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Kultur

Orden verpflichtet

Kaum sind die deutschen Nationalspieler mit Orden dekoriert, spenden sie für die Flutopfer. Und Fußball spielen sie auch wieder. Erstmals nach der WM. Gegen Bulgarien.

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Oberhäupter unter sich: Bundespräsident Johannes Rau und Kapitän Oliver Kahn

Als sie spielten, ging ein Ruck durch Deutschland. Zumindest hätten die Leistungen der deutschen Fußball-Nationalmannschaft "dem Ansehen Deutschlands in der Welt sehr gut getan", meinte der Bundespräsident in seiner Laudatio. Und dem nationalen Wohlbefinden sowieso. Verdienter Lohn: Teamchef Rudi Völler und Michael Skibbe bekamen von Johannes Rau Anfang der Woche das Bundesverdienstkreuz angeheftet, die Nationalspieler das silberne Lorbeerblatt in schmucker Schatulle überreicht. "Wer so viel Gutes uns beschert/der ist auch Silber Lorbeer wert", wie der Bundespräsident zu dichten wusste.

Normalität am Mittwoch

Solchermaßen ausgezeichnet kam der Nationalmannschaft die ausgezeichnete Idee, 500.000 Euro an die Flutopfer zu spenden und durch Ausrichtung eines Benefiz-Spiels im nächsten Frühjahr nochmals einen erklecklichen Betrag in Millionenhöhe zu erspielen - Orden verpflichtet. "Wir sind in ganz Deutschland gefeiert worden", sagte Teamchef Völler, jetzt sei man auch gefordert etwas zurückzugeben, und zwar "brutal". Dass das vorgesehene Kaffeekränzchen mit Kanzler Schröder dann einer brutal dringenden Kabinettssitzung zum Opfer fiel, wird Völler verkraftet haben. Schließlich sei er froh, "wenn sich wieder Normalität einstellt, und diese Normalität beginnt am Mittwoch." Dann wird seine Mannschaft zu einem Freundschaftsspiel in Bulgarien antreten.

Erste Bananen

Anderswo hat die Normalität schon früher begonnen: In den Applaus für Oliver Kahn mischten sich am ersten Spieltag der Bundesliga schon wieder erste Bananenwürfe. Fast hatte es den Anschein, dass der Torwart-Titan sich wieder über solche Normalität freut. Bundesliga ist eben Bundesliga und die Halbwertszeit nationaler Sympathieschübe nach dem Schlusspfiff eines großen Turniers gering.

Helden mit Zipperlein

Dass die Normalität für die Nationalmannschaft gerade jetzt beginnt, ist kein Zufall. Schon am 7. September werden die ersten Punkte er Qualifiaktionsrunde zur Europameisterschaft 2004 gegen Litauen ausgespielt. Da bleibt keine Zeit sich auf silbernem Lorbeer auszuruhen. Um eine Blamage gegen die bestenfalls drittklassigen Balten zu verhindern, soll sich die deutsche Auswahl in und gegen Bulgarien einspielen. Doch es verspricht ein Spiel von zweifelhaftem sportlichen Wert zu werden: Die WM-Helden sind müde. Insgesamt zwölf gestandene Nationalspieler stehen wegen mehr oder weniger dramatischen Zipperlein nicht zur Verfügung.

Schaulauf der Hochbegabten

So brach die wohl jüngste deutsche Nationalmannschaft aller Zeiten gen Sofia auf - ein erstes Schaulaufen für den hochbegabten Nachwuchs, der 2006 den WM-Titel für Deutschland holen soll. Fabian Ernst, Tim Borowski, Paul Freier, Daniel Bierofka und Arne Friedrich lauten die Namen der Neuen. Letzterer konnte zum Zeitpunkt seiner Nominierung auf die gesammelte Erfahrung genau eines Bundesligaspiels zurückblicken. "Eine gesunde Mischung aus jung und alt" will Völler für die ausstehenden Aufgaben finden. Dies dürfte beim derzeitigen Mangel an Alten schwerfallen - mit Torhüter Jens Lehmann hat gerade mal ein Spieler des aktuellen Aufgebots bereits 30 Jahre hinter sich gebracht. Jammern will im DFB-Tross über das Ungleichgewicht zugunsten der Jungen allerdings niemand - noch vor kaum zwei Jahren wurde in Deutschland über den Mangel an qualifiziertem Nachwuchs geklagt. Fast scheint es, als sei dem ein Ruck durch Fußball-Deutschland gegangen.

  • Datum 21.08.2002
  • Autorin/Autor Oliver Samson
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  • Permalink http://p.dw.com/p/2ZTo
  • Datum 21.08.2002
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