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Aktuell Nahost

Opposition in Syrien wird gnadenlos verfolgt

Das syrische Regime geht mit letzter Konsequenz gegen seine abtrünnigen Bürger vor. Dennoch hofft das Rote Kreuz, endlich den Menschen im ausgebombten Stadtteil Baba Amro in der Oppositionshochburg Homs helfen zu dürfen.

In der Stadt Rastan lägen Stellungen der Freien Syrischen Armee (FRA), einer überwiegend aus Deserteuren bestehenden Truppe, unter heftigem Feuer, berichtete die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Rastan, das nur 20 Kilometer von Homs entfernt liegt, war seit Anfang Februar in der Hand der Rebellen. Die FRA gilt als der bewaffnete Arm der Widerstandsbewegung gegen Präsident Baschar al-Assad und soll zwischen 20.000 und 40.000 Kämpfer umfassen. Allerdings sind sie im Vergleich zur regulären Armee schlecht organisiert und besitzen kaum Waffen.

Nachdem die syrische Armee am Donnerstag das umkämpfte Stadtviertel Baba Amro in Homs eingenommen hatte, waren viele Oppositionelle bereits davon ausgegangen, dass als nächstes die Städte Rastan und Kussair im Zentrum des Landes angegriffen würden, die zu großen Teilen von den Rebellen kontrolliert werden. Inzwischen nahmen Panzer der Armee Kussair nahe der Grenze zum Libanon unter Beschuss. Nach einem Bericht des UN-Flüchtlingshilfswerks flohen bis zu 2000 Menschen vor Armee-Einheiten über die Grenzen in den Libanon.

Getötete Journalisten in die Heimat überführt

Zuvor hatte die Armee die Bombardierung der Stadt Homs ausgeweitet. Sie beschoss am Wochenende einen Wohnbezirk, in den Tausende Zivilisten geflohen waren. In der Provinz Idlib sollen 44 fahnenflüchtige Soldaten hingerichtet worden sein.

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Syrien: internationale Appelle ohne Wirkung

Die Leichen der in Homs getöteten westlichen Journalisten sind aus Syrien ausgeflogen worden. Eine französische Maschine brachte die Särge der US-Journalistin Marie Colvin und des französischen Fotografen Remi Ochlik nach Paris. Die beiden Reporter waren heimlich nach Syrien eingereist, um über das wahre Ausmaß der Gewalt zu berichten. In Baba Amro wurden sie am 22. Februar bei einem Artillerieangriff der Regierungstruppen getötet.

Rotes Kreuz erwartet die Freigabe für den Hilfskonvoi

Nach tagelangen Verhandlungen mit den syrischen Behörden erwartet das Rote Kreuz nun offenbar doch grünes Licht für seinen Hilfskonvoi für das zerstörte Baba Amro. "Wir hoffen nun reinzukommen, wir hoffen, dass heute der Tag ist", sagte IKRK-Sprecher Saleh Dabbakeh am Sonntag. Seit der Einnahme von Baba Amro verweigerte die syrische Regierung dem Roten Kreuz, Hilfsgüter in das zerstörte Viertel zu bringen. Oppositionelle warfen dem Assad-Regime vor, ein Massaker verübt zu haben, dessen Spuren erst beseitigt werden sollten. "Wir machen uns sehr große Sorgen um die Menschen in Baba Amro", sagte Dabbakeh. Die monatelange Belagerung hat das Gebiet weitgehend von der Versorgung mit Öl, Lebensmitteln und medizinischer Versorgung abgeschnitten.

Inzwischen begannen Helfer des Roten Kreuzes, in einem Dord, das drei Kilometer von Homs entfernt liegt, Hilfsgüter zu verteilen. Geplant ist, Lebensmittel, Decken und Arzneimittel in der Nähe von Baba Amro auszuteilen, um so geflohene Bewohner zu erreichen.

Die ausufernde Gewalt lässt auch China nicht länger kalt

Inzwischen reagiert auch einer der letzten Verbündeten des Assad-Regimes auf die immer neuen Gräuel: Die Volksrepublik China fordert nun, jegliche Gewalt in Syrien, insbesondere "gegen unschuldige Zivilisten", unverzüglich, vollständig und ohne Vorbedingungen zu beenden. In einer von der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua verbreiteten Erklärung des chinesischen Außenministeriums wird ein umfassender politischer Dialog zwischen Regierung und Opposition ohne Vorbedingungen angeregt. Dieser solle vom Syrien-Sondergesandten der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga, Kofi Annan, moderiert werden. China und Russland hatten gegen die beiden letzten Syrien-Resolutionen im UN-Sicherheitsrat ihr Veto mit der Begründung eingelegt, darin werde nur die Gewalt der syrischen Sicherheitskräfte, aber nicht die der Rebellen verurteilt.

Scharfe Kritik auch aus der Türkei

Der türkische Außenminister Ahmet Davutoglu wirft dem Assad-Regime vor, "tagtäglich Verbrechen gegen die Menschlichkeit" zu begehen. "Ich sage dies ganz deutlich nach all den Massakern und Verbrechen, die den Charakter von Kriegsverbrechen haben", sagte Davutoglu auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem italienischen Amtskollegen Giulio Terzi.

rb/kis/kle/sti (afp, dapd, dpa, rtr)

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