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Wirtschaft

Operation "Static Kill" hat begonnen

Nach der größten Ölpest aller Zeiten soll das Leck im Golf von Mexiko mit Schlamm und Zement endgültig dichtgemacht werden. Die Aktion wird weltweit mit Spannung beobachtet. Zuvor waren etliche Maßnahmen gescheitert.

Ölleck im Golf von Mexiko (Foto: AP/BP)

Wird das Öl jetzt endgültig eingedämmt?

Der Energiekonzern BP hat damit begonnen, das Leck in 1500 Meter Tiefe endgültig zu versiegeln. Seit 15.00 Uhr Ortszeit (22.00 Uhr MESZ) werde Schlamm in das defekte Bohrloch gepumpt, teilte BP-Sprecher John Barnes am Dienstag (03.08.2010) mit.

Im Vorfeld waren mehrere Tests durchgeführt worden. Deren positiver Ausgang habe den Ausschlag für den Beginn des Verfahrens gegeben, teilte BP mit. Das Manöver "Static Kill" werde zwischen 33 und 61 Stunden dauern, sagte Admiral Thad Allen, der Einsatzleiter der US-Regierung. BP hat für die Aktion mehrere Schiffe im Einsatz.

Geplant ist Folgendes: Zunächst wird schwerer Schlamm unter hohem Druck in das Bohrloch gepresst, um das Öl, das in der Steigleitung nach oben drückt, in die Tiefe zu drängen. Gelingt dies, wird im Anschluss Zement in das Leck gepumpt.

Komplexe Flüssigkeit aus dem Labor

Bohrinseln im Golf von Mexiko (Foto: AP)

Bohrinseln im Golf von Mexiko

"Um ein Bohrloch richtig zu verschließen, muss der Druck vom Bohrlochkopf genommen werden. Man muss irgendetwas in das Bohrloch bringen, das einen Gegendruck zu dem nach oben drückenden Öl erzeugt", erklärt Prof. Matthias Reich, Direktor des Institutes für Bohrtechnik und Fluidbergbau an der TU Bergakademie Freiberg.

Bei dem verwendeten Schlamm handelt es sich nach den Worten Reichs um eine "sehr komplexe Flüssigkeit, die von Experten im Labor zusammengestellt wird. Sie ist zähflüssig und in diesem Fall sehr schwer."

Endgültige Versiegelung in einer Woche

Die endgültige Versiegelung des Lecks steht dann etwa eine Woche später an. Dann wollen die Ingenieure auch das Öl-Reservoir in etwa vier Kilometern Tiefe unter dem Meeresboden verschließen.

Bei dieser als "Bottom Kill" bezeichneten Operation sollen ebenfalls Schlamm und Zement in die Steigleitung gepumpt werden. Das geschieht durch einen Nebenzugang, der seit Mai gebohrt wird.

Größte Ölpest der Geschichte

Öltanker 'Exxon Valdez' (Foto: AP)

1989 sank der Öltanker "Exxon Valdez"

Über das tatsächliche Ausmaß der Ölpest gab es seit dem Untergang der Bohrinsel "Deepwater Horizon" am 22. April erhebliche Kontroversen. Zunächst behauptete BP, es strömten lediglich geringe Mengen Öl ins Meer. Dann wurden die Zahlen immer weiter nach oben korrigiert. Nach jüngsten Angaben von Forschern flossen insgesamt 4,9 Millionen Barrel in den Golf von Mexiko - das sind rund 780 Millionen Liter. Die Schätzungen hätten eine mögliche Abweichung von plus oder minus zehn Prozent, teilte die US-Regierung mit.

Niemals zuvor wurde eine schlimmere Ölpest registriert: Bei der Havarie des Tankers "Exxon Valdez" 1989 vor der Küste Alaskas waren "nur" etwa 41 Millionen Liter ins Meer gelaufen. Bisher galt der Bohrinsel-Unfall der "Ixtoc" 1979 als die schwerste Ölpest. Damals flossen etwa eine halbe Million Tonnen ebenfalls in den Golf von Mexiko.

Mexiko fordert Schadenersatz

Die mexikanische Regierung will den BP-Konzern auf Schadenersatz verklagen. Das teilte Umweltminister Juan Rafael Elvira Quesada in Mexiko-Stadt mit, wie die Zeitung "Milenio" am Dienstag berichtete. Nach den Worten des Politikers werden die Regierungen Mexikos und der USA im September in Washington das Ausmaß der Schäden beziffern.

Als Sofortzahlung verlange Mexiko 70 Millionen Dollar (rund 53 Millionen Euro). Noch sei kein Öl in mexikanischen Gewässern entdeckt worden, ergänzte Elvira. Dennoch sei das Ökosystem in Mitleidenschaft gezogen worden.

Autor: Thomas Grimmer (dpa, rtr, apn)
Redaktion: Michael Wehling

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