1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschland

Organe für Arm und Reich in Deutschland

Bislang müssen Händler und auch Empfänger von gekauften Organen in Deutschland mit Haftstrafen rechnen. Mit einem legalen Organhandel wäre beiden Seiten geholfen, argumentieren die Befürworter.

Organe werden nach ihrer Entnahme zum Transport verpackt (Foto: Dt. Stiftung Organtransplantation)

Mangelware Spenderorgan

Um an ein passendes Spenderorgan zu kommen, müssen sich Patienten in Deutschland immer noch hinten anstellen. Es gibt keinen Handel, keine Versteigerung dieser heißbegehrten menschlichen "Ersatzteile". Die kostenlose Vermittlung und Vergabe nimmt seit 1967 ihren Weg über die Stiftung Eurotransplant. Bei ihr sind zur Zeit rund 12.000 Deutsche registriert, die auf ein gesundes Organ warten. Täglich sterben etwa drei Menschen, weil es zuwenige Nieren oder Herzen gibt, die zur Spende freigegeben werden.

Die Versuchung ist daher groß, die manchmal lebensgefährliche Wartezeit abzukürzen und sich auf illegalem Weg ein Organ zu beschaffen. Immer wieder gibt es Gerüchte und Medienberichte. Zum Beispiel: Der Kauf von Organen und deren anschließende Transplantation im Ausland oder einige dubiose Fälle von Lebendspenden, bei denen nicht die große Liebe, sondern das große Geld das Motiv für die Entnahme eines Organs gewesen sein soll.

Versuchter Organhandel

Juristisch belegt und auch bereits bestraft ist bislang lediglich der Versuch eines Russlanddeutschen, der seine eigene Niere im Internet zum Verkauf angeboten hatte. 100.000 Mark wollte er damit verdienen. Der damals 19-jährige schrieb damit deutsche Rechtsgeschichte, denn er wurde im November 2001 vom Amtsgericht Homburg wegen unerlaubten Organhandels verurteilt. 100 Stunden gemeinnütziger Arbeit musste er leisten. Der Strafkatalog des Transplantationsgesetzes lässt durchaus noch härtere Strafen zu. Mit bis zu fünf Jahren Haft müssen Händler und Empfänger rechnen.

Suche nach Lösungen

Ein Spendeausweis wird ausgefüllt (Foto: dpa)

Zu wenige Deutsche besitzen einen Organspende-Ausweis

Wissenschaftler wie der emeritierte Volkswirt Professor Peter Oberender treten dafür ein, dass der Handel mit Organen nicht länger strafbar ist, sondern legalisiert werden sollte. Der Gesetzgeber solle einen regulierten Organmarkt zulassen. Wenn Spender auch finanziell entlohnt würden, steige auch das Angebot – so lautet die Rechnung der Befürworter eines offiziellen Organhandels.

Um die Zahl der verfügbaren Spenderorgane zu erhöhen, diskutieren Politiker aktuell die Einführung einer so genannten „Widerspruchslösung“. Mit einer solchen Regelung wäre jeder Bundesbürger ein möglicher Organspender. Wer eine Organspende ablehnt, muss ausdrücklich Widerspruch einlegen. Aktuell gilt hierzulande die “erweiterte Zustimmungslösung”. Organe dürfen nur dann entnommen werden, wenn der Tote zu Lebzeiten ausdrücklich einer Entnahme zugestimmt hat oder die Angehörigen sich damit einverstanden erklären.

Prominenter Patient

Doch auch durch diese Regelung ließe sich vermutlich die Versorgungslücke in der Transplantationsmedizin nicht endgültig schließen. So plädieren Experten dafür, auch die Zahl der Lebendspenden zu erhöhen. Ein medizinischer Eingriff, dem sich

Frank-Walter Steinmeier mit seiner Frau Elke Buedenbender (Foto: AP)

Frank-Walter Steinmeier mit seiner Frau Elke Buedenbender

SPD Politiker Frank-Walter Steinmeier im vergangenen Jahr seiner Frau zuliebe unterzogen hatte. Er spendete ihr eine seiner Nieren.

Die OP ist längst überstanden, aber die Diskussion über fehlende Spenderorgane ist geblieben. Die aktuelle öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema weiß Günther Kirste, medizinischer Vorstand der Deutschen Stiftung für Organtransplantation, durchaus zu würdigen. Ohne die Nierenspende des SPD Fraktionsvorsitzenden für seine Ehefrau, sagt er, wäre die Debatte um die Reform des Transplantationsgesetzes nicht in Gang gekommen. In einer Mediengesellschaft brauche ein Thema anscheinend Personalisierung und Prominenz, um auch politisch relevant zu sein.

Autorin: Regina Brinkmann
Redaktion: Manfred Böhm