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Wirtschaft

Opfer des eigenen Erfolgs

Mehr als 100.000 Menschen kamen zum Weltsozialforum nach Porto Alegre, um über Themen wie Globalisierung und Armutsbekämpfung zu diskutieren. Doch der wachsende Zuspruch wird für die Organisatoren langsam zum Problem.

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Das Weltsozialforum platzt aus allen Nähten

Über 1700 Workshops, Reden und Podiumsveranstaltungen; mehr als 5700 Organisationen aus 156 Ländern von Argentinien über die Fidschi-Inseln bis hin zum Vatikan. Die Organisatoren des Weltsozialforums können stolz sein. Denn sie haben es geschafft, innerhalb von weniger als drei Jahren aus einem belächelten Treffen der so genannten Globalisierungskritiker das größte Globalisierungsereignis der Welt zu machen.

Keine Kopfhörer

Dennoch, es ist genau dieser Erfolg, der das Weltsozialforum bedroht. Ein Ereignis in dieser Größenordnung ist kaum noch vernünftig zu organisieren, geschweige denn zu finanzieren. Dabei stoßen die Organisatoren an Grenzen, an die normalerweise kein Mensch denkt. So sind in ganz Brasilien insgesamt maximal 17.000 Kopfhörer für Simultanübersetzungen erhältlich - zu wenig für das Weltsozialforum. Also mussten die Simultanübersetzungen teilweise per Radio übertragen werden. Auch die Hotels von Porto Alegre brechen trotz des massiven Ausbaus in den letzten Jahren schlichtweg einfach unter dem Ansturm der Besucher zusammen.

Gleiches gilt für die Organisation der Veranstaltungen. Wer ein Workshop besuchen wollte, musste sich Zeit und Ort mühsam aus dem Internet in über 130 Seiten langen, unübersichtlichen Listen heraussuchen - wenn man Glück hatte und die Seite nicht gerade wieder einmal unzugänglich war. Und selbst wenn man endlich einen Termin gefunden hatte, konnte es durchaus vorkommen, dass wenige Stunden vor Beginn doch alles wieder geändert wurde. Selbst die Ausrichter der Workshops erhielten in der Regel keine genauen Informationen über ihre eigenen Veranstaltungen. Wer Einladungen verschicken wollte, konnte dies teilweise erst einen Tag vor Beginn des Workshops tun.

Weltweite Unübersichtlichkeit

Um den Druck vom zentralen Weltsozialforum in Porto Alegre zu nehmen, hat das Organisationskomitee in den vergangenen Monaten zahlreiche regionale und thematische Foren in der ganzen Welt veranstaltet. Doch anstatt mehr Übersichtlichkeit zu bringen, hat die Regionalisierung den Prozess nur noch verkompliziert. Die Organisatoren gestehen freimütig ein, dass sie nicht sagen können, welche relevanten Ergebnisse beispielsweise das asiatische Regionalforum in Hyderabat gebracht hat.

Wenn das Weltsozialforum auch in Zukunft seine Rolle als Trendsetter, sozusagen als "Leitmesse" der globalisierungskritischen Bewegung, bewahren soll, wird es sich neu definieren müssen. Dabei darf auch der bisher komplett freie Zugang zum Forum kein Tabuthema mehr sein. Die Kapazitätsgrenze ist bereits jetzt überschritten.

Verlegung der Eröffnungsfeier

Auch das Organisationssekretariat muss in Zukunft professioneller arbeiten. So war es sicherlich keine Glanzleistung, die offizielle Eröffnungsveranstaltung des Forums am Tag des Beginns drei Mal in ein anderes Gebäude zu verlegen.

Sollte das Weltsozialforum nicht reformiert werden, droht es Opfer seines eigenen Erfolgs zu werden und im totalen Chaos zu versinken, sollte es in Zukunft weiter so schnell wachsen wie bisher. Das wäre schade, denn Themen wie die Verschuldung der Entwicklungsländer, der weltweite Umweltschutz und die Schaffung von Frieden im Nahen Osten können kreative und unkonventionelle Ideen, wie sie hier in Porto Alegre entwickelt werden, dringend gebrauchen.