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Lebensart

"Once"-Dating-App: Romantik statt Wischen

Eine Dating-App aus Frankreich will Tinder den Garaus machen. Mit nur einem Vorschlag pro Tag setzt "Once" auf Qualität statt Masse. Die Geheimwaffe: Echte Menschen als Matchmaker. Ein Selbstversuch von Maike Verlaat.

Geschlecht, sexuelle Vorlieben, Alter, Stadt, Religion, Beruf - schnell arbeite ich die Mindestanforderungen der Dating-App "Once" ab. Noch ein Selfie von meinem letztes Frisörbesuch hochgeladen - fertig. Schon sucht Once nach einer passenden Person für mich. Das ging erschreckend schnell. Dabei habe ich doch für meinen Wunschpartner bloß das Alter (25-32) und eventuelle religiöse Präferenzen angeben können.

Eine halbe Stunde später surrt mein Handy, und mein Match ist da. Ich muss zugeben, ich bin etwas aufgeregt, als ich auf das Profil klicke. Christoph, 28, 180 cm groß, Architekt aus Köln. Ob der Matchmaker wohl dachte, dass Architekten und Journalisten viele Gemeinsamkeiten haben? Zumindest hat Christoph sich genauso wenig Mühe mit seinem Profil gegeben wie ich. Keine Beschreibung, nur zwei Fotos. Genaueres erfährt man dann wohl erst im Chat, wenn er mich auch gut findet. Wir haben jetzt beide 24 Stunden, um das kleine Krönchen zu drücken. Davor können wir uns jeweils eine Nachricht schicken, um dem Ganzen noch eine persönlichere Note zu geben.

Amor aus Fleisch und Blut

Das Besondere an Once ist, dass - nach einer Vorauswahl des Computers - Menschen entscheiden, wer am besten zu einem passt. "Die User werden nicht wie bei anderen Dating-Apps von Profilen überwältigt. Wir geben unseren Nutzern ein ausgewähltes Match pro Tag", sagt die Managerin für den deutschsprachigen Raum, Vanessa Ulrich. In Deutschland ist die App seit letzter Woche freigeschaltet.

Bei Once sind etwa 180 freiberufliche Matchmaker für 1,5 Millionen Nutzer aktiv. Bislang kannte ich solche Liebesboten nur privat. Wer hat den Satz "Die würden richtig gut zusammenpassen" im Freundeskreis noch nicht gehört? Die besonders eifrigen Kuppler können ihr Hobby jetzt also zum Beruf machen. So wie Amélie Guerard. Die junge Französin ist seit September bei dem Start-Up als Matchmakerin eingestellt und leitet mittlerweile den Auswahlprozess für die, die es noch werden wollen. Guerard spielt sehr gerne Amor. "Es ist schön, sich vorzustellen, dass ein Match von mir vielleicht eine Beziehung beginnt oder sogar heiratet. Ich habe privat auch immer Leute verkuppelt."

Eiffelturm in Paris (Foto: © picture-alliance/dpa/V. Isore)

Frankreich ist das Land der Liebe. Vielleicht machen Franzosen deswegen auch bessere Dating-Apps.

Verkuppeln auf Provision

Privat stellt man Freunde aber nicht nur aufgrund ihres Äußeren einander vor. Die Matchmaker bei Once sehen sich aus Datenschutzgründen tatsächlich nur die Fotos an, um den Traumpartner zu finden. Klingt erst mal genauso oberflächlich wie Tinder. Doch Guerard ist ein Profi darin, jedes optische Detail in einen größeren Kontext zu setzen. "Wir versuchen, die Persönlichkeit und Hobbys des Nutzers zu erfassen", sagt sie. Jedes kleine Detail könne Informationen liefern. "Tattoos oder Piercings, was die Person trägt, ob sie sich geschminkt oder ihre Haare gemacht hat."

Je mehr Fotos der Nutzer hochlädt, desto einfacher ist auch der Job des Matchmakers. Der Algorithmus, der eine Vorauswahl von etwa 20 möglichen Kandidaten trifft, wird ebenfalls immer besser, je mehr die App genutzt wird. "Wenn in der Vergangenheit öfter auf große, blonde Männer mit einem Hipster-Styling geklickt wurde, wird der Computer auch vermehrt diesen Typ vorschlagen", sagt Guerard.

Die Mitarbeiter durchlaufen ein kurzes Training, dann geht es in eine 3-tägige Probezeit. Wird in den Statistiken deutlich, dass es bei genügend Matches gefunkt hat, kann der neue Kuppler seine Arbeit beginnen. Der Liebeserfolg lohnt sich: Für jedes erfolgreiche Match erhält der Mitarbeiter eine Provision.

Französischer Märchenzauber

Logo Dating App Once (Foto: Once Dating AG)

Das Logo verspricht märchenhafte Liebschaften

Der Fokus der App liegt klar auf Romantik statt One-Night-Stand. Die Thematik der "märchenhaften Liebesgeschichte" zieht sich durch die komplette Vermarktung der App. Der kleine Froschkönig als Logo soll den verwunschenen Prinzen darstellen.

Das Konzept spricht vor allem Frauen an, rund 60 Prozent der Nutzer sind weiblich. Geschäftsführer Jean Meyer hat schon einmal eine Dating-App auf den Markt gebracht. Dann kam Tinder, und die Nutzer wechselten. Once soll jetzt dem Überangebot und wahllosen "Links-Swipen" entgegenwirken und der "Generation Maybe" die Entscheidung abnehmen. Das funktioniert in Frankreich bereits sehr gut. Vielleicht sind die Franzosen aber auch einfach romantischer als wir. Zwischen Christoph und mir hat's auf jeden Fall nicht gefunkt.

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