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Wirtschaft

Online-Kiosk Blendle: Zukunft für Paid Content?

Blendle bietet seinen Nutzern Artikel aus allen großen niederländischen Zeitungen und Magazinen. Für jeden gelesenen Artikel wird eine kleine Gebühr fällig. Jetzt will das Startup expandieren.

Die junge Generation kauft ihre Musik bei iTunes, abonniert Streaming-Dienste wie Spotify und zahlt, um Filme und Fernsehserien auf Netflix zu schauen. Warum dann nicht auch eine Online-Plattform, auf der man Zeitungsartikel kaufen kann, dachte sich das niederländische Startup Blendle und ging vor einem halben Jahr mit seiner Geschäftsidee an den Start. 130.000 Nutzer haben sich seitdem auf der Website registriert - ein Drittel davon, schätzt Blendle, ist jünger als 35.

Auf der Website des Unternehmens können sich die Leser durch eine Reihe von nationalen Tageszeitungen, Magazinen und Lokalblättern klicken, Inhaltsverzeichnisse durchblättern und Überschriften und Einleitungen lesen. Bezahlen müssen sie nur die Artikel, die sie tatsächlich lesen wollen. In der Regel kostet ein Artikel 20 Cent. Den Preis setzt der Herausgeber fest, Blendle bekommt 30 Prozent der Erlöse.

Zeitungen Foto: svort

Blendle erreicht vor allem junge Menschen, die keine Zeitungen lesen

Wer sich neu registriert, erhalt 2,50 Euro Startguthaben. Etwa 20 Prozent der Neulinge lädt sein Blendle-Konto neu auf, wenn dieses Geld aufgebraucht ist. Wenn ein Artikel nicht gefällt, kann der Leser sein Geld zurückbekommen - er muss lediglich den Grund seiner Reklamation anklicken: zu kurz, zu lang, nicht gut genug. Blendle zufolge hat diese Möglichkeit dazu geführt, dass die Nutzer am Ende des Tages mehr Geld für Nachrichten ausgeben.

"iTunes für Journalismus"

Während die

Auflagen gedruckter Zeitungen immer stärker zurückgehen

und den Verlagen die Anzeigenkunden wegbrechen, könnte Blendles "iTunes für Journalismus"-Modell den Medienmarkt revolutionieren. Neue Medien wie BuzzFeed wachsen rasant, Investoren interessieren sich zunehmend für Journalismus-Start-ups. Blendle hat drei Millionen US-Dollar von der New York Times und dem deutschen Axel-Springer-Verlag erhalten.

Laptop mit Blendle-Website Foto: Blendle

Statt News-Flatrate: Nur zahlen, was man auch wirklich lesen möchte

Dabei ist die Idee nicht neu: Schon in den 1980er Jahren experimentierte die US-Website Compuserve mit einem Einwähl-Service, der Artikel verschiedener Zeitungen im Angebot hatte. Die Nutzer zahlten eine stündliche Gebühr für die Website, das Herunterladen der Texte - ohne Fotos und Überschriften - dauerte entsprechend lange.

Rund 30 Jahre später entwickeln sich Mikro-Bezahlmodelle für journalistische Inhalte zu einem Trend. Auf Seiten wie Flattr können Nutzer für Anbieter von Online-Medien spenden. Die US-Website Niuzly, ebenfalls 2012 gegründet, bietet genau wie Blendle einzelne Artikel zum kostenpflichtigen Lesen an. Blendle ermöglicht den Lesern, die Artikel in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter, aber auch mit anderen Blendle-Nutzern zu teilen.

Soziale Medien lösen Verlags-Websites ab

Eine aktuelle Studie vom Reuters Institute of Journalism (RIJ) kommt zu dem Ergebnis, dass viele Leser ihren Weg zu Nachrichten über die sozialen Medien finden - und nicht über Suchmaschinen oder die Websites der entsprechenden Medien. "Die Webauftritte von Zeitungen sind immer noch wichtig, aber verglichen mit den sozialen Medien werden sie immer weniger geklickt", sagt Federico Guerrini vom RIJ der DW. Besonders junge Leser würden zunehmend einzelne Artikel anklicken, ehe sie ihren Weg zu der Website des Verlags fänden. "Die Nutzer entscheiden genau, was sie lesen wollen. Dieser Trend kann zu mehr Akzeptanz der Idee, für einzelne Artikel zu bezahlen, führen", so Guerrini. Hinzu käme, dass die Abbuchung von Minimalbeträgen inzwischen sehr unkompliziert sei. Frühere Versuche seien daran gescheitert, dass den Plattformen die Gebühren der Anbieter wie etwa PayPal zu hoch gewesen seien.

Das Blendle-Team in ihrem Amsterdamer Büro Foto: Blendle

Das Blendle-Team in seinem Amsterdamer Büro

Der Erfolg von Blendle hängt mit seiner Position in der niederländischen Medienlandschaft zusammen: Es ist die weltweit erste Website, der es gelungen ist alle wichtigen Verlage des Landes mit ins Boot zu holen. Dass das Konzept von Blendle so gut funktioniert, liegt auch daran, dass die meisten großen Zeitungen in den Niederlanden auf ihrer Website eine Bezahlschranke eingerichtet haben - die Alternative zu Blendle ist, die gesamte Zeitung online zu abonnieren.

"Ein Service wie dieser funktioniert auf kleinen Gebieten mit einer relativ geringen Anzahl an Medien und einem mehr oder weniger homogenen Markt", sagt Douglas McCabe, Medienexperte beim britischen Forschungsinstitut Enders Analysis, der DW. In Ländern wie Großbritannien, den USA oder Deutschland, in denen Qualitätsjournalismus kostenlos im Netz verfügbar ist, könnten die Menschen zurückhaltender auf Bezahlmodelle reagieren.

Gemeinsame Bezahlschranke notwendig

Der Journalist und RIJ-Forscher Federico Guerrini sieht die internationale Zukunft von Blendle optimistischer: "Wenn die Verlage an einem Strang ziehen, dann könnte es funktionieren." In Italien würden Zeitungsverlage schon seit zwei Jahren über eine gemeinsame Bezahlschranke diskutieren, in der Slowakei gebe es sie bereits.

Die drei Millionen US-Dollar, die Axel Springer und die New York Times investiert haben, zeigen: Auch Verlage scheinen daran zu glauben, dass das Modell von Blendle den dringend benötigten Anschub im Markt des Online-Journalismus geben kann. "Blendle ist das beste Experiment in diesem Bereich", sagt Guerrini. Die Website will die zusätzlichen Finanzmittel nutzen, um ihren Service auszubauen: In den kommenden zwei Jahren will Blendle in weitere europäische Länder expandieren.

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