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Kultur

Orhan Pamuk: "Ich bin kein Brückenbauer"

Am Sonntag wird Orhan Pamuk in Stockholm den Literaturnobelpreis erhalten. Obwohl er sich politisch nicht äußern wollte, hat er jetzt klar Stellung zur Frage des EU-Beitritts der Türkei genommen.

Der türkische Schriftsteller Orhan Pamuk, Foto: AP

Nobelpreisträger Orhan Pamuk: Vermittler zwischen Orient und Okzident

Wenige Tage vor der Entgegennahme des Literaturnobelpreises hat Pamuk am Mittwoch (6.12.2006) in Stockholm die Rolle eines "Brückenbauers" zwischen Islam und westlicher Kultur zurückgewiesen. Kurz nach seiner Ankunft in der schwedischen Hauptstadt sagte er: "Das ist ein Etikett, das mir Politiker und Medien verpasst haben. Ich mag es nicht."

In der Begründung für die erste Verleihung des Nobelpreises an einen türkischen Autor hatte die Schwedische Akademie erklärt, Pamuk habe "neue Sinnbilder für Streit und Verflechtung der Kulturen gefunden".

Pamuk: Türkei und Europa profitieren vom Beitritt

Vor einer Moschee in Istanbul wehen Fahnen Europas und der Türkei, Foto: AP

Fahnen der Türkei und der EU vor einer Moschee in Istanbul

Nachdem ihm der Nobelpreis im Oktober zugesprochen worden war, hatte Pamuk angekündigt, sich zur Verleihung nicht politisch äußern zu wollen, sondern ausschließlich literarisch. Dennoch: In Stockholm sprach er am Mittwoch mit Sorge über die jüngsten Konflikte zwischen Europa und der Türkei. Er sei aber weiter Befürworter eines EU-Beitritts. "Europa würde durch die Aufnahme der Türkei toleranter und multikultureller. Die Türkei selbst würde toleranter werden. Und die Welt würde lernen, dass es keinen Kampf der Kulturen gibt", hofft Pamuk.

Die Beitrittsgespräche zwischen EU und Türkei stecken derzeit in einer Sackgasse, weil die Türkei den Schiffen des EU-Mitglieds Zypern die Zufahrt zu türkischen Häfen verweigert. Die Staats- und Regierungschefs der Europäischen Union wollen Mitte Dezember beim EU-Gipfel in Brüssel über das weitere Vorgehen beraten.

Preisverleihung am Sonntag

Pamuk erhält den mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro dotierten Literaturnobelpreis am Sonntag vom schwedischen König Carl XVI. Gustaf. Bereits am Donnerstag soll er in der Schwedischen Akademie den traditionellen Nobel-Vortrag halten. Gleichzeitig werden die durchweg aus den USA kommenden Träger der wissenschaftlichen Nobelpreise geehrt.

Zu den bekanntesten Werken des Schriftstellers gehören "Rot ist mein Name", "Die weiße Festung" und "Schnee". Seine Romane sind in 34 Sprachen übersetzt worden. Zuletzt erschien in deutscher Übersetzung kurz vor der Nobelpreisvergabe das autobiografische Buch "Istanbul - Erinnerungen an eine Stadt".

Umstrittener Preisträger

Orhan Pamuk vor einer Moschee in Istanbul , Foto: AP

Orhan Pamuk in Istanbul: In der Heimat umstritten

In seiner Heimat ist Pamuk höchst umstritten. Seitdem er den Massenmord an den Kurden und Armeniern im Osmanischen Reich offen angesprochen hatte, war er immer wieder Hasskampagnen ausgesetzt, die ihm zuletzt eine Anklage wegen "Herabwürdigung des Türkentums" eingebracht hatten. Das Verfahren wurde im Januar 2006 aber eingestellt. Seine kritische Haltung mag auch der Grund sein, warum er die Auszeichnung nach Ansicht der meisten Türken nicht verdient hat. In einer von der Zeitung "Milliyet" veröffentlichten Umfrage vertraten 40 Prozent die Ansicht, der Autor habe den Preis "aus politischen Gründen" erhalten und deshalb nicht verdient. Nur rund 20 Prozent waren gegenteiliger Meinung. Weitere 40 Prozent äußerten sich nicht. (maj)

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