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Kultur

Orang Utans trainieren fürs Überleben in der Wildnis

Der Sumatra Orang Utan gehört zu den bedrohten Tierarten. Die Regierung Indonesiens und Naturschutzorganisationen bemühen sich, Zooexemplare wieder in ihrem natürlichen Lebensraum anzusiedeln. Doch das ist nicht einfach.

Sumatra Orang Utan, Quelle: Deutsche Welle

Soll sich bald wieder alleine im Urwald zu Recht finden: der Sumatra Orang Utan

Eine Schule für Orang Utans. So nennen die Leute die Auswilderungsstation in Bukit Tigapuluh, die 250 Kilometer von Jambi entfernt ist und auf der indonesischen Insel Sumatra liegt. Hier sollen Orang Utans, die ihr bisheriges Leben unter Menschen verbracht haben, wieder lernen, dass sie eigentlich Orang Utans sind. Mit dem Ziel, die Menschenaffen wieder anzusiedeln, beauftragte die Zoologische Gesellschaft Frankfurt den Biologen Peter Pratje, eine Auswilderungsstation für Sumatra Orang Utans aufzubauen.

Bukit Tigapuluh sei der ideale Platz dafür, meint Pratje: "Eine Voraussetzung für die Auswilderung von Sumatra Orang Utans ist, dass es ein Gebiet sein muss, das gegenwärtig keine wilde Population mehr hat, aber ursprünglich Lebensraum der Orang Utans gewesen ist." In Bukit Tigapuluh vermutet man, dass vor 150 Jahren die Wildpopulation durch einwandernde Naturvölker ausgerottet worden ist. Ungefähr zu dem Zeitpunkt sei der Orang Utan in Bukit Tigapuluh verschwunden. "Orang Utans sind sehr sensibel gegenüber Bejagung. Und Naturvölker, die extreme Experten in Waldbejagung sind, können so eine Population natürlich sehr schnell ausrotten."

Basiswissen für Leben ohne menschliche Hilfe

Peter Pratje arbeitet hier zusammen mit ungefähr 20 anderen Arbeitern. Gemeinsam versuchen sie, den halbzahmen Tieren, das Überleben im Urwald beizubringen. Sie müssen zum Beispiel das Klettern neu lernen. Wilde Orang Utans verbringen eigentlich ihr ganzes Leben auf Bäumen. Doch das ist nicht so einfach für die Orang Utans in der Auswilderungsstation. Als "Haustiere" waren sie meistens im Käfig oder wurden von den Besitzern überall herumgetragen oder an die Hand genommen.

Peter Pratje, Quelle: Deutsche Welle

Peter Pratje trainiert die Affen für ein Leben in der Wildniss

Marni und Carolin, zwei junge Orang Utans die unzertrennlich sind, lernen gerade das Klettern. Trainer Damson braucht nicht lange, bis die beiden Orangs hochklettern wollen und beginnen, sich von Baum zu Baum zu hangeln. Doch die Angst vor der Höhe merkt man den Beiden noch an. Damson machte sich deshalb nicht so viele Sorgen, dass die Beiden so hoch klettern würden, bis er sie nicht mehr beobachten kann. Doch nicht alle Orang Utans sind so begabt wie Marni und Carolin. Jenggo hat uns im Wald entdeckt. Sofort stürzt er sich auf uns und klammert sich mit seinen langen Armen an unsere Beine. Er hat keine Berührungsängste bei Menschen. Ihn interessieren auch Marni und Carolin nicht, die versuchen mit ihm zu "flirten".

Jenggo ist ein Problemfall für Peter Pratje, erklärt dieser: "Wir haben einige Problem-Orang-Utans, die von Familien aufgezogen wurden. Und ironischerweise sind die, die unter sehr guten Bedingungen gehalten worden sind, also wie ein Familienmitglied lebten, komplett fehlgeprägt." Der Orang Utan Jenggo, findet sich zwar perfekt im Wald zurecht, findet Nahrung und schläft nicht auf dem Boden sondern in einem Schlafnest - lebt also wie ein wilder Orang Utan. Aber es bleibt das Problem, dass er fehlgeprägt auf den Menschen ist und versucht, sobald er Menschen sieht, Kontakt aufzunehmen. Die Umerziehung solcher Orang Utans dauere lange Jahre und bei einigen werde es vielleicht nie funktionieren, glaubt Pratje.

Auch die Nahrungssuche muss neu erlernt werden

Zurück in der Station. Es ist Zeit zum Mittagsessen. Die Essenzeit wird jedes Mal mit der hölzernen Signaltrommel signalisiert. Essen bedeutet nicht nur satt werden für die Orang Utans in der Auswilderungsstation, es ist auch ein Teil des Lernprozesses. Wenn sie wieder im Wald leben, müssen sie sich selbst das Essen besorgen können. Säcke voll mit verschiedenen Blättern werden von Julius dem Stationsmanager ausgeteilt. Sie sind zugeschnürt. Die Orang Utans müssten lernen, wie man den Sack öffnet, erläutert Julius: "Wir haben die Säcke mit verschiedenen Blättern gefüllt. Manche kann man essen, manche nicht. Früchte gibt es auch. Sie müssen nun rausfinden, was essbar ist. Für die Orang Utans ist es wie ein Lernspiel."

Orang Utan im indonesischen Urwald, Quelle: Deutsche Welle

Der Lebensraum der Orang Utans droht, der Industrie zum Opfer zu fallen

Ein wichtiges Spiel zum Überleben - wie die Auswilderungsstation überhaupt eine Art Überlebenstraining für die Orang Utans ist. Irgendwann, wenn die Trainer denken, dass sie bereit sind, werden sie in die Wildnis entlassen. Zurzeit gibt es weniger als 6000 Orang Utans auf Sumatra. Die Trainer müssen alles daran setzen, damit die noch Lebenden nicht einfach aussterben, nur weil sie sich nicht in der Wildnis zurechtfinden. Und sogar für Orang Utans wie Jenggo, die zu lange als Haustier gehalten wurden, gibt es noch eine Möglichkeit zurück in die Natur zu kehren. Im Osten des Bukit Tigapuluh Nationalparks will Pratje eine neue Station aufbauen. Dort sollen Orang Utans hingebracht werden, die nicht alleine leben können. "Die werden dann permanent bewacht. Das heißt, die haben dann jeden Tag einen Pfleger dabei, der aufpasst, dass sie nicht irgendwo die Einheimischen stören. Dann hoffen wir noch, dass es irgendwann mal doch funktioniert."

Projekt gefährdet durch Wirtschaftskonzern

Doch dieses Projekt kann auch schief gehen. Seit Januar dieses Jahres führt die Naturschutzorganisation WWF eine Kampagne gegen den Papierriesen "Asia Pulp and Paper" (APP), der dort eine breite Straße bauen will. Nach einer aktuellen Studie des WWF, führt diese Straße durch das Land zweier indigener Völker und zerschneidet so die Lebensräume bedrohter Tierarten - unter anderem auch die der Orang Utans. Circa 20.000 Hektar Natur sind dort bereits dem Straßenbau zum Opfer gefallen. Darunter sei auch die geplante neue Station von Peter Pratje. Fast die gesamte Pufferzone um Bukit Tigapuluh sei im Moment vom Produktionswald zum Industriewald erklärt worden und deswegen würden jetzt wahrscheinlich große Teile des verbleibenden Waldes in Industrieplantagen umgewandelt. "Und das ist jammerschade, weil Bukittigapuluh das größte und letzte verbliebene Tieflandregenwaldgebiet auf Sumatra ist."

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