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Wirtschaft

Opel will neu durchstarten

Die Pläne für die Zukunft von Opel liegen vor. Die wichtigste Nachricht für die Mitarbeiter: Der Autobauer will auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Doch der Opel-Chef hat nicht nur gute Nachrichten im Gepäck.

Während die Mitarbeiter am Morgen im Nieselregen die Werkstore zu Fuß oder mit dem Opel passieren, bereitet sich die Konzernführung auf die Präsentation ihrer Pläne vor. 100 Tage hatte sich das Management Zeit gegeben, um im neuen PSA-Mutterkonzern eine geeignete Rolle - und einen Plan für die Zukunft zu finden. Das ist angesichts der Tatsache, dass Opel seit 1999 Verluste schreibt, ein ziemliches Tempo. "Pace", also Tempo oder Geschwindigkeit, heißt nun das Programm, das Opel wieder in die Spur bringen - und in die Zukunft führen soll.

Die gute Nachricht für die Mitarbeiter in Deutschland: Es soll keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Auch sollen die einzelnen Standorte alle bestehen bleiben - etwa die Produktion in Eisenach, wo zuletzt das Projekt Mokka ins Stocken geraten ist, die Bänder gestoppt wurden. Opel-Chef Michael Lohscheller hat im Rahmen des Zukunftsplans für Opel nun eine Erklärung geliefert: "Ein Auto ohne Elektroantrieb dort heraus zu bringen, wie es ursprünglich geplant war, wäre unverantwortliches Handeln unseren Beschäftigten gegenüber. Deswegen werden wir die Technologie von PSA nehmen und von dort aus im Jahr 2019 einen SUV mit elektrischem Antrieb auf die Straße bringen."

Deutschland Adam Opel AG in Eisenach (picture-alliance/dpa/arifoto UG)

Das Opel-Werk in Eisenach bleibt erhalten

Opel-Manager: "Die Helden von morgen"

Der Zukunftsplan für Opel basiert auf mehreren Säulen - und eine davon zielt auf die Reduktion von CO2 in der Zukunft. So soll sich zu jedem neuen Fahrzeug von Opel auch eine elektrische Variante hinzugesellen. Damit will Opel versuchen, den Ausstoß von CO2 im Durchschnitt seiner Modelle auf 95 Gramm pro Kilometer zu senken - ansonsten drohen empfindliche Strafen. Opel hat das im Rahmen seiner Präsentation ungleich vorteilhafter formuliert: In Sachen klimafreundlicher Autos wolle man die weltweite Führung übernehmen.

In der Tat sind die Ziele, die Opel anstrebt, ehrgeizig: Bis 2020 soll das Unternehmen wieder Gewinne schreiben, bereits im Jahr 2026 soll die Gewinnmarge bei sechs Prozent liegen - das wäre ein für die Branche überdurchschnittlicher Wert.

Helfen dürfte dabei auf jeden Fall der PSA-Konzern, der in Frankreich Marken wie Citroen und Peugeot besitzt. Bis 2024 sollen alle Opel Modelle auf PSA-Plattformen gebaut sein - die Technik unter der Haube stammt dann also aus Frankreich.

PSA-Chef Calos Tavares ist sich offenbar der Herkulesaufgabe bewusst, vor der Opel und sein Kollege Michael Lohscheller nun stehen. Deswegen hatte er in Rüsselsheim auch gleich die richtige Philosophie mitgebracht. "Die unpopulären Führer von heute werden die Helden von morgen sein", sagte Tavares, und zwar gleich zwei Mal an diesem Vormittag.

Opel stellt Sanierungsplan vor (picture-alliance/dpa/A. Dedert
)

Sind das die Helden von morgen? PSA-Chef Tavares (links) und Opel-Chef Michael Lohscheller

Unpopuläre Entscheidungen dürften es viele sein, die auf Opel und seine in Deutschland rund 19.000 Beschäftigten zukommen. Das hat Tavares unterstrichen. Details dieser unpopulären Maßnahmen nannte er allerdings nicht.

Das Rezept jedenfalls lautet: Sparen, wo es geht. "Wir werden jeden Stein in diesem Unternehmen umdrehen", las Opel-Boss Michael Lohscheller seine vorgefertigte Rede vor. Und griff in seiner ansonsten auf Englisch gehaltenen Ansprache auch einmal auf ein deutsches Sprichwort zurück. "Changes has to start at the Top of he Company, or, as we say in German: Die Treppe wird von oben gekehrt."

Das dürfte noch gut klingen für die Beschäftigten - denn Opel will auch die Ebene des Managements ausdünnen beziehungsweise verschlanken. Deswegen hat sich der Betriebsrat zu den Plänen überwiegend positiv geäußert. Es bewege sich nun etwas, und die Hauptanliegen des Betriebsrates hätten in die Pläne Eingang gefunden - unter anderem waren das der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen und der Erhalt der Opel-Produktionsstandorte.

"Wir sind froh und erleichtert, dass unsere zentralen Forderungen erfüllt worden sind", sagte der Vorsitzende des Betriebsrates Wolfgang Schäfer-Klug. Nun komme es aber auf die konkreten Maßnahmen und Vorschläge an, die die Unternehmensleitung den Mitarbeitern vorschlage.

Wage Maßnahmen, ehrgeizige Ziele

Im Gespräch sind an Stelle von Kündigungen eine Forcierung der Altersteilzeit oder Abfindungen für kündigungswillige Opelaner. Es werden also Stellen abgebaut bei Opel - wie viele das sein könnten, darüber wollte die Konzernführung allerdings nichts sagen. Auch sollen neue Arbeitskonzepte umgesetzt werden. 1,1 Milliarden Euro Einsparungen sind das Ziel bis 2020 - pro Jahr. Ab dann sollen es sogar 1,7 Milliarden sein.

Sind solche Zahlen realistisch - vor allem die angepeilte Gewinnmarge von zwei Prozent bereits im Jahr 2020? "Klare Antwort: Nein", sagt der Autoexperte Hans-Peter Wodniok aus dem Analystenhaus Fairesearch bei Frankfurt. "Wenn die eine schwarze Null erreichen - dann wäre das schon etwas."

Dass es kein leichter Weg sein wird, den Opel nun zu gehen hat, ist auch PSA-Chef Tavares klar. "Wir brauchen Entschlossenheit, wir brauchen Professionalität und wir brauchen Disziplin, um diesen anspruchsvollen Plan umzusetzen", sagte er in seiner frei gehaltenen Rede.

So war der Unterschied zwischen den beiden Männern an der Spitze von PSA und Opel bemerkbar: Tavares wirkte eher gelassen, Lohscheller eher angespannt. Und das ist auch kein Wunder. Denn Tavares hat den PSA-Konzern in den vergangenen Jahren aus einer Fast-Pleite in die Gewinnzone geführt. Lohscheller steht diese Aufgabe erst bevor.

Im Sinne der Beschäftigten wäre zu wünschen, dass Lohscheller in einigen Jahren auch wieder gelassener auftreten kann und die Pläne zur Rettung Opels gelingen. Vielleicht könnte auch er sich dann - trotz der unpopulären Entscheidungen die wohl kommen werden - als Held fühlen.