1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Musik

Opernloft für Opernmuffel

Nicht jeder ist ein Opernfan, klar, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Das Junge Musiktheater Hamburg möchte Kinder und Erwachsene für die Opernwelt begeistern - mit ganz eigenen Inszenierungen ...

OperaBreve, Figaros Hochzeit (Foto: Silke Heyer)

Figaros Hochzeit

Es sieht so gar nicht nach Oper aus: ein altes Fabrikgebäude in der Innenstadt, 3. Etage. Der ehemalige Lagerraum ist zum großzügigen Opernloft umfunktioniert worden, mit gemütlichen Sitzkissen, einer Bistro-Ecke, gehalten in warmen Farben. Kurz: ein Ambiente zum Wohlfühlen. Hier werden Opern in unkonventionellen Inszenierungen gezeigt, die Jung und Alt ansprechen sollen.

City-Oper für Einsteiger

Opernloft (Foto: Silke Heyer)

Opernloft

"Oper ist altmodisch, langatmig, unverständlich." Mit diesem Vorurteil will das Leitungstrio des Hamburger Opernlofts gründlich aufräumen – und tut das seit gut drei Jahren mit Erfolg. Die Opernsängerin Inken Rahardt hat zusammen mit den Dramaturginnen Yvonne Bernborn und Susann Oberacker das Konzept für ein alternatives Opernhaus entwickelt. Mit der "OperaBreve", einer 90-Minuten-Oper in modernem Gewand, und Kinderopern in fantasievoller Ausstattung haben die drei Künstlerinnen in der Hansestadt eine einzigartige Musiktheaterform etabliert. Es gebe viele Leute, die gern ins Theater oder in die Oper gingen, denen aber eine dreistündige Inszenierung zu lang sei, sagt Inken Rahardt. Ihre Inszenierungen seien daher kürzer: "Wir bringen das Stück in eine zeitgemäße Form. Rezitative und Chöre, die nicht direkt zur Handlung gehören, lassen wir weg. Wir konzentrieren uns auf die Highlights. Außerdem spielen die Opern bei uns immer im Hier und Jetzt, nicht in der Entstehungszeit. Wir erzählen also eine Story, die die Menschen von heute interessiert."

Hautnah und anders

Electr'Opera, Romeo reloaded (Foto: Silke Heyer)

Romeo reloaded

Großes Orchester und üppige Dekorationen gibt es im Opernloft nicht. Junge Sängerinnen und Sänger präsentieren die bekannten Werke der Musikliteratur in aktueller, kurzer und verständlicher Form. Zum Beispiel, in dem sie die Handlung in die alltägliche Erlebniswelt übersetzen: Verdis "Traviata" spielt im Party-Milieu einer Großstadt, aus "Carmen" wird ein trällerndes Schulmädchen, das es auf einen Referendar abgesehen hat. Außerdem gibt es die Programmsparte "Electr’Opera", in der Jugendliche gemeinsam mit Profis singen und spielen. "Natürlich haben wir heute eine andere Erfahrungswelt mit DVD und Playstation, Kino und special effects", sagt Inken Rahardt. Um die Oper wieder sexy zu machen, müsse man sich da schon ein bisschen reinmogeln. Zum Beispiel, indem sie aus den wichtigsten Melodien der Oper eine Popsong komponieren, "der dann zum Ausklang gespielt wird."

Nie früh genug

Oper für Kinder, Die Prinzessin der Feen (Foto: Silke Heyer)

Die Prinzessin der Feen

"Musiktheater für Kinder ab 3" ist eines der Hauptanliegen von Inken Rahardt und ihrem Team. "Oper für Kinder ist für uns kein Abfallprodukt der großen Oper, sondern ein Qualitätsprodukt. Wir wollen Inhalte vermitteln und nicht nur ein weiteres Unterhaltungsprogramm bieten." Für die jüngsten Zuschauer entstehen humorvolle und kindgerechte Fassungen der Opern mit witzigen Kostümen und viel Liebe zum Detail. Mitsingen und Mittanzen sind ausdrücklich erlaubt, und da, wo die Geschichte weitergeht, springt ein Erzähler ein. "Die kleine Zauberflöte", "Der kleine Ring" oder "Hänsel und Gretel" werden so zu Opernlieblingen der ganzen Familie.

Als einzigartiges Musiktheater gewürdigt

Theaterleitung: Yvonne Bernbom, Inken Rahardt (Foto: Silke Heyer)

Yvonne Bernbom, Inken Rahardt

Das Junge Musiktheater Hamburg zeigt seit fast zehn Jahren Opern für Kinder, Jugendliche und "Quereinsteiger". 2007 dann konnten sie die neuen Räume in der Hamburger Innenstadt beziehen - das Opernloft war gegründet. Seitdem betreiben die Leiterinnen Nachwuchsförderung im doppelten Sinn. Als "Oper für Einsteiger" bietet es Musiktheater für Kinder und Erwachsene und dient gleichzeitig jungen Sängerinnen und Sängern als Karriere-Sprungbrett. Ein Konzept, das inzwischen viel Anerkennung gefunden hat und mit mehreren Theater-Preisen ausgezeichnet worden ist. Inken Rahardts Hauptmotivation aber ist: "Wir möchten, dass die Oper an sich erhalten bleibt und Menschen Zugang finden zur Oper, weil wir glauben, dass Oper das Leben enorm verschönern kann."

Autorin: Gudrun Stegen

Redaktion: Conny Paul