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Wirtschaft

Opel-Aus nicht das Ende des Standorts Bochum

Direkt und indirekt hängen am Bochumer Opel-Werk 20.000 Arbeitsplätze. Doch auch wenn nach 2016 keine Autos mehr gebaut werden, gehen noch nicht die Lichter aus. Die Stadt setzt auf neue, expandierende Branchen.

Opel-Mitarbeiter mit T-Shirt der Industriegewerkschaft (IG) Metall mit der Aufschrift Wir bleiben Bochum. (Foto: dapd)

Betriebsversammlung Bochum Opel Werk

Bochum rangiert unter den 20 größten Städten der Republik auf Platz 16. Diese Ruhrgebietsstadt mit 380.000 Einwohnern liefert selten Stoff für bundesweite Schlagzeilen. Doch das hat sich geändert. Denn seit Jahren kämpft Bochum um den Erhalt des Opel-Werkes. Nun endlich hat sich der US-Mutterkonzern General Motors (GM) entschieden: Autos werden im Werk nur noch bis 2016 gebaut.

Es ist nicht der erste Verlust eines großen Arbeitgebers. Erst vor vier Jahren machte der finnische Handy-Hersteller Nokia den Produktionsstandort Bochum von heute auf morgen dicht und die Stadt um rund 4.000 Arbeitsplätze ärmer. Ein herber Verlust auch für die Stadtkasse. Immerhin zahlte Nokia jährlich rund 25 Millionen Euro an Gewerbesteuern. Das Ende der PKW-Produktion bei Opel soll aber nicht das Ende des Werkes sein: Als Warenverteilzentrum für den europäischen Opel-Verbund sowie als Fertiger verschiedener Bauteile soll es erhalten bleiben - und damit erhalten bleibt auch ein Teil der noch 3000 Arbeitsplätze.

Opel-Werk in Bochum (Foto: Reuters)

Hat das Opel-Werk in Bochum eine Zukunft? Die Entscheidung darüber fällt in Detroit.

"Es waren einmal 25.000 Arbeitsplätze"

Mit dem absehbaren Ende des Bergbaus Ende der 60er Jahre setzte Bochum im Zuge des Strukturwandels auch auf die Ansiedlung international operierender Unternehmen. Und als Opel Interesse signalisierte, zögerte die Ruhrgebietsstadt nicht lange. Um dem Autobauer für den Bau des Werks den Boden zu bereiten, kaufte die Stadt rund 1,3 Millionen Quadratmeter an Grundstücken. In einem Vertrag, erinnert sich Stadtdirektor Paul Aschenbrenner, stellte man dann dieses Areal der Adam Opel AG zur Verfügung. Ein zu jener Zeit lohnender Kraftakt, brachte er doch fast 25.000 Arbeitsplätze.

Nach einem Schrumpfungsprozess in den vergangenen Jahren sind davon bis heute noch 3000 geblieben. Und um die, versichert Stadtdirektor Aschenbrenner, werde man weiter kämpfen. "In diesem Jahr hat das Bochumer Werk immerhin sein 50jähriges Jubiläum gefeiert."

"Perfide GM-Strategie"

"Perfide" sei die Strategie von General Motors, nimmt Rouven Beeck von der Industrie- und Handelskammer Mittleres Ruhrgebiet kein Blatt vor den Mund. General Motors, sagt Rouven Beeck, lasse in Bochum einen exzellenten deutschen Technologieträger zum eigenen Vorteil ausbluten. So versperre GM dem Tochterunternehmen Opel den Zugang zu den Entwicklungsmärkten etwa in Brasilien, China und Indien. Auf der anderen Seite versuche GM die Abverkaufszahlen beispielsweise für die Marke Chevrolet in Deutschland zu erhöhen. Durch Verkaufsprovisionen, die man Opel nicht zugesteht.

Von dieser Kritik hat sich die GM-Zentrale in den USA aber nicht beeindrucken lassen. Letztlich, rechnet Rouven Beeck vor, geht es um etwa 20.000 Arbeitsplätze, die direkt oder indirekt an dem Werk hängen. Und er macht auch keinen Hehl daraus, dass ein Aus für das Opel-Werk nach dem Nokia-Abgang einen weiteren Image-Verlust für den Standort Bochum bedeuten würde.

Alle Verantwortlichen in der Stadt sind sich einig darin, für den Erhalt möglichst vieler der Opel-Jobs zu kämpfen. Große Nachbarstädte wie Dortmund und Essen liegen bei der Arbeitslosenquote deutlich über zehn Prozent, Bochum deutlich darunter. Noch. Ungewiss ist nämlich auch die Zukunft des ehemaligen Edelstahlwerkes von ThyssenKrupp. Nach dem Verkauf an den Branchenführer Outokumpu aus Finnland gibt es nur eine Bestandszusage bis 2016. Was danach wird, das steht für 1.600 Arbeitnehmer in den Sternen.

Opel Leichtbau Elektrofahrzeug. Quelle: Opel AG -

Eigentlich will Opel in die zukunft starten: Zum Beispiel mit diesem Leichtbau-Elektrofahrzeug

"Keine Schönheit - aber anziehend"

Abschreiben, wie es in machen Medien geschieht, muss man Bochum allerdings noch lange nicht. Im Kontext des Strukturwandels mag diese Stadt von international agierenden Konzernen zwar rücksichtslos behandelt worden sein, doch in Bochum hat man schon seit langem nicht einzig auf diese Konzerne gesetzt. Das zeige sich, wie Stadtdirektor Aschenbrenner nicht ohne Stolz anmerkt, auch in den Arbeitslosenzahlen. Große Nachbarstädte wie Dortmund und Essen liegen deutlich über zehn Prozent, Bochum deutlich darunter. "Wir gehören im Ruhrgebiet sicher zu den weißgetupften schwarzen Schafen," sagt Aschenbrenner.

Bochum ist städtebaulich sicher keine Schönheit, besitzt aber Ausstrahlung. Mit dem Theater spielt man national seit Jahrzehnten in der ersten Liga. Und mit dem "Starlight Express" geht allabendlich das weltweit meistgespielte Musical über die Bühne, das jährlich zigtausend Besucher in die Stadt zieht.

"Zukunftsbranchen wachsen"

Das der Stadt vor Jahren aufgeklebte Image der grauen Maus im Revier trifft längst nicht mehr zu. Bochum ist nicht nur der etablierte Sitz der Europazentrale des Mineralölkonzerns BP/Aral, sondern mit acht Hochschulen ein ausgewiesener Forschungsstandort mit Perspektive. Zu den Leuchttürmen der Ansiedlungspolitik gehört der bundesweit erste und einzige Gesundheitscampus. In der prosperierenden Gesundheitswirtschaft arbeiten heute über 23.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte.

Als Branche mit Zukunft gilt auch die Kreativwirtschaft mit fast 8.000 Beschäftigten. Als ein solides Standbein erweist sich ein expandierender Mittelstand mit Marktführern im Bereich des Maschinenbaus. Nicht ohne Grund rangiert die IHK Mittleres Ruhrgebiet beim Export-Ranking auf einem beachtlichen fünften Platz. Im Rahmen des Strukturwandels wurden Ruhrgebietsstädte schon oft tot geschrieben. Bochum hat ohne viel Aufheben die Weichen fürs Überleben gestellt.

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