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Wirtschaft

Opel will sich von General Motors abkoppeln

Der Autobauer Opel will überleben durch weitgehende Unabhängigkeit vom US-Konzern GM. Das Management präsentierte seine Rettungsstrategie: Kurzfristig erforderlich sind demnach Finanzhilfen von 3,3 Milliarden Euro.

Hans Demant, Vorsitzender der Geschaeftsleitung (M.), der Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz, (l.) und G-Eurpa-Chef Carl-Peter Forster, vor der Presse /(ap)

Opel-Führung präsentiert in Rüsselsheim ihren Plan für den Umbau zu einem neuen europäischen Autoanbieter

Wie es zehntausende demonstrierende Opel-Beschäftigte in ganz Europa am Vortag gefordert hatten: Der angeschlagene Autobauer sieht seine einzige Chance für die Zukunft in einer weitreichenden Selbstständigkeit vom Mutterkonzern General Motors (GM). Das erläuterte auch Aufsichtsratschef Carl-Peter Forster am Freitag (27.02.2009) nach einer Sitzung des Kontrollgremiums am Stammsitz Rüsselsheim. Den Kapitalbedarf der umstrukturierten Geschäftseinheit bezifferte er auf europaweit 3,3 Milliarden Euro, die bis 2014 oder 2015 an die öffentliche Hand zurückgezahlt werden könnten.

Lohnverzicht und Entlassungen?

Leerer Parkplatz bei Opel-Bochum (ap)

So würde das Ende aussehen: Leere Parkplätze vor dem Opel-Werk in Bochum

Alle Sektoren von Opel und der britischen Schwestermarke Vauxhall sollen zusammengefasst und völlig neu aufgestellt werden. Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen sollten dabei vermieden werden, meinten Forster und Betriebsratschef Klaus Franz. Forster sprach aber von einem "nicht unerheblichen Sparbeitrag" in einer Größenordnung von 1,2 Milliarden Dollar (950 Millionen Euro). Man werde über Lohn- und Gehaltsverzichte sowie freiwillige Abfindungsmaßnahmen sprechen müssen. Überkapazitäten müssten abgebaut werden.

Keine totale Abspaltung vom GM-Konzern

Schild: Zu verkaufen bei einem Opel-Händler in Bochum (ap)

"Zu verkaufen": Nur die Pkws oder gleich ganze Opel-Werke?

Eine neue Gruppe Opel/Vauxhall stehe Investoren offen. Bis zu welcher Höhe sie einsteigen könnten, müsse in Verhandlungen entschieden werden. Eine mögliche Zielgröße sei 25 Prozent. Als selbstständige europäische Gesellschaft wolle man Teil des GM-Konzerns bleiben, auch um den Zugang zu Technologien und Ressourcen zu behalten und von der Größe des Konzerns zu profitieren. Ein späterer Rückzug der Amerikaner auf eine Minderheitsbeteiligung wurde nicht ausgeschlossen.

Forster, der auch GM-Europe-Chef ist, berichtete, die Bundesregierung sei bereits über das im Aufsichtsrat beschlossene Konzept informiert. Die Verhandlungen mit Bundeswirtschaftsministerium und den Landesregierungen von Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen sollen umgehend beginnen. Wird das Zukunftskonzept von Adam Opel GmbH und GM Europa gebilligt, kann ihnen mit Staatsgeldern unter die Arme gegriffen werden.

EU-Industriekommissar Günter Verheugen warnte Bund und Länder vor staatlichen Eingriffen in Unternehmen. Dem Berliner "Tagesspiegel" sagte er, Politiker aller Couleur gefielen sich in der Rolle des weißen Ritters, also des Retters in der Not. Sie müssten aber wissen, dass sie angesichts der Finanzkrise "ganz schnell zu armen Rittern werden" könnten. (SC)

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