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Wirtschaft

Opel zieht Bürgschaftsanträge zurück

Überraschende Kehrtwende bei Opel: Der angeschlagene Autobauer kündigte an, alle in Europa gestellten Bürgschaftsanträge zurückzuziehen. Jetzt soll die General-Motors-Tochter ohne staatliche Hilfe saniert werden.

Opel-Logo (Foto: dpa)

Der Autohersteller Opel zieht alle Anträge auf staatliche Bürgschaften in Europa zurück. Wie das Unternehmen am Mittwoch (16.06.2010) in Rüsselsheim mitteilte, soll versucht werden, den angeschlagenen Autobauer ohne Staatshilfen zu sanieren.

Die Gründe für die Antragstellung existierten nach wie vor, allerdings sei der Vorgang "weit komplexer und langwieriger" als zunächst erwartet, heißt es zur Begründung. Offensichtlich bezieht sich das auf die Weigerung der Bundesregierung, Opel mit Staatsbürgschaften unter die Arme zu greifen. Die Entscheidung sei eine "Enttäuschung" gewesen, erklärte Opel-Chef Nick Reilly. Eine mögliche Sicherung von Bürgschaften aus Deutschland hätte sich damit "vermutlich um weitere Monate verzögert". Unter diesen Umständen hätten der US-Mutterkonzern General Motors (GM) und Opel entschieden, die Finanzierung "intern zu regeln".

Brüderle sieht sich bestätigt

Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) begrüßte den Verzicht von Opel auf Staatshilfen. "Ich fühle mich in meiner Entscheidung bestätigt: General Motors hat die Mittel für eine Opel-Sanierung", sagte Brüderle in Berlin.

Das sei einer der wichtigsten Gründe gewesen, warum er sich gegen staatliche Opel-Hilfen entschieden habe, ergänzte er. Die Reaktion von Opel und GM zeige, dass sich eine marktwirtschaftliche Grundhaltung auszahle. Sie schone den Steuerzahler und sorge für faire Wettbewerbsbedingungen.

Finanzbedarf in Höhe von 800 Millionen Euro

Opel hatte den Bund und die vier Bundesländer mit Opel-Werken im November 2008 um staatliche Bürgschaften gebeten. Der Bund lehnte dies in der vergangenen Woche endgültig ab; die Länder Hessen, Rheinland-Pfalz, Thüringen und Nordrhein-Westfalen wollten hingegen erst noch über Bürgschaften entscheiden.

Reilly verwies darauf, dass die britische Regierung Bürgschaften für Kredite in Höhe von 330 Millionen Euro angekündigt habe; Spanien habe Bürgschaften in ähnlicher Größenordnung versprochen. Auch in Österreich und Polen hatte Opel um Unterstützung gebeten. Insgesamt habe Opel 1,8 Milliarden Euro beantragt, sagte Reilly. Auf diese Anträge verzichtet der Autobauer nun.

Mitarbeiter leisten Beitrag zur Sanierung

GM-Europa-Chef Nick Reilly (Foto: AP)

GM-Europa-Chef Nick Reilly

Zuvor hatten die knapp 50.000 Mitarbeiter des Autoherstellers in Europa zur Sanierung auf jährlich 265 Millionen Euro verzichtet. Allein 177 Millionen davon kommen aus Deutschland. Dort verzichtet die Belegschaft unter anderem auf die Hälfte ihres Urlaubs- und Weihnachtsgeldes für die Jahre 2010 und 2011, eine bereits vereinbarte Tariferhöhung wird aufgeschoben.

Trotz des Verzichts auf Staatshilfe seien keine weiteren Werkschließungen oder Entlassungen geplant, sagte ein Opel-Sprecher. Nach dem Sanierungsplan sollen europaweit 8300 Stellen abgebaut werden, möglicherweise könnten es aber auch weniger werden. Zudem soll das Werk im belgischen Antwerpen geschlossen werden, um Überkapazitäten abzubauen.

Im vergangenen Jahr hatte sich GM kurzfristig entschieden, Opel doch selbst zu sanieren, nachdem zunächst alles auf einen Verkauf anden Zulieferer Magna hinausgelaufen war. Die Zusage wurde jedoch ursprünglich von der Gewährung staatlicher Bürgschaften abhängig gemacht.

Autor: Martin Muno (dpa, afp, rtr)
Redaktion Ursula Kissel

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