1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Orion - der Nachfolger des Spaceshuttle

Das neue NASA-Raumschiff ist in Cape Canaveral zu seinem ersten Testflug gestartet. Orion soll einmal "Menschen weiter fort bringen als jemals zuvor". Der erste Flug dauert aber nur vier Stunden.

Video ansehen 01:23

ESA entwickelt Modul für Raumschiff Orion (28.07.2014)

Eigentlich hätte Orion schon an diesem Donnerstag seinen ersten Testflug absolvieren sollen. Doch der Start wurde mehrmals verschoben: Zuerst war ein Segelschiff dem Weltraumbahnhof zu nahe gekommen, dann hatte starker Wind den Start verzögert, und zuletzt musste er wegen Problemen an einem Tankventil abgebrochen werden. Jetzt ging es pünktlich los, am Freitag punkt 7:05 vormittags Ortszeit.

Die Ziele sind hochgesteckt - schon bevor Orion zum ersten Mal die Erde verlassen hat. Denn die US-Raumfahrtbehörde hat ehrgeizige Pläne für ihr neues Raumschiffmodell: Es soll Menschen auf Asteroiden schicken, zurück zum Mond und irgendwann sogar zum Mars.

Vor allem aber wird Orion, das Flaggschiff einer neuen US-Raumschiffflotte, die USA zurück in die bemannte Raumfahrt katapultieren. Derzeit muss die NASA russische Sojus-Kapseln benutzen, um Astronauten ins All zu schicken, zur Internationalen Raumstation ISS zum Beispiel. Orion soll das ändern: Es wurde entworfen, um Menschen sicher ins Weltall und wieder zurück zu bringen. Das unterscheidet es von den Raumtransportern wie Cygnus und Dragon, die bei der Rückkehr zur Erde in der Atmosphäre verglühen.

Nachfolger von Apollo und Space Shuttle

Ab dem Jahr 2021 soll Orion Menschen auf Missionen in die Tiefen des Weltalls schicken. Es könnte aber auch nur eine unbemannte Stippvisite zur ISS oder einer anderen Raumstation machen, um Vorräte abzuliefern. Daher heißt es mit vollem Namen "Orion Multi-Purpose Crew Vehicle", also Mehrzweck-Mannschaftsfahrzeug. Laut NASA ist das Raumschiff speziell für Missionen im Weltall entworfen worden, die bis zu sechs Monate dauern.

Orion tritt an die Stelle der Space Shuttles, deren Programm im Jahr 2011 endete. Vom Design her ähnelt es seinem anderen Vorgänger, dem Apollo-Raumschiff. Aber Orion ist viel größer: Anstelle von nur drei Crew-Mitgliedern finden hier vier Astronauten Platz, bei kürzeren Missionen sogar sechs.

Reisen durchs und ins All

Orion besteht aus einem Service-Modul, einem Crew-Modul und einem Launch Abort System. Das Crew-Modul beherbergt die Astronauten, Verbrauchsmaterial und Forschungsinstrumente. Das Servicemodul versorgt das Raumschiff über Solarpaneele mit Energie und reguliert die Temperatur. Außerdem enthält es Trinkwasser, Sauerstoff und Stickstoff für die Besatzung.

Das Launch Abort System ist mit einem eigenen Triebwerk ausgestattet und kann das Crew-Modul im Notfall aus der Gefahrenzone herausschnellen lassen. Nach dem Start wird es vom Raumschiff getrennt.

Da Orion dazu gedacht ist, wieder zur Erde zurückzukehren, muss es die sehr hohen Temperaturen beim Wiedereintritt in die Atmosphäre aushalten können.

Orion-Raumfahrtkapsel, Computersimulation (Foto: AP Photo/NASA)

So wird Orion durchs All fliegen.

Orions Mitfahrgelegenheiten

Eine Schwertransport-Rakete vom Typ Delta IV Heavy hat Orion jetzt ins All befördert; in Zukunft soll das neue Space Launch System, SLS, das Raumschiff ins All bringen.

Das Space Launch System wird gerade entwickelt und ist laut NASA "gewaltiger als jede Rakete, die jemals gebaut wurde". Es soll einmal 70 Tonnen Ladung in eine Umlaufbahn 160 Kilometer über der Erde befördern. Spätere Versionen sollen sogar die doppelte Last schaffen. Die NASA plant nach eigenen Angaben, SLS im November 2018 einsatzbereit zu haben.

Europäische Technik

Orions Service-Modul wird in Europa entwickelt, und zwar von der europäischen Weltraumorganisation ESA. Erfahrungen konnte die ESA dabei schon mit ihrem Automated Transfer Vehicle (ATV) sammeln, einem unbemannten, nicht wiederverwendbaren Weltraumfrachter, der von 2008 bis 2014 Vorräte zur ISS brachte. Gebaut wurde das ATV von der Airbus-Division Defence and Space in Bremen.

So wie das Space Launch System soll auch das Service-Modul im Jahr 2018 fertig sein. Dann soll Orion's zweite unbemannte Mission, die EM-1 (Exploration Mission 1) stattfinden, die das Raumschiff zum Mond und wieder zurück schicken wird.

Space Launch System beim Start (Foto: EPA/NASA/MSFC)

Das Space Launch System soll ab 2018 Raumschiffe ins All bringen.

Zwei Erdumlaufbahnen in viereinhalb Stunden

Auch auf Orion's erstem Flug namens "Exploration Flight Test 1" am 5. Dezember 2014 waren keine Astronauten an Bord; es ist lediglich ein Test, um zu sehen, ob alle Systeme funktionieren.

In viereinhalb Stunden umkreist Orion zweimal die Erde. Die zweite Runde dreht das Raumschiff in einer Höhe von 5800 Kilometer, das ist etwa 15 Mal höher als die Bahn der ISS. Hinterher soll die Kapsel wieder in die Erdatmosphäre eintauchen, sich mit Hilfe von mehreren Fallschirmen abbremsen und schließlich in den Pazifik platschen.

Das Raumschiff ist mit Sensoren beladen, die alle Aspekte von Start, Flug, Wiedereintritt und Landung messen und aufzeichnen. Aber das Raumschiff führt auch Gegenstände symbolischer Bedeutung mit sich: eine Sauerstoffleitung von einem Raumanzug der Apollo-11-Mondlandung zum Beispiel, eine Probe Mondboden, ein Fossil des Tyrannosaurus Rex und sogar ein Keks vom Krümelmonster aus der Sesamstraße.

Vor allem aber sind - natürlich nur virtuell - über eine Million Menschen mit an Bord: Jeder konnte online seinen Namen auf einer Webseite der NASA einreichen. Ergebnis ist ein Mikrochip mit über einer Million Namen: Auch er hat gemeinsam mit Orion am Freitag die Erde verlassen.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links

Audio und Video zum Thema