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Afrika

Omas vor, noch ein Tor!

Können Sie sich vorstellen, dass Ihre Großmutter auf dem Fußballplatz einem Ball hinterherjagt? Im fußballverrückten Südafrika kicken auch Omas mit Leidenschaft. Inzwischen gibt es mehrere Vereine im ganzen Land.

Omas beim Fußball (Bild: Leonie March)

Sportsgeist ohne Altersgrenze: die Großmütter bringen viel Begeisterung auf den Platz

Ruth Sebola schnürt ihre blank geputzten Stollenschuhe. Sie trägt schwarze Leggins, darüber blauweiße Shorts und ein gleichfarbiges T-Shirt. Sieben Kinder hat die pensionierte Krankenschwester großgezogen, sieben Enkel und sechs Urenkel. Warum sie Fußball spielt? Die drahtige 77-Jährige verzieht ihr vom Wetter gegerbtes Gesicht zu einem fast zahnlosen Lächeln. Der Alltag einer Großmutter in Südafrika sei hart. Obwohl sie Rentnerin sei, arbeite sie den ganzen Tag. "Ich stehe jeden Tag um 4 Uhr auf. Nach dem Gebet fege ich den Hof, putze, wasche und koche. Ich versuche alles zu erledigen, während meine Urenkel im Kindergarten sind.", erzählt sie. Doch irgendwann machte ihr Körper nicht mehr mit. Sie hatte jeden Tag Rückenschmerzen. "Seitdem ich Fußball spiele, fühle ich mich wieder gesund und habe keine Schmerzen mehr.", fügt sie hinzu.

Omas beim Fußball (Bild: Leonie March)

Auszeit ohne Familienpflichten - Fußball spielen die Omas nur für sich

Fußball ist ein bisschen Luxus

Ruth und die anderen Frauen stellen sich im Kreis auf. "Heute müsst ihr alles geben", sagt Beka Ntsanwisi, die von den Spielerinnen liebevoll Mama Beka genannt wird. Vor drei Jahren hat sie Südafrikas erste Fußball-Mannschaft für Großmütter gegründet: Das Team "Vakhegula Vakhegula", zu Deutsch, "Die Omas". Es sei ein ganz besonderer Tag für die alten Damen, erklärt Mama Beka. Denn heute spielen sie nicht in ihrer ländlichen Heimat, sondern in der Millionenmetropole Johannesburg. Für viele der Großmütter sei das die erste größere Reise. Viele hätten ihr Dorf noch nie verlassen, so Beka Ntsanwisi. "Sie waren vielleicht schon einmal in der nächst größeren Stadt Tzaneen, die 13 Kilometer entfernt liegt oder haben ihre Verwandten im Nachbardorf besucht. Aber für das Spiel heute sind wir über 500 Kilometer weit gereist. Die Großmütter haben in einem Hotel übernachtet und in einem Restaurant gegessen. Das ist für sie purer Luxus."

Omas beim Fußball (Bild: Leonie March)

Einsatz ohne Angst vor Verletzungen - das Kicken macht die Omas fit

"Wir kämpfen um unsere Gesundheit"

In Zweierreihen gehen die Frauen auf den Platz. Gemächlich und im Rhythmus ihres Liedes: "Wir kämpfen nicht gegen den Gegner, sondern um unsere Gesundheit", singen die Großmütter. "Wir brauchen keine Pillen gegen Bluthochdruck. Wir können wieder springen und rennen.". Die Partie beginnt. Von der ersten Sekunde an feuern die Zuschauer die Großmütter an. "Vakhegula Vakhegula" hat inzwischen einen richtigen Fanclub. Alle halten den Atem an, als Nummer 13, die korpulenteste Spielerin auf dem Feld, bei einem Duell zu Boden geht. Doch sie rappelt sich wieder auf und läuft nach ein paar Minuten weiter. Dann ist Ruth Sebola am Ball, rennt so schnell sie kann, schießt und - verpasst das Tor. Beim Abpfiff, nach zwei Mal 20 Minuten, steht es zwei zu eins für die Gegner. Doch die Großmütter nehmen die Niederlage gelassen. In Gedanken ist Ruth Sebola sowieso schon einige Wochen weiter – bei der Fußballweltmeisterschaft. Und einen Tipp für die südafrikanische Nationalmannschaft hat sie auch: "Sie dürfen nicht aufgeben, selbst wenn sie mal eine Niederlage einstecken.", betont die 77-Jährige noch etwas außer Atem. Ihr größter Wunsch sei es die südafrikanische National-Elf ins Stadion zu begleiten. "Wir möchten sie unterstützen, damit sie gewinnen. Unsere Jungs, Bafana Bafana."

Omas beim Fußball (Bild: Leonie March)

Von den Großen belächelt - im WM-Stadion sollen die Omas dann doch nicht spielen

Kickende Omas passen nicht ins FIFA-Konzept

Ruth Sebola und die anderen Frauen stimmen wieder ein Lied an, gehen langsam vom Spielfeld. Beka Ntsanwisi, schaut ihnen lächelnd hinterher. Sie hat sich dafür eingesetzt, dass die Großmütter bei der Eröffnungsfeier der WM spielen können. Doch die FIFA und das lokale Organisationskomitee hätten lächelnd abgewunken, erzählt die engagierte 42-Jährige. Jetzt versucht sie, dass "Vakhegula Vakhegula" wenigstens zu den Spielen in Polokwane, in ihrer Heimatprovinz Limpopo eingeladen wird. Aber auf eine Antwort wartet sie noch immer. Enttäuscht fügt sie hinzu: "Viele Leute nehmen uns einfach nicht ernst. Dabei würde sich ihre Einstellung wahrscheinlich ändern, wenn sie unser Team erst einmal kennenlernen würden. Denn es sind nicht nur einfach irgendwelche lustigen Omas." Viele der Großmütter seien krank und einsam gewesen, müssten ihre Enkel groß ziehen, weil ihre Kinder an Aids gestorben seien. Der Fußball sei für die alten Frauen so etwas wie ein Lebenselixier, betont Mama Beka. "Seit sie Fußball spielen, geht es ihnen viel besser. Sie kommen zuhause raus, trainieren, haben Spaß und leben dadurch vielleicht sogar länger."

Autorin: Leonie March

Redaktion: Nicola Reyk