1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wirtschaft

Optimismus ja, Euphorie nein

Mehr Wachstum, mehr Jobs: Die Wirtschaft blickt optimistischer auf die Konjunktur. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) hat seine Wachstumsprognose von 1,3 auf 1,8 Prozent angehoben.

Zugleich rechnet der DIHK jetzt mit 250.000 neuen Stellen - 50.000 mehr als noch zu Jahresbeginn geschätzt. "Das Wachstum zieht an", sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben am Donnerstag in Berlin. Die Unternehmen blicken demnach optimistischer nach vorn, wie die Umfrage des Verbandes unter mehr als 23.000 Firmen ergab. Jedoch: "Erwartungen mit einer zwei vor dem Komma erfüllen sich für dieses Jahr nicht", so Wansleben.

"Euphorie bleibt aus", sagte Wansleben weiter. Sonderfaktoren für die Konjunktur verlören bereits an Kraft. "Der Ölpreis steigt bereits wieder, und der Euro hat sich gefangen." Ein Wachstum von zwei oder mehr Prozent sei 2016 nur drin, wenn wieder kräftiger investiert werde. Die Politik könne dazu beitragen, indem der Staat selbst mehr investiere und die Rahmenbedingungen für private Projekte verbessere.

An frühere Aufschwungphasen reichten die Geschäftserwartungen nicht heran, berichtete Wansleben. Zwar planten die Betriebe eine Ausweitung ihrer Investitionen und ihrer Beschäftigung – "mit der Entwicklung der Geschäftserwartungen halten die Pläne allerdings nicht ganz mit", sagte der DIHK-Hauptgeschäftsführer. Ein Wachstum in einer Größenordnung von zwei Prozent sei auch 2016 nur möglich, wenn die Investitionen endlich kräftiger anzögen. "Beim Konsum kommen in diesem Jahr alle positiven Faktoren zusammen - das klappt so nicht noch einmal, allein schon wegen des Ölpreises."

Dickes Beschäftigungsplus

Für die Beschäftigung sieht der DIHK in diesem Jahr ein Plus von rund 250.000 Stellen (Prognose Jahresbeginn 2015: 200.000). "Möglich ist das, weil die Bevölkerung dank der Zuwanderung wieder wächst", erläuterte der DIHK-Hauptgeschäftsführer in Berlin. "Die Zahl der Arbeitslosen geht 2015 um rund 100.000 auf durchschnittlich 2,8 Millionen zurück."

Die Lageeinschätzung der Unternehmen verbesserte sich im Frühsommer 2015 nicht weiter. Rund laufen die Geschäfte in der Bauwirtschaft. Die Stimmung in der Industrie hellt sich dank besserer Auslandsgeschäfte und der guten inländischen Konsumnachfrage auf. Beschäftigungszuwächse, Lohnsteigerungen und niedrige Preise schaffen Kaufkraft. Dies sorgt auch für eine spürbare Belebung im Handel. Vielen Dienstleistern kommt dies ebenfalls zugute, allerdings überwiegen in diesem Sektor insgesamt die bremsenden Faktoren – gerade in Sparten, die sich seit zwei Jahren eher um steigende Kosten als um die Nachfrageentwicklung sorgen.

Ölpreis und Euro helfen

Auch die Geschäftserwartungen haben sich im Frühsommer wieder spürbar verbesert, am stärksten in der Bauwirtschaft. Sie profitiert besonders von den anhaltenden Niedrigzinsen. Der weiterhin günstige Ölpreis und der schwache Wechselkurs nutzen zudem der Industrie, deren Erwartungen ebenfalls steigen. Die höhere Kaufkraft belebt die Zuversicht der Handelsbranchen. Bei den Dienstleistern gewinnen die Optimisten zwar gleichfalls an Gewicht, allerdings bremst in diesem Sektor vielfach die Verschlechterung einiger Rahmenbedingungen, etwa der Mindestlohn oder die steigenden Bürokratiebelastungen.

Die Exporterholung gewinnt allmählich an Fahrt. Die Euro-Schwäche begünstigt Ausfuhren in Drittstaaten. Zudem bleibt die Wirtschaft in den Ländern der Eurozone auf dem Erholungspfad. Gerade diese wichtigen Abnehmerländer setzen wieder verstärkt auf deutsche Erzeugnisse. Robust zeigt sich die Wirtschaft in den USA. Weiterhin große Sorgen bereitet deutschen Unternehmen die Entwicklung in Russland; zumindest zeichnet sich hier allmählich eine Bodenbildung bei den Erwartungen der Unternehmen ab. In China dämpfen wirtschaftspolitische Reformen das Wirtschaftswachstum. Dies dürfte mit einem geringeren Anstieg deutscher Exporte einhergehen.

Die Investitionsabsichten hellen sich in allen Sektoren der Wirtschaft auf. Verbesserte Absatzperspektiven im In- und Ausland erlauben derzeit eine expansivere Planung. Dies ist freilich auch Sondereffekten wie den Niedrigzinsen und den gesunkenen Ölpreisen zu verdanken. Der Anstieg der Investitionspläne bleibt noch immer etwas hinter der Dynamik der Geschäftserwartungen zurück

wen/iw (rtrd, dpa, DIHK)