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Kultur

Online fängt die Zukunft erst an

Auf der IFA wird viel über Hardware gesprochen, wenig über Inhalte. Dabei ist das genauso spannend. Was gibt es zum Beispiel über Online-Journalismus zu berichten? Kay-Alexander Scholz hat eine Bestandsaufnahme gemacht.

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Die Hoffnungsträger

Im letzten Jahr feierte die deutsche Medienszene das erste Jahrzehnt Online-Journalismus. Zehn Jahre sind ein vergleichsweise kurzer Zeitraum. Für den Online-Journalismus aber waren es rasante Jahre. Grob lassen sich die ersten Online-Jahre in eine experimentelle und eine emanzipatorische Phase einteilen. Zusammen bilden sie das Fundament, auf dem sich gegenwärtig Online-Redakteure tummeln - und gerade erst beginnen, eine eigene Sprache zu entwickleln.

Was besonders ist

Zunächst mussten die angehenden Onliner die Technik lernen, was nicht so einfach war. Erst Ende der 1990er-Jahre gab es stabile Content-Management-Systeme, mit denen sich Print-Texte ruckzuck in Online-Texte umwandeln lassen. Zuvor mussten zum Beispiel Texte mit HTML-Befehlen händisch programmiert werden.

Programmieren gehörte zum Online-Publizieren dazu - und das wirkte sich auch auf die Inhalte aus: Die "Bastler" und "Freaks" dokumentierten, welche Schritte das neue Medium machte oder beschäftigten sich auf eher akademischem Niveau mit gesellschaftlichen Themen. So entstanden "Internet" und "Multimedia" als eigenständige Rubriken, die heute etabliert oder aufgegangen sind in die alltägliche journalistische Berichterstattung.

Ein wenig vom Geist der Aufbruchjahre lebt dennoch fort: Das Internet ermöglichte, Themen so ausführlich darzustellen wie es "nötig" war - nicht nur wie "möglich". Print-, Radio- und TV-Kollegen können ein Lied singen von den immer währenden technischen und zeitlichen Grenzen ihres journalistischen Tuns. Onliner dagegen sind - eigentlich - frei davon. Allein der User könnte entscheiden, wie tief er sich auf ein Thema einlassen will.

So entstanden Dossiers, Archivseiten und Newsticker; PDFs und Links ermöglichten mehr Wissen zum Nachlesen. Zumindest von den letzten beiden Möglichkeiten wird - im Großteil des deutschen Webs - derzeit viel zu wenig Gebrauch gemacht.

Emanzipation ist nicht alles

Noch immer sind viele Online-Seiten von den Inhalten konventioneller Medienmacher geprägt. Die Online-Redaktionen sind zwar formal emanzipiert und schneller als die Zeitung aber eine starke, eigene publizistische Stimme sind sie noch immer viel zu selten. Erfolgreiche Konzepte wie Spiegel-Online oder die Netzzeitung gibt es wenige.

War das schon alles? Sicherlich nicht. Welches große Potential in dem Medium tatsächlich steckt, das beginnt sich erst jetzt - im 11. Lebensjahr sozusagen - abzuzeichnen.

Privatvideos und Informationen von Betroffenen aus dem Internet spielen eine immer wichtigere Rolle, sagte kürzlich der Chefredakteur von CNN International, Nick Wrenn. Der Nachrichtensender nutze zunehmend Amateuraufnahmen und Weblogs für die Berichterstattung aus Krisengebieten. Ob Tsunami, Terror oder Hurrikan - der "Bürgerjournalismus" sei eine Bereicherung und erlaube eine schnellere und billigere Berichterstattung.

Dieser Trend wird stärker werden. Denn das Internet ist nicht nur ein Publikationsort, sondern auch eine Form des blitzschnellen Datentransfers.

Ein Stichwort hierfür ist: mediale Gleichzeitigkeit von globalen Ereignissen. Der Traum ist nicht ganz neu. Schon einer der Väter der Medienwissenschaft, Marshall McLuhan, sprach vom "globalen Dorf", wenn er über die Zukunft der Massenkommunikation theorisierte. Doch das multifunktionale Handy von heute ist ein "lebendes" Beispiel für den visionären Gehalt dieser Idee: Artikel können mobil gelesen werden und im nächsten Moment wird - zum Beispiel mit der Digitalkamera - Content produziert, der in die Online-Redaktionen zurückfließen kann. Alles fast in "Real Time".

Wie geht's weiter? Lesen Sie Teil zwei!

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