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Mit Musik gegen Militäreinsätze

Orchestermusiker blockieren Fliegerhorst

Orchestermusiker und Sänger haben den Fliegerhorst Jagel blockiert. Die Musiker spielten Stücke von Ludwig van Beethoven, Georg Friedrich Händel und "Die letzte Schlacht gewinnen wir" von Ton, Steine, Scherben.

Alle elf Zufahrten und Eingänge zu dem Stützpunkt in Schleswig-Holstein seien "mit Musik blockiert worden", sagte der Sprecher des Netzwerks "Lebenslaute", Marcus Bayer.

Ein Sprecher der Luftwaffe in Berlin gab sich ob der Aktion gelassen: "Das sind demokratische Rechte, die dort ausgeübt werden." Man habe keine Probleme mit so einer Meinungsäußerung, solange alles friedlich bleibe.

Die rund 200 Sänger, Orchestermusiker und Unterstützer wollten mit der Aktion, die unter dem Motto stand: "Von Bass bis Sopran - gemeinsam gegen Rüstungswahn" unter anderem gegen die geplante Anschaffung von Kampfdrohnen und für die Schließung des Fliegerhorstes demonstrieren.

Stiller Protest gegen Militäreinsätze am Rande des Konzerts (picture-alliance/dpa/C. Rehder)

Stiller Protest gegen Militäreinsätze am Rande des Konzerts

Im nahe Schleswig gelegenen Jagel ist das Taktische Luftwaffengeschwader 51 stationiert. Hier werden unter anderem die deutschen Tornado-Piloten ausgebildet. Tornado-Piloten aus Jagel waren zuletzt an Aufklärungsflügen im Kampf gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) über Syrien und dem Irak beteiligt. Die Flüge sollen nach dem Abzug aus dem türkischen Incirlik im Oktober von Jordanien aus wieder aufgenommen werden. In Afghanistan und Mali ist das Geschwader mit unbenannten Aufklärungsdrohnen des Typs Heron 1 im Einsatz.

Erste Teilnehmer der Blockade-Aktion versammelten sich nach Angaben der Polizei gegen 6.00 Uhr vor den Toren und auf den Zufahrten der Basis. Ziel der rund 150 Menschen sei es gewesen, zu verhindern oder zumindest zu erschweren, dass Angehörige der Bundeswehr ihren Arbeitsplatz erreichen können. Mitarbeiter wurden daraufhin mit Bussen in den Stützpunkt gebracht. "Alle Versammlungen und Aktionen verliefen friedlich", sagte ein Polizeisprecher. "Wir sind sehr zufrieden mit der Aktion", sagte Initiator Bayer.

Blockaden seit 30 Jahren

Die "Lebenslaute"-Musiker treffen sich nach Angaben des Netzwerk-Sprechers einmal jährlich zu einer großen Sommeraktion. Im vergangenen Jahr waren die Zufahrten der US-Kommandozentrale für Afrika in Stuttgart blockiert worden. Das Netzwerk war 2014 mit dem Aachener Friedenspreis ausgezeichnet worden. "Lebenslaute" gibt es nach Informationen auf der Internetseite seit rund 30 Jahren.

Auf einer Demonstration gegen die Stationierung der Pershing-II-Raketen in Deutschland Mitte der 1980er Jahre seien drei Musiker auf die Idee gekommen, eine Blockade mit klassischer Musik zu machen. Die offene Musik- und Aktionsgruppe will "überwiegend klassische Musik gerade dort zum Klingen bringen, wo dies nicht erwartet wird" - beispielsweise auf Militärübungsplätzen.

cgn/uh (dpa, ndr.de)