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Ortsbestimmung

"Ortsbestimmung" – das könnte auch der Titel einer Erzählung oder gar eines Romans sein. Klingt nach dem Versuch, etwas "örtlich dingfest zu machen". Aber manches lässt sich nicht "verorten".

Eine Schreibtisch, auf dem völliges Chaos herrscht.

Ordnung im Chaos?

Da ist jemand unterwegs – natürlich zu sich selbst – mit der Hoffnung, sich schließlich zu finden und vielleicht sesshaft zu werden. Dieses Unterwegssein kann wörtliche aber auch übertragene, bildhafte Bedeutungen haben. Wer sich gefunden hat, wer weiß, wo er – oder sie – hingehört, für den ist nicht mehr wichtig, wo sich das gefühlte Zuhause einstellt.

"In" und der "Informationswert"

Überhaupt ist das mit Orten und Ortsbestimmungen so eine Sache. Nehmen wir einmal die Ortsbestimmung "in". Für sich genommen liefert sie kaum eine Information, denn "in" kann überall sein. Wenn wir wissen, dass die Taschenlampe in der untersten Schublade der Kommode liegt, hat "in" gleichsam einen Raum bekommen und somit einen verlässlichen Informationswert.

Aus gutem Grund nennen viele Grammatiken Ortsbestimmungen auch Raumergänzungen. Also zum Beispiel: "Wir fahren nach Köln." Oder: "Er macht gerne im Schwarzwald Urlaub." Die Sprache hält eine ganze Menge von Wörtern und Ausdrücken bereit, die für praktisch alle Spielarten von Ortsbestimmung, seien sie bildhafter oder konkreter Natur, zur Verfügung stehen.

Vom "Auf und Ab" im Leben

Das Leben, so sagt man, ist ein stetes "Auf und Ab". Was heißt das? Nun, wir sind mal "oben" und mal "unten". Diese Ortsbestimmungen sind notwendigerweise sehr ungenau, stehen sie doch verallgemeinernd für psychische Zustände, für individuelle Befindlichkeiten.

"Auf und Ab" kann aber auch eine ganz konkrete Bedeutung haben. Oft bedarf es noch nicht einmal mehr des Wortes selbst. Symbole genügen. Das Dreieck mit der Spitze nach oben leuchtet, wenn der Aufzug nach oben fährt. Wird er im Erdgeschoss angefordert und befindet sich im 7. Stockwerk, leuchtet das Dreieck mit der Spitze nach unten.

Ungenaue Ortbestimmungen

Was in der Sprache der Politik oft vorschnell als links oder rechts bezeichnet wird, braucht auf Verkehrs- und anderen Hinweisschildern lediglich den Pfeil in die entsprechende Richtung. Erst im Zusammenhang gewinnt die Ortsbestimmung ihre jeweilige Bedeutung. Wenn das ewige "Hin und Her" während langer Verhandlungen beklagt wird, weiß jeder was gemeint ist. Aber kann man bei diesem Beispiel überhaupt noch von Ortsbestimmung reden? Wenn man den Begriff sehr weit fasst, schon. Das "Hin und Her" ist wie ein Pendelschwung, und bezeichnet immerhin – wenn auch ungenaue – Positionen.

Im Grunde genommen ist das aber bei allen Ortsbestimmungen der Fall. "Hier und da", "vorn und hinten", was heißt das schon? Für sich genommen herzlich wenig. Aber: "Da vorn ist noch ein Platz frei", und, "Der FC liegt mit 0:2 hinten" sind klare Informationen.

Irgendwo ist nirgendwo

In dem folgenden Satz hat das Wort "hinten" eine ganz andere Bedeutung: "Der alte Pullover liegt ganz hinten im Schrank." Wenn wir diesen nicht gleich finden, liegt es womöglich daran, dass er irgendwo ganz hinten im Schrank liegt. "Irgendwo" ist eine Ortsbestimmung, die sich eigentlich selbst aufhebt. Wenn wir etwas verzweifelt suchen und uns gut zureden ("Irgendwo muss es doch sein!"), hat sich bereits die Ahnung eingeschlichen, dass "es" möglicherweise eben nicht mehr da ist, dass "es" irgendwohin verschwunden ist. Unauffindbar. Für immer.

Wenn nichts mehr an seinem Platz, an seinem Ort ist, herrscht ein Durcheinander. Dieses kann sowohl von ganz konkreter als auch abstrakter, bildhafter Bedeutung sein und wird gegebenenfalls mit dem Adjektiv "heillos" gewissermaßen dramatisiert. Das Durcheinander auf dem Schreibtisch ist vergleichsweise harmlos. Was ein heilloses Durcheinander ist, dem man nicht durch Aufräumen beikommen kann, wissen wir alle. Manchmal ist es in uns selbst, aber auch draußen in der Welt. Da hätte man mitunter gerne eine klare Ortsbestimmung. Oder?

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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