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Wirtschaft

Opelaner fordern Loslösung vom GM-Konzern

Zehntausende Mitarbeiter der europäischen GM-Töchter haben für die Rettung ihres Unternehmens und ihrer Arbeitsplätze demonstriert. Der US-Konzern wies neue dramatische Verluste aus und rückte einem Konkurs näher.

Demonstranten bei Opel-Rüsselsheim mit Plakaten: Laßt uns nicht im Regen stehen - bei Opel muss es weiter gehen (ap)

Mit Trommeln und Trillerpfeifen machen die Opel-Belegschaften auf ihr Schicksal aufmerksam

Die Schuldigen will man in den USA ausgemacht haben, Rettung soll eine europäische Lösung vor allem auch mit Staatshilfen bringen. "Nicht Opel ist das Desaster, GM ist das Desaster", rief der Vorsitzende des Opel-Gesamtbetriebsrats Klaus Franz am Donnerstag (26.02.2009) den 15.000 Demonstranten am Stammsitz in Rüsselsheim zu.

Talfahrt: Blaues GM-Logo mit rotem Pfeil nach unten und Geldscheinen (ap)

Der US-Mutterkonzern weiter auf rasanter Talfahrt

Es gebe nur eine einzige Chance: Die Ausgliederung, sonst reiße GM "die Töchter in Europa mit in den Abgrund". Gerade hatte der taumelnde Mutterkonzern General Motors (GM) in Detroit eingestanden, 2008 einen unerwartet hohen Verlust von 30,9 Milliarden Dollar eingefahren zu haben, das zweithöchste Defizit in der 100jährigen Firmengeschichte. 2007 hatte sich das Minus sogar auf 38,7 Milliarden Dollar belaufen.

Auch in Europa mit der Hauptmarke Opel wurden tiefrote Zahlen geschrieben. Der Verlust hat sich hier mit knapp 2,9 Milliarden Dollar mehr als verfünffacht.

Europaweiter Aktionstag der Gewerkschaften

Steinmeier vor IG-Metall-Plakat in Rüsselsheim (dpa)

Auch Kanzlerkandidat Steinmeier von der SPD bekundete in Rüsselsheim seine Solidarität

Die Großkundgebung in Rüsselsheim stand im Zentrum der europaweiten Proteste der Beschäftigten der Filialen von Opel, Vauxhall und Saab. Der Europäische GM-Betriebsrat hatte Proteste auch in Belgien, Frankreich, Spanien, Großbritannien, Polen, Russland, Schweden, Österreich und Ungarn angekündigt. Die Hauptredner in Rüsselsheim, IG-Metall-Chef Berthold Huber und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier, verlangten denn auch ein gesamteuropäisches Krisenmanagement, um einen neuen, überlebensfähigen, europäischen Autokonzern zu schmieden.

Betriebsratschef Franz meinte, nach 80 Jahren unter dem Dach von GM bestehe nun eine "historische Chance", Opel und die britische Marke Vauxhall aus dem Unternehmensverbund herauszulösen. Die insolvente schwedische Schwesterfirma Saab kämpft dagegen im Alleingang um ihre Existenz.

Staatshilfe für Großunternehmen umstritten

IG-Metall-Chef Huber appellierte an Bund und Länder, sich mit Bürgschaften und Einlagen bei Opel zu engagieren. Es könne nicht sein, dass die Bundesregierung Milliarden für Banken zur Verfügung stelle, "aber für den industriellen Kern, für die Basis des Wohlstandes keinen müden Cent" aufbringen wolle. Steinmeier bekräftigte den Standpunkt der Bundesregierung und rief die GM- und Opel-Führungen auf, ein überzeugendes Sanierungskonzept vorzulegen. Der Konzern habe jetzt eine "Bringschuld für Konzepte".

Am Freitag soll der Aufsichtsrat über die Zukunft des Unternehmens beraten. Unmittelbar danach will Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg mit den Regierungschefs der betroffenen Bundesländer Gespräche aufnehmen. Insgesamt soll sich der Finanzierungsbedarf bei Opel derzeit auf 3,3 Milliarden Euro summiert haben.

Auch GM ist ohne Staatsgelder pleite

Wagoner am Rednerpult, Archiv (ap)

GM-Chef Wagoner: Radikaler Sanierungskurs soll Pleite abwenden

GM, der größte amerikanische Autokonzern, hat bereits staatliche Hilfen in Höhe von 13,4 Milliarden Dollar erhalten, benötigt nach eigenen Angaben noch bis zu 30 Milliarden Dollar, um einen Bankrott abzuwenden. Über weitere Staatshilfen in Höhe von 16 Milliarden Dollar verhandelte die Führung des US-Autoherstellers am Donnerstag in einem sechsstündigen Krisengespräch mit der sogenannten Auto-Task-Force der Regierung von Präsident Barack Obama. Einzelheiten über das Treffen wurden nicht bekannt. Entscheidend wird die Bilanzpräsentation von General Motors im März.

GM-Chef Rick Wagoner erklärte, das Management habe "weitere aggressive und schwierige Restrukturierungsmaßnahmen" ergriffen, um die Überlebensfähigkeit des Konzerns zu beweisen. Bedroht sind 47.000 Jobs und damit etwa jede fünfte Stelle. (SC)

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