Opern-Diva Montserrat Caballé wird 85 | Kultur | DW | 11.04.2018
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Kultur

Opern-Diva Montserrat Caballé wird 85

Im Belcanto-Fach feierte die Sopranistin Triumphe - Kritiker und Publikum sahen daher in ihr die Erbin von Maria Callas. Aber Montserrat Caballé war auch in anderen Musikbereichen sehr erfolgreich.

Nomen est Omen: Als die Eltern von Montserrat Caballé ihrer am 12. April 1933 geborenen Tochter den Namen des nahe bei Barcelona gelegenen Gebirges gaben, konnten sie noch nicht ahnen, dass diese später sämtliche Gipfel des Koloraturgesangs erstürmen würde. Und vermutlich dürfte sich die Sängerin selbst nie erträumt haben, dass man sie dereinst als "Königin des Belcanto" verehren würde. Singen wollte sie allerdings schon - das war klar.

Von Bremen aus in die Welt

Nach dem Gesangsstudium am Konservatorium in ihrer Geburtsstadt Barcelona debütierte Montserrat Caballé 1956 am Stadttheater in Basel in der Rolle der schwindsüchtigen Mimi in Puccinis "La Bohème". Drei Jahre später kam die junge Sopranistin zum Ensemble des Bremer Stadttheaters. Hier baute sie ihr Repertoire konsequent aus und studierte ganz unterschiedliche Sopranpartien ein. Nicht nur das Publikum der sonst eher verhalten norddeutschen Hansestadt jubelte der Sängerin begeistert zu; bald wurden auch auswärtige Häuser auf Montserrat Caballé aufmerksam. Und als sie 1965 ohne vorherige Probe für die erkrankte Marilyn Horne bei einer konzertanten Aufführung von Donizettis "Lucrezia Borgia" in New York einsprang, war die Sensation perfekt: "Das ist die Belcanto-Spezialistin, auf die wir gewartet haben", jubelten die begeisterten Kritiker.

Rossini, Bellini, Donizetti

Opernsängerin Montserrat Caballe (Getty Images/I. Showell)

Weltweit geschätzt und geliebt - Caballé in London

Ihr schlagartiger Erfolg in New York kam für die Sängerin überraschend - und er sollte prägend für Montserrat Caballés internationale Karriere werden. Über die italienische Gesangskunst sagte sie noch Jahrzehnte später in einem Interview: "Belcanto klang mir immer zu sehr nach 'Kikeriki'. Ich fand Mozart besser. Der Dirigent hat mir dann einfach gesagt, ich solle es singen, als wenn es Mozart wäre." Zwar interpretierte die Caballé immer wieder gerne Partien von Mozart oder Richard Strauss, doch das Publikum wollte sie vor allem in den halsbrecherisch virtuosen Koloraturpartien der Werke von Gioacchino Rossini, Vincenzo Bellini und Gaetano Donizetti hören. Diese präsentierte die Sopranistin bald sowohl an der Met Opera als auch den großen internationalen Opernhäusern in München, Hamburg, Berlin, Wien, London, Paris, Mailand oder Buenos Aires.

Freundin der Callas

Durch ihren kometenhaften Aufstieg in den Belcanto-Himmel kam Montserrat Caballé rasch einer bewunderten, aber auch gefürchteten Kollegin sehr nahe: Maria Callas. Doch die beiden Diven verstanden sich gut: Die Jüngere fragte Callas gerne um Rat bei schwierigen Partien, und diese charakterisierte die Stimme der Caballé als "leichte Brise auf der Haut". Auch zu der schärfsten Konkurrentin Callas', der Sopranistin Renata Tebaldi, hatte die Sängerin einen guten Kontakt. Dennoch dürfte es Montserrat Caballé sicherlich gefreut haben, wenn die internationale Presse sie in den 1970er- und 80er-Jahren als 'würdige Erbin' der beiden Diven bezeichnete. Und der Belcanto blieb bis zuletzt der wichtigste Schwerpunkt in ihrem breit gefächerten Bühnenrepertoire.

Ohne Berührungsängste

Großbritannien Freddie Mercury mit Monserrat Caballe in Barcelona (picture-alliance/empics)

Diven, die sich verstehen: Freddie Mercury und Montserrat Caballé im Jahre 1988

Die Fans der Sopranistin stammten bei Weitem nicht nur aus der klassischen Musikszene: Einer ihrer prominentesten Verehrer war Freddie Mercury, der Sänger der britischen Rockgruppe Queen. 1987 wirkten er und Montserrat Caballé am Album "Barcelona" mit, dessen gleichnamiger Titelsong in den europäischen Pop-Charts Spitzenpositionen erreichte. Seine Wiederauflage anlässlich der Olympischen Spiele 1992 war ebenfalls erfolgreich.

Auch danach arbeitete Montserrat Caballé mit Pop-Größen wie Bruce Dickinson, Johnny Hallyday, Jonny Logan, Vangelis oder Helmut Lotti zusammen. Darüber hinaus war sie oft ein gern gesehener Gast bei Unterhaltungsshows, etwa der früheren deutschen Kultsendung "Wetten, dass…?" mit Thomas Gottschalk. Neben dem klassischen Repertoire interessierte die Sängerin sich auch für die traditionelle Musik ihrer katalanischen Heimat. Seit vielen Jahren gibt Montserrat Caballé zusammen mit ihrer Tochter, der Sopranistin Montserrat Martí, Konzerte. Die Sängerin ist UNESCO-Botschafterin und erhielt zahllose hohe Auszeichnungen wie das "Große Bundesverdienstkreuz" der Bundesrepublik Deutschland. Für ihr musikalisches Lebenswerk bekam sie 2007 den ECHO-Klassikpreis.

"Die beste Stimme der Welt"

Foto von Montserrat Caballé aus dem Jahr 2013. (picture-alliance/dpa)

Der Zeitung "El País" verriet Montserrat Caballé, sie habe vor, auf der Bühne zu sterben

Nicht nur Freddie Mercury schwärmte von Montserrat Caballés Stimme, sie sei "die Beste der Welt"; auch viele Kritiker sind bis heute von der geradezu unerschöpflichen Vielseitigkeit ihres Rollenrepertoires, der ungewöhnlichen Dramatik ihres Vortrages und einer souveränen Beherrschung der Gesangstechnik begeistert. Als legendär gelten nach wie vor die klangvoll sinnliche Schönheit ihrer Stimme und die überaus eindrucksvolle Kunst des Piano-Singens. Beides ist auf zahllosen Schallplatteneinspielungen bestens dokumentiert. Diese zeigen, dass Montserrat Caballé zwar eine "Königin des Belcanto" war, aber auch darüber hinaus zu den größten Sängerinnen ihrer Generation gehört.

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