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Wirtschaft

Opel sucht nach Auswegen aus der Dauerkrise

Die Dauerkrise zwingt den Autobauer Opel zu weiteren Einschnitten. Die Verlagerung der Astra-Produktion ins billigere Ausland dürfte erst der Anfang sein.

Opel Astra (Foto dpa)

Opel Astra

Die Nachricht am Donnerstag traf die Opel-Beschäftigten im hessischen Stammwerk Rüsselsheim an einem Feiertag, an Himmelfahrt: Sie verlieren die Produktion des erfolgreichen Modells Astra. Der Wagen wird ab 2015, wenn die Standortsicherung für die deutschen Opel-Werke ausläuft, nur noch in England und in Polen gebaut. Zittern müssen jedoch vor allem die Kollegen am Ruhrgebietsstandort Bochum. Denn Rüsselsheim soll auch nach 2015 voll ausgelastet werden, wie Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke versprach. Das ginge wohl zu Lasten von Bochum. Doch dazu: kein Wort von Opel.

Die Spekulation, die die Tochter des US-Autobauers General Motors, nicht bestätigen, noch nicht einmal kommentieren will, ist folgende: Soll Rüsselsheim mit seinen mehr als 15.000 Beschäftigten und dem Entwicklungszentrum auch ab 2015 ausgelastet sein, dann müssen im laut Opel "modernsten Werk im europäischen Produktionsverbund" auch weiter Fahrzeuge hergestellt werden. Das wird zum einen der Insignia sein - und das könnte zum anderen eigentlich nur der beliebte Familienwagen Zafira werden, der bislang in Bochum mit seinen rund 5.000 Beschäftigten zusammengeschraubt wird.

Nichts mehr zu tun in Bochum?

Für Bochum bliebe in diesem Szenario nach gegenwärtiger Lage eigentlich nichts mehr zu tun. Opel und seine englische Schwestermarke Vauxhall machen Verlust, die Marktanteile sinken beständig, und in Europa schrumpft die Zahl der Menschen, die immer wieder neue Autos kaufen. In wachsenden Schwellenländern wie China oder Brasilien aber macht die Opel-Mutter General Motors (GM) aus den USA das Geschäft lieber selbst.

Vier Werke hat Opel insgesamt in Deutschland. In Eisenach wird das neue Kleinwagenmodell Adam gefertigt, der Nachfolger des Corsa. Kaiserslautern liefert Motoren und Fahrzeugteile. Rüsselsheim ist nach der Zusicherung Strackes aus dem Schneider. Bleibt Bochum - nach dem Werk im belgischen Antwerpen womöglich das nächste auf der Streichliste des Autobauers.

Unsicherheit belastet seit Jahren

Betriebsratschef Rainer Einenkel will nun vor allem eins: Klarheit. Die Spekulationen über Bochum, diese "Unsicherheit und Unruhe", belasteten seit vielen Jahren schon die Beschäftigten und verunsicherten die Kunden: Sie hätten beim Kauf immer mögliche Werksschließungen im Kopf und könnten sich nicht mit den Vorteilen der Opel-Autos beschäftigen. "Die Marke Opel wird nachhaltig geschädigt", kritisiert er.

Am Montagmorgen (21.05.) erwartet er deutliche Worte von Opel-Chef Stracke, wie es ab 2014 weitergeht. Ab acht Uhr morgens versammelt sich die Belegschaft des Ruhrgebietswerkes. Die Beschäftigten wollen die Hoffnung noch nicht ganz aufgeben: Bochum sei "wichtig für den Gesamtkonzern und die Region", beschwört Einenkel. Das Werk habe "die höchste Auslastung und die höchste Produktivität" und produziere jetzt schon in drei Schichten - was Opel den Beschäftigten in England und Polen künftig abverlange, "bringen wir schon mit".

Unwahrscheinlich, dass Stracke sich schon festlegt. Auf der Belegschaftsversammlung in Rüsselsheim am vergangenen Montag sagte er den Mitarbeitern nur, dass der Astra künftig in zwei statt drei Werken gefertigt werde. Die Entscheidung für Ellesmere Port in Großbritannien und Gleiwitz in Polen verkündete der Autobauer drei Tage später per Pressemitteilung.

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