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Asien

Ordensschwester hilft Kindern in Japan

Sie zittern bei jedem Nachbeben vor Angst, die 60 Kinder des Kinderheims in Ichinoseki, etwa 150 Kilometer von Fukushima entfernt. Um sie kümmert sich die deutsche Franziskanerschwester Caelina Mauer.

(Foto: Malteser Hilfsdienst)

Schwester Caelina Mauer kümmert sich um traumatisierte Kinder

Essen, Trost und ein wenig Normalität versucht die gelernte Krankenschwester den Kindern zu geben. Das allerdings ist unter den momentanen Umständen gar nicht so einfach. "Es gibt ständig Nachbeben, auch nachts. Besonders die Kleinen nimmt das mit. Die sind sowieso schon traumatisiert von dem großen Erdbeben", erzählt Schwester Caelina gegenüber DW-WORLD.DE.

"Kinder wollen auf den Arm genommen werden"

(Foto: Malteser Hilfsdienst)

Eine Woche lang mussten die Kinder in einer Turnhalle wohnen

Das große Beben mit der Stärke 9,0 am 11. März war das schwerste der Geschichte Japans, gefolgt von einem Tsunami. Auch heute spürt man noch täglich Erschütterungen, wenngleich sie auch schwächer sind. Bei diesen Nachbeben kommen die Kinder zu Schwester Caelina und ihren Mitarbeiterinnen gerannt. "Sie zittern, wollen auf den Arm genommen und getröstet werden."

Zurzeit leben 60 Mädchen und Jungen im Alter von 2 bis 18 Jahren in dem Heim. Die Präfektur Iwate fragte jetzt, ob noch weitere obdachlose Kinder und Waisen kommen könnten, die durch das Beben ihre Eltern verloren haben. Schwester Caelina hat sofort zugesagt. "Wir werden sie hier unterbringen, auch wenn die Enge den Kindern schon jetzt zusetzt", sagt die Franziskanerschwester. "Durch diese Naturkatastrophe rückt man näher zusammen. Man hilft sich gegenseitig. Es ist so wichtig auch diesen Kindern ein warmes Zuhause zu geben."

(Foto: Malteser Hilfsdienst)

Durch das Erdbeben wurde das Kinderheim stark beschädigt

Zumindest ein provisorisches zu Hause kann sie den Kindern bieten. Denn das Beben hat das Kinderheim stark lädiert. Deckenplatten sind weggebrochen, der Fußboden ist kaputt, Fensterscheiben sind zu Bruch gegangen und in den Wänden klaffen Risse. Eine Woche lang mussten sie sogar in eine Turnhalle umziehen, denn das Heim war zu gefährlich. Nun sind sie zwar wieder im Heimgebäude. Allerdings ist es dort bitterkalt, die Heizung ist kaputt.

Traumatisierte Kinder

(Foto: Malteser Hilfsdienst)

Bis heute bebt die Erde noch täglich in der Gegend des Kinderheims in Ichinoseki

Aber, meint die 47-Jährige, zumindest gäbe es wieder Strom und Wasser. "Immerhin sind die Kinder wieder in den eigenen Räumen, können dort spielen. Das hilft sicher, dass sie sich regenerieren können." Unterstützung bekommt sie dabei auch von Psychotherapeuten, die "mental care" anbieten. "Wichtig ist vor allem, dass wir uns momentan Zeit nehmen für die Kinder." Gemeinsam schaffen sie es, den Kindern dreimal täglich etwas zu essen zu kochen. Den Schock der Naturkatastrophe hätten die Kinder aber noch lange nicht überwunden, vermutet die Ordenschwester. Und wie geht sie selbst mit der Situation um? "Ich war nie verzweifelt", sagt sie ohne lange nachzudenken. Aber es sei schon schlimm, wenn man sich klar mache, dass innerhalb eines Tages tausende Menschen sterben. "Das ist eine Herausforderung mit dem Tod, mit dem Sterben, wie ich sie noch nie erlebt habe."

Benzin ist knapp und teuer

Darüber hinaus müssen sich Bewohner aber auch noch ganz anderen Herausforderungen stellen. Es gibt kaum Benzin, und das wenige, das noch zu haben ist, ist sehr teuer. Die Folge: "Die Menschen bleiben alle zu Hause. Die Stadt gleicht einer Geisterstadt." In Ichinoseki haben die Geschäfte zwar geöffnet, aber es dürfen immer nur fünf Kunden gleichzeitig in einen Laden hinein. Milch, Tofu, Brot oder Instantnudeln – diese Lebensmittel sind ausverkauft. Reis, Gemüse oder Obst hingegen gäbe es, so Schwester Caelina. Das Problem sei allerdings der Nachschub, "irgendwo stockt es, irgendwie ist das ganze Transportsystem noch nicht stabil".

Die Regierung kümmert sich zur Zeit vorrangig um die Versorgung der Küstenregionen, die besonders zerstört wurden. Da Ichinoseki im Landesinneren liegt und nicht direkt in der Erdbeben- und Tsunamiregion, kommt dort bis jetzt keine staatliche Hilfe an. "Man versucht uns ja zu helfen", erklärt die Ordensschwester, "aber die Hilfe stockt. Denn die Transportunternehmen fahren aufgrund der hohen Benzinpreise nicht so häufig".

"Japaner lassen sich nicht so schnell entmutigen"

(Foto: AP)

Run auf Lebensmittel

Die Zeit nach der Katastrophe sieht die Ordensschwester recht optimistisch. Die Japaner seien katastrophenerprobt. "Da ist so ein Gemeinschaftsgeist unter den Japanern. Die lassen sich nicht so schnell entmutigen. Die fangen sofort wieder an aufzubauen – an manchen Orten sogar jetzt schon."

Die Folgen des Erdbebens und des Tsunamis sind das eine. Aber wie geht sie mit der nuklearen Katastrophe um? Sie habe gar keine Zeit, sich mit den Gefahren zu beschäftigen, die aus Fukushima drohen könnten, sagt Schwester Caelina. Sie würde zwar über die Medien darüber informiert, was in Fukushima passiert. Aber eine offizielle Anweisung von den Behörden habe sie noch nicht erhalten. Und an eine Flucht mit den Kindern aus Ichinoseki habe sie noch nicht gedacht.

Autorin: Miriam Klaussner

Redaktion: Silke Ballweg