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Nahost

Osama bin Laden als Comic-Figur

In Frankreich wird am 11. September ein Comic über Osama bin Laden veröffentlicht, das für Furore sorgt.

Comic Cover von Ben Laden Dévoilé(Foto:Mohamed-Sifaoui: http://www.mohamed-sifaoui.com.)

Nur zum Lachen? Das Comic über Osama bin Laden

Wir schreiben den sechsten Mai 2016. In einem kleinen Dorf im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet schnappt die US-Armee nach jahrelanger Suche endlich den berühmtesten Terroristen der Welt: Osama bin Laden. Als die amerikanischen Geheimdienstagenten ihn verhören, antwortet ihnen Obama mit den Worten: "Yes, I speak English" und fährt fort: "Der Prophet hat gesagt, wer die Sprache eines anderen Stammes lernt, schützt sich vor dessen Missetaten." So beginnt das Comic "Bin Laden - Enthüllt", das in Frankreich genau zum achten Jahrestag der Terroranschläge vom 11. September in den USA in die Buchhandlungen kommt.

Bin Laden auf 100 Seiten

Entworfen haben den 100-seitigen Comicband der französische Autor und Filmemacher Mohamed Sifaoui und der Zeichner Philippe Bercovici. Sifaoui ist der Ansicht, dass man nicht nur über Terroristen lachen darf, sondern dass es sogar wichtig sei, eben dies zu tun. Lachen helfe dabei, den selbsternannten Messias und Propheten Bin Laden zu entlarven. "Ich wollte ihn auf das zurechtstutzen, was er ist, ein Krimineller, ein Terrorist", sagt Sifaoui. Schon seit 20 Jahren Jahren beschäftigt sich der Autor mit Fundamentalismus und hat bereits einige Bücher zu dem Thema geschrieben. Es überrasche ihn immer wieder, wie sehr die Leute den Al-Kaida-Chef mit dem Islam verbänden, sagt Sifaoui. Dabei stehe Bin Laden nur "für die Auswüchse dieser Religion."

"Angst gefährdet die Demokratie"

Indem er ihn nicht nur als machthungrigen Führer der Islamisten und Drahtzieher der verheerenden Anschläge zeigt, sondern auch als knollennasigen Mann im Adamskostüm, der sich mit seinen zahlreichen Ehefrauen im Bett vergnügt, entmystifiziert Sifaoui den Al-Kaida Chef. Doch genau das dürfte islamischen Fundamentalisten weniger gefallen und der Spott über den Islamistenführer könnte bei radikalen Muslimen schlecht ankommen. Bereits vor vier Jahren, als die dänische Zeitung "Jyllands Posten" Karikaturen des Prophenten Mohammed abdruckte, ging eine Welle des Zorns durch die muslimische Welt. Vergangenes Jahr starben bei einem Selbstmordanschlag der Al-Kaida auf die dänische Botschaft in Pakistan sechs Menschen. Doch Sifaoui fürchtet sich deswegen nicht. Er sagt, er habe keine Angst, denn Bin Laden sei auch kein Prophet. Außerdem habe er schon zuviel erlebt: In Algerien sei er 1996 einem Attentat gegen seine Zeitung entgangen, in Frankreich habe er fünf Jahre lang unter Polizeischutz gestanden. Er selbst verstehe sein Buch als "demokratischen Gegenanschlag" auf die islamischen Extremisten, die den 11. September seit Jahren feierten. "Unsere Arbeit darf nicht von Angst bestimmt werden", sagt Sifaoui und fügt hinzu: "Angst bewirkt Selbstzensur, und Selbstzensur bringt die Demokratie in Gefahr." (mp/dh/afp)