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Kultur

Oscars für Österreich

Gleich zwei Filmschaffende aus Österreich wurden nun mit dem Oscar bedacht: Regisseur Michael Haneke und Schauspieler Christoph Waltz. Auch für Deutschland fällt ein wenig Oscar-Ruhm ab.

Da musste erst ein Hollywood-Regisseur kommen, um dem deutschen Film zu zeigen, was für einen begnadeten Schauspieler man hierzulande hat. Der Österreicher Christoph Waltz war zwar kein Unbekannter in der Film- und Fernsehszene, doch wurde er aus heutiger Sicht jahrelang sträflich unterschätzt. Drei Jahrzehnte hatte Waltz diverse Auftritte in manchmal auch belanglosen Fernsehfilmen absolviert, war auf deutschen und österreichischen Bühnen aufgetreten. Unter Kennern hatte er sich zwar einen Ruf als wandelbarer Charaktermime erspielt. Doch erst Quentin Tarantino gab ihm vor vier Jahren im Film "Inglourious Basterds" die ganz große Bühne.

Oscar für einen Kopfgeldjäger

Nun hat er es noch einmal gemacht. Mitgespielt in einem Film von Tarantino und wieder gewonnen. Wie schon 2010 durfte sich Waltz einen Oscar als "Bester Nebendarsteller" abholen, eine bemerkenswerte Leistung. In Tarantinos "Django Unchained" spielt der Österreicher einen Kopfgeldjäger, der einen Sklaven bei einem wüsten wie brutalen Rachefeldzug begleitet. Und wieder gab diese Rolle Waltz die Gelegenheit, seine schauspielerischen Stärken auszuspielen: zwischen Witz, Zynismus, hintergründigem Sarkasmus und purer Sinnlichkeit in kurzer Zeit hin- und her zu wechseln. Was Waltz vor den Kameras abliefert, sind wahre Kabinettstückchen schauspielerischen Könnens.

Christoph Waltz und Jamie Foxx) in einer Szene des Kinofilms «Django Unchained» (Foto: Sony Pictures Releasing GmbH/ dpa)

Waltz (l.) neben seinem Filmpartner Jamie Foxx in Django Unchained

Waltz' Landsmann Michael Haneke ist noch länger im Filmgeschäft und wollte zunächst auch Schauspieler werden. Das daraus nichts wurde, kann man im Nachhinein nur als glückliche Fügung bezeichnen. Der europäische Film hat so einen seiner größten Regisseure bekommen. Auch das war lange nicht unbedingt abzusehen. Wie Christoph Waltz kommt auch Haneke vom Fernsehen, dort wurde er groß, dort lernte er sein Handwerk. Doch erst die große Leinwand sollte sein ganzes Talent entfalten.

Psychogramme des Lebens

1989 brachte Haneke "Der siebente Kontinent" in die Kinos, und wer den Film gesehen hat, der dürfte ihn niemals vergessen haben. Die Geschichte einer Familie aus der Mittelschicht, die Selbstmord begeht, hatte schon all das, was Hanekes spätere Filme auszeichnen sollten. Einen geradezu erschreckend genauen Blick auf menschliche und gesellschaftliche Zustände, der den Zuschauer gnadenlos packt und ihn nicht mehr loslässt. Es waren stets Geschichten, die eigentlich alle Menschen ansprechen müssten. Aber eben oft auch schwierige Filme, ernst und grübelnd, dabei von schneidender intellektueller Brillanz. Man musste sich auf sie einlassen als Zuschauer.

Michael Haneke neben einer Oscarstatuette (Foto: REUTERS/Mario Anzuoni)

Distanziertes Verhältnis zu Hollywood: Michael Haneke

Hanekes neuer Film "Liebe", für den er nun einen Oscar in der Kategorie "Bester nichtenglischsprachiger Film" erhielt, nimmt sich schließlich auch eines Themas an, das jeden angeht. Das aber doch nicht unterhaltsam ist im Sinne eines vergnüglichen Kinoabends. Das Thema: ein Paar, das lange zusammenlebt, das ein Leben geteilt hat und nun vor dem Tod steht. Alter, Krankheit, Bilanz eines Lebens, darum geht es in "Liebe". Dass Michael Haneke unter anderem Psychologie und Philosophie studiert hat, dürfte ihm heute bei seiner Regietätigkeit zugute kommen. Wie er seine Schauspieler einsetzt und führt, in "Liebe" die großartigen Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant, ist grandios und zeugt von großer Meisterschaft. Nicht nur in Sachen Inszenierung. Haneke ist auch ein großer Menschenkenner.

Deutsche und österreichische Wurzeln

Waltz und Haneke sind Österreicher, Waltz wurde in Wien geboren, verfügt aber auch über die deutsche Staatsbürgerschaft. Haneke zog schon mit jungen Jahren aus seiner Geburtstadt München nach Wien und wuchs dort auf. Und doch darf auch der deutsche Film ein wenig stolz sein auf die beiden frisch gekürten Oscarpreisträger aus dem Nachbarland.

Christoph Waltz mit seinem zweiten Oscar in der Hand (Foto: ROBYN BECK/AFP/Getty Images)

Christoph Waltz freut sich über seinen zweiten Oscar

Waltz hat jahrelang Rollen in deutschen Fernsehfilmen übernommen, und manche Regisseure haben ihn zu Glanzleistungen gebracht. Unvergessen etwa sein Auftritt als Schlagersänger Roy Black oder als skrupelloser Entführer im Film "Der Tanz mit dem Teufel - Die Entführung des Richard Oetker". Doch Waltz wollte mehr - und er konnte mehr. Für ihn sollte der erste Oscar der Beginn einer internationalen Starkarriere sein, die ihn inzwischen auch mit Regisseuren vom Kaliber eines Roman Polanski zusammenbrachte. Waltz weist stets daraufhin hin, dass er sich als Österreicher fühlt, nicht als Deutscher. Auf Deutsch wollte er dann bei der Oscarverleihung auch nicht antworten, als Reporter aus seiner Heimat ihn um eine Stellungsnahme baten. Es scheint kaum möglich, dass man Waltz noch einmal in kleinen deutschen Fernsehspielen sehen wird. Christoph Waltz ist jetzt ein zweifacher Oscarpreisträger, ein internationaler Kinostar.

Ein europäischer Intellektueller

Bei Michael Haneke ist das anders. Er gehört schon länger zur Crème de la Crème der europäischen Topregisseure, hat von der Goldenen Palme bis zum europäischen Filmpreis schon alles gewonnen, was es im internationalen Film zu gewinnen gibt. Und man kann wohl noch nicht einmal behaupten, dass der Oscar für "Liebe" nun die Krönung seines Werks ist. Kennt man Haneke und weiß, wie er über Hollywood und die kommerziell geprägte Filmwelt denkt, dann dürfte ihm eine Goldene Palme, die er 2009 für seinen Film "Das weiße Band" erhielt, wichtiger gewesen sein als die US-Auszeichnung jetzt. Zeichen dafür war wohl auch, dass sich Haneke in der Nacht zum Montag bei der Oscarzeremonie als einziger der diesjährigen Preisträger nicht hinter der Bühne zu den üblichen Kurzinterviews blicken ließ.

Der Regisseur Michael Haneke (l-r) mit seinen Hauptdarstellern Emmanuelle Riva und Jean-Louis Trintignant während des Drehs zum Kinofilm «Liebe». (Foto: X-Verleih/Denis Manin dpa)

Haneke mit seinen Darstellern von "Liebe"

Trotzdem freut er sich nun natürlich von ganzem Herzen über den Oscar für "Liebe". Ist der Film doch auch eine europäische Co-Produktion, in der Gelder aus Frankreich, Österreich und Deutschland stecken. Er stärkt damit auch das europäische Kino. Dass mit Stefan Arndt und seiner Firma "X-Filme Creative Pool" ein deutscher Produzent "Liebe" mitfinanziert hat, zeigt nicht nur das Gespür des deutschen Kinos für große europäische Filmkunst. Es zeigt auch Hanekes Verbundenheit zum deutschen und europäischen Film.

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