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Wirtschaft

OpenStreetMap - kostenlose Stadtpläne für alle

Die Anhänger freier Software treffen sich in Berlin zum "LinuxTag", der größten Veranstaltung dieser Art in Europa. Und die so genannte OpenSource-Bewegung ist lebendig. Das zeigt auch das Projekt "OpenStreetMap".

Kartenausschnitt der Karlsruher Innenstadt, Quelle: OpenStreetMap.org

Einige Städte wie zum Beispiel Karlsruhe sind schon komplett erfasst.

Wirklich schön ist sie nicht. Und auch die Handhabung ist noch ein wenig kompliziert. Aber sie hat eine große Zukunft – das glauben zumindest ihre Macher. "OpenStreetMap.org" heißt das neue Projekt der Internet-Gemeinde. Die Idee: Eine Weltkarte im Netz, die kostenlos verwendet werden und die jeder mitgestalten kann. Ähnlich der Online-Enzyklopädie "Wikipedia".

"Bislang wird der Markt von kommerziellen Anbietern beherrscht", erklärt Frederik Ramm. Aber er sei sicher, dass "OpenStreetMap" diese langfristig verdrängen werde. Ramm ist freier Software-Entwickler und soll das Internet-Projekt am Freitag (30.05.08) auf dem "LinuxTag" in Berlin vorstellen – der größten Messe für freie Software in Europa. "Ich denke, dass Navigations-Geräte, die man bei den Discountern kaufen kann, irgendwann nur noch mit den Daten von "OpenStreetMap" ausgeliefert werden."

OpenStreetMap-Logo, Quelle: OpenStreetMap.org

Monatlich bearbeiten rund 3500 Nutzer die Stadtpläne auf openstreetmap.org

Ursprünglich stammt die Idee einer kostenlosen Internet-Karte aus England. Doch mittlerweile hat die Seite auch in Deutschland eine wachsende Fan-Gemeinde. "Weltweit hat das Projekt heute rund 35.000 angemeldete Nutzer", erklärt Ramm. Zwar gebe es darunter auch "Karteileichen". Aber immerhin schrieben derzeit jeden Monat gut 3500 Nutzer an der Internet-Seite.

Technische Hürden

Wer an der Karte mitarbeiten möchte, benötigt allerdings neben einem internetfähigen Computer auch ein GPS-Gerät. Neue Straßen müssen zunächst vermessen werden, bevor sie ins Internet hochgeladen werden können. Einer der Hobby-Kartografen ist Matthias Merz, Informatik Student an der Uni Karlsruhe. "Es ist einfach faszinierend an einer solchen Karte mitzumalen", erklärt er.

Allerdings gebe es noch viel zu tun: In Städten wie Karlsruhe, Berlin oder München sind die Karten schon sehr genau. "In den großen Städten findet man leicht ‚Irre’, die mit dem GPS-Gerät durch die Gegend laufen", schmunzelt Merz. Aber viele ländliche Gebiete existierten auf der Internetseite bislang nur als weiße Flächen.

Erfolgsaussichten wie Wikipedia?

Ob "OpenStreetMap" eine ähnliche Herausforderung für die kommerzielle Konkurrenz wird wie "Wikipedia" für den "Brockhaus-Verlag" muss sich indes erst noch zeigen. Auf dem Markt für Navigationsgeräte hat "OpenStreetMap" einen großen Vorteil: Denn während die Karten von kommerziellen Anbietern oft mehrere 100 Euro kosten, ist das Gemeinschaftsprojekt kostenlos.

Schwieriger sieht es hingegen im Internet aus. Denn dort muss sich "OpenStreetMap" gegen kostenlose Anbieter wie GoogleMaps behaupten. Trotzdem habe "OpenStreetMap" mittelfristig gute Chancen, das Angebot der amerikanischen Internet-Suchmaschine abzulösen, glaubt Frederik Ramm. Denn anders als die Karten von Google seien die Daten nicht nur kostenlos sonder wirklich frei – jeder könne sie nutzen wie er will.

Zahl der Nutzer steigt

Screenshot der Wikipedia-Seite, Quelle: Wikipedia.org

Das Vorbild: die freie Internet-Enzyklopädie Wikipedia.

Noch wichtiger sei aber, dass bei "OpenStreetMap" jeder an den Rohdaten arbeiten könne, sagt Ramm. "Deswegen kann auf Fehler viel schneller korrigiert werden als bei der Konkurrenz." Außerdem sollten in Zukunft Karten mit viel mehr Details entstehen: "Fahrradwege sind zum Beispiel auf den kommerziellen Karten oft kaum zu finden." Denkbar seien aber auch Karten für Rollschuh-Fahrer mit genauen Angaben über die Qualität der Fahrbahn.

"Man muss als Internet-Projekt eine kritische Masse erreichen, damit man wahrgenommen wird", erklärt Michael Kleinhenz, Informatiker und Mitveranstalter des LinuxTages. Und wenn das einmal erreicht sei, dann wachse mit der Zahl der Nutzer auch der Inhalt, den die Seite zur Verfügung stellen könne. "Und diese kritische Masse hat 'OpenStreetMap' erreicht. Deswegen sehe ich eine sehr gute Zukunft für das Projekt voraus."

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