um billige Arbeitskräfte, sondern um einen besseren Kontakt zu den Kunden vor Ort, meint Kuther. In China ist Pixomondo derzeit an fünf großen Filmprojekten beteiligt.

Filmeffekte-Firma Pixomondo (Foto: dpa)

Filme machen vor dem Computer: Blick in ein Pixomondo-Studio

Die aktuelle Oscarnominierung gab es jetzt für das Science-Fiction-Spektakel "Star Trek: Into Darkness", der insgesamt zwölfte Kinofilm der Raumschiff-Enterprise-Saga. Die

visuellen Effekte

für den Blockbuster entstanden in einem Pixomondo-Studio in Santa Monica. Pixomondo produzierte nach eigenen Angaben 34 Shots und damit rund ein Drittel aller Spezial-Effekte des Star-Trek-Films.

Der Oscar hilft weiter

Wie das Rennen um die Oscars am 2. März auch ausgeht - eines steht zumindest schon fest. Die Namen Lang, Lachauer und Kuther werden ein wenig mehr Bekanntheit in der Film-Branche erlangen - das ist gut fürs künftige Geschäft. Die Nominierung "hilft einem enorm weiter", sagt Max Lang in dem FAZ-Interview, "Ich würde von dem Oscar keine Lebensentscheidung abhängig machen, aber geschadet hat die Nominierung bestimmt nicht."

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