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Deutschlehrer-Info

Online Lernen in Krisengebieten

Weltweit gibt es laut UNHCR 43 Millionen Flüchtlinge, fast die Hälfte davon ist unter 18 Jahre alt. Schulen sind in Krisengebieten oft unerreichbar. Daher nutzen immer mehr Organisationen E-Learning als Unterrichtsform.

„School closed due to Hurricane Sandy? BrainPOP is free all week!” Dieser Satz auf der Homepage eines Bildungsportals im Internet macht deutlich, welche Möglichkeiten E-Learning bietet. Das Internet als Klassenzimmer – nicht nur in den USA ist das eine gute Alternative, wenn regulärer Schulunterricht ansonsten nur schwer möglich ist. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) nutzt „BrainPOP“ für Flüchtlinge in Malaysia. Das Angebot richtet sich vor allem an jüngere Schüler, denen mithilfe kurzer Videos Natur- und Sozialwissenschaften sowie Englisch vermittelt werden sollen.

Laptop statt Lehrbuch

E-Learning

Viele Schulen in Krisengebieten sind noch schlecht ausgestattet.

„Man kann mit E-Learning eindeutig mehr Schüler erreichen“, sagt Audrey Nirrengarten, Bildungsreferentin vom UNHCR. In der aktuellen Bildungsstrategie des UNHCR für die Jahre 2012 bis 2016 nimmt diese Unterrichtsform eine zentrale Rolle ein. Nirrengarten betont, dass E-Learning jedoch keine Alternative zum Präsenzunterricht sei, sondern vielmehr eine sinnvolle Ergänzung. So werde derzeit die Mehrheit der Schüler in den Flüchtlingslagern zwar von Lehrern unterrichtet, die Kinder könnten jedoch mittels spezieller Computerprogramme zeitweise alleine weiterlernen und eigenständig Aufgaben bearbeiten.

Sicher seien für die Nutzung solcher Programme zunächst immense Investitionen für die Technik nötig. „Doch danach wird es günstiger“, sagt Nirrengarten. Es müssten nicht ständig neue Unterrichtsmaterialien angeschafft und in die Gebiete geliefert werden. Auch beim Zugang zu modernen Medien sieht Nirrengarten kein Hindernis: „In Pakistan etwa sehen wir auch, dass Flüchtlinge dort häufig über Internet Kontakt zu ihren Familien halten“, erzählt sie.

Diese Erfahrung hat auch Uwe Korus von der Hilfsorganisation „Care“ gemacht. „Selbst in entlegensten Regionen sind Mobiltelefone heute keine Seltenheit mehr“, sagt Korus, stellvertretender Regionaldirektor für Westafrika. Die Kinder lernten den Umgang mit iPads oder Laptops sehr schnell. In Mali hat „Care“ Lehrer mit einfachen tragbaren Computern ausgestattet, um Nomaden-Kinder im Norden des Landes unterrichten zu können. „Hier geht es um die Grundlagen Lesen, Schreiben, Rechnen. Die Kinder sind zwischen sechs und 12 Jahren alt“, erklärt Korus. Er sieht weniger technische als vielmehr soziale und sprachliche Hindernisse für die Nutzung von E-Learning-Angeboten. „Die Inhalte müssen in der lokalen Sprache vermittelt werden und es muss einen persönlichen Kontakt zum Lehrer geben“, sagt Korus.

Angst sperrt Kinder ein

Jordanien Flüchtlingscamp Flüchtlingslager Kind

Syrischer Junge in einem Flüchtlingslager in Jordanien

Im Bürgerkrieg in Syrien ist das Internet momentan für viele Kinder und Jugendliche die einzige Möglichkeit unterrichtet zu werden. Hunderttausende besuchen derzeit keine Schule. Ihren Eltern ist der Weg dorthin zu gefährlich, es gibt Heckenschützen und Bombenanschläge. Die Schüler bleiben teils monatelang zu Hause.

Auch die Kinder und Jugendlichen, die mit ihren Eltern in die Nachbarländer geflohen sind, sitzen dort meist ohne Beschäftigung in den Flüchtlingslagern. Es gibt nur für wenige von ihnen Platz in den Behelfsschulen des UN-Kinderhilfswerkes Unicef. Die Englischlehrerin Maisa Dschamil aus Damaskus wollte etwas dagegen unternehmen, dass die Kinder nichts mehr lernen. Daher hat die 33-Jährige gemeinsam mit anderen Akademikern eine Art Notunterricht im Internet eingerichtet. „Madrasa Online“ heißt das Projekt, für das sich Schüler auf einer Seite im sozialen Netzwerk Facebook registrieren lassen können. Mittlerweile sind dort bereits gut 7.000 Schüler angemeldet. „Für mich ist das inzwischen ein Vollzeitjob, der mich pro Tag 20 Stunden in Anspruch nimmt“, sagt Dschamil. Sie hatte sich bereits während des Studiums auf die Sprachvermittlung per E-Learning spezialisiert. Auch wenn der Unterricht meist schriftlich abläuft, lernen die Kinder die richtige Aussprache der Fremdsprachen. „Unsere Lehrer, die Englisch oder Französisch anbieten, nehmen ihren Unterricht oft mit der Videokamera auf“, erklärt Dschamil.

Schwerpunkt Erwachsenenbildung

E-Learning

Auch Erwachsene haben Bedarf an Weiterbildungsangeboten.

Unter den Millionen Flüchtlingen weltweit sind allerdings auch viele, die bereits eine Schulausbildung abgeschlossen haben. Doch nur ein Prozent der Flüchtlinge kann ein Studium beginnen. „Man darf auch sie nicht vergessen“, betont Imke Gilmer vom Bildungsreferat des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ). „Ein Student möchte gerne weiterstudieren und ein Auszubildender seine berufliche Bildung fortsetzen.“ Beim Thema E-Learning konzentriere sich das BMZ deswegen auf den Bereich der Erwachsenenbildung, etwa mit der Lernplattform „Globaler Campus 21“ der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). "Momentan wird sie weltweit von 76.000 Menschen genutzt, pro Jahr kommen etwa 9.000 hinzu", sagt Gilmer. Auch sie sieht in E-Learning eine sinnvolle Ergänzung. Man sollte nicht immer nur die Vor- und Nachteile diskutieren, wichtig sei es, einfach anzufangen.


Autorin: Janine Albrecht
Redaktion: Ingo Pickel