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Wirtschaft

Opel: Vom Sorgenkind zum Musterknaben

Es ist noch nicht allzu lange her, da galten Opel als spießige Altherren-Autos. Der Mutterkonzern GM wollte die Rüsselsheimer sogar loswerden. Heute ist Opel der Liebling der Konzernführung. Woher der Wandel?

General Motors' Liste der zurückgerufenen Automodelle ist zwei dicht beschriebene Schreibmaschinen-Seiten lang. 60 einzelne Rückrufe finden sich darauf, die weltweit knapp 29 Millionen Wagen betreffen: vom kleinen Einsteigerauto Chevrolet Cobalt bis zum wuchtigen Luxusgeländewagen Cadillac Escalade. Einzig Opel glänzt durch fast vollständige Abwesenheit auf dieser Liste - und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Nur ein paar Tausend GT-Roadster müssen in die Werkstätten und die stammen aus amerikanischer Produktion. Ansonsten scheint bei Opel alles in schönster Ordnung.

Noch in der Wirtschaftskrise spielte die Konzernmutter General Motors mit dem Gedanken, die deutsche Tochter abzustoßen. Nach anhaltenden Verkaufsrückgängen fuhr sie einen brachialen Sanierungskurs. Heute sind die Konzernoberen in Detroit froh, dass sie die Rüsselsheimer und ihre Ingenieure haben. Neue Modelle wie der kleine SUV Mokka oder der schicke City-Flitzer Adam verkaufen sich blendend. Zusammen mit der Werbekampagne "Umparken im Kopf" verhelfen sie der Marke zu einem insgesamt besseren Image.

Rückkehr in die schwarzen Zahlen

Mary Barra, Chefin von General Motors, in Rüsselsheim. Foto: AP Photo/Michael Probst.

GM-Chefin Mary Barra will das "Bekenntnis von GM zu Opel unterstreichen"

Bald schon - spätestens 2016 - soll Opel auch wieder Gewinne schreiben. Der Autobauer hat damit binnen weniger Jahre eine 180-Grad-Wendung hingelegt: vom Sorgenkind zum Musterknaben. Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer, lange Zeit ein großer Kritiker der Rüsselsheimer, schlägt inzwischen ganz andere Töne an: "Die arbeiten sich Stück für Stück nach oben. Der neue Corsa steht vor der Tür, der Adam kommt gut an, die Marktanteile gehen nach oben. Bei GM sorgt derzeit Opel für die guten Schlagzeilen, während GM zu Hause mit Rückrufen beschäftigt ist."

Beobachter sind sich einig: Die Wende hin zum besseren trägt die Handschrift von Karl-Thomas Neumann. Seit der frühere VW- und Continental-Manager im März 2013 das Steuer bei Opel übernahm, hat sich viel getan. Auch, weil Neumann sofort erkannte, dass Opel dringend sein schlechtes Image loswerden muss: "Die größte Baustelle ist die Marke", sagte er: "Wir müssen nur den Staub vom Opel-Blitz fegen und die Marke jünger, moderner und damit noch attraktiver machen. Der Blitz muss wieder glänzen."

Neumanns erstes Jahr an der Opel-Spitze war zugleich das erste nach 15 Jahren, in dem die Marke in Europa beim Marktanteil wieder leicht auf 5,6 Prozent zulegen konnte. Bis 2022 soll der Anteil auf acht Prozent steigen - dann sei auch eine operative Gewinnmarge von fünf Prozent möglich, betont Neumann: "Das ist für einen Autohersteller, der fast ausschließlich in Europa agiert, ein wirklich guter Wert."

Die Fortschritte bei Opel sind umso augenfälliger, als General Motors auf dem Heimatmarkt mit Schlampereien bei der Fahrzeug-Sicherheit zu kämpfen hat, die eine der größten Rückrufwellen aller Zeiten auslösten. Wegen der hohen Kosten für die anstehenden Reparaturen war zu Jahresbeginn der Gewinn eingebrochen. Die veranschlagte Rechnung war zuletzt auf 2,5 Milliarden Dollar (1,8 Mrd Euro) angeschwollen.

Barra: "Bekenntnis von GM zu Opel"

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. Foto: imago/biky

Autoexperte Dudenhöffer: "Bei GM sorgt Opel für die guten Schlagzeilen"

Der mögliche Imageschaden ist kaum bezifferbar. Ganze vier Mal musste Konzernchefin Mary Barra wegen des jahrelang verschleppten Rückrufs defekter Zündschlösser schon vor Kongressausschüssen aussagen. Kein Wunder, dass GM inzwischen die Nähe zu Opel sucht. Bei ihrem Antrittsbesuch in der Opel-Zentrale im Januar sagte Barra: "Für mich war es sehr wichtig, das Bekenntnis von GM zu Opel zu unterstreichen - ebenso wie den Stellenwert von Opel für den Gesamtkonzern."

Den Worten folgten Taten: In Rüsselsheim wird derzeit ein Test- und Entwicklungszentrum für Motoren gebaut, Opel wurde die Verantwortung für den Wachstumsmarkt Russland übertragen und für die geplante Fertigung von Fahrzeugen für Buick in den USA sowie Holden in Australien und Neuseeland. Seit Juli steuert Neumann die neue Opel Group und damit das komplette GM-Europa-Geschäft samt Russland, inklusive der Marken Chevrolet und Cadillac.

Auch wenn die Stimmung bei Opel so gut ist wie lange nicht: Gewinne wird es 2014 noch nicht geben. Die Autofertigung in Bochum läuft zum Jahresende aus, Restrukturierungskosten von mehr als 600 Millionen Euro dürften die operativen Verluste noch einmal steigen lassen.

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