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Sport

Olympisches Komitee akzeptiert Internetzensur in China

Kürzlich sprach IOC-Präsident Rogge noch von einem "unzensierten Zugang zum Internet" zu den Spielen in Peking. Ein leeres Versprechen, denn die Zensur geht weiter, auch für die chinesischen DW-WORLD-Seiten.

Japanische Journalisten arbeiten am Mittwoch (30.07.2008) in Peking im Hauptpressezentrum der Olympischen Spiele (Quelle: dpa)

Pressezentrum in Peking. Auch für die Journalisten gibt es nur eingeschränkten Zugang zum Netz

Wer derzeit in China die Homepage von DW-WORLD Chinesisch anklickt, bekommt in seinem Browser nichts als Fehlermeldungen. Für die chinesische Onlineredaktion mit Sitz in Bonn ist das nichts Neues. Seit mehr als drei Jahren ist die Seite mehr oder weniger dauerhaft geblockt. Die DW-Journalisten verfügen über ein Netz von Usern in China, die regelmäßig die Zugänglichkeit der Seiten prüfen. "Wieder weiße Seiten." Diese Botschaft ist die Regel.

Jetzt hofften die chinesischen DW-Onlineredakteure auf die Ausnahme. Sie setzten darauf, dass das vor zwei Wochen geleistete Versprechen von IOC-Präsident Jacques Rogge wahr werden würde. Der hatte in mehreren Interviews mit Nachrichtenagenturen davon gesprochen, dass die 25.000 Journalisten bei den Sommerspielen in Peking "unzensierten" Zugang zum Internet haben werden.

Unbeholfene Erklärungsversuche

Doch daraus wird offenbar nichts. Ohnmächtig akzeptierte das Internationale Olympische Komitee (IOC) am Mittwoch (30.07.2008) die chinesische Zensur des Internets. "Wir haben es hier mit einem kommunistischen Land zu tun, in dem zensiert wird. Wir bekommen, was sie einem zugestehen", sagte der Chef der IOC-Pressekommission, Kevan Gosper, laut dpa vor empörten Journalisten in Peking. Gosper selbst hatte im April in Peking noch unmissverständlich zugesagt, dass es zumindest in den Pressezentren ungehinderten Zugang zum Internet geben werde.

Jacques Rogge auf einer Pressekonferenz (Quelle: Scanpix)

In der Kritik: IOC-Präsident Jacques Rogge

Im Widerspruch dazu stellte Gosper die Verhandlungen mit den Chinesen jetzt so dar, als wenn es nur um die freie Berichterstattung über die Spiele, nicht China allgemein gegangen sei. "Das erstreckt sich nicht notwendigerweise auf den freien Zugang und die Berichterstattung über alles, was mit China zu tun hat", sagte Gosper. "Ich bin unterrichtet worden, dass einige der IOC-Vertreter mit der chinesischen Seite ausgehandelt haben, dass einige heikle Webseiten gesperrt werden."

"Ausreichender" Internetzugang

Zu den "heiklen" Seiten wird offenbar auch die chinesische DW-WORLD-Seite gezählt. Journalisten im Pressezentrum von Peking beklagten zudem, dass auch die Seiten der BBC sowie Zeitungen aus Hongkong und Taiwan nur eingeschränkt zugänglich seien. Von der Sperre betroffen sind auch Menschenrechtsgruppen wie Amnesty International und exiltibetische Organisationen.

Der chinesische Sprecher des Organisationskomitees BOCOG, Sun Weide, sagte, man werde während der Spiele den Reportern einen "ausreichenden Zugang" zum Internet ermöglichen. "Unser Versprechen war, dass Journalisten das Internet für ihre Arbeit während der Olympischen Spiele nutzen können", sagte Sun. Fragen, warum einzelne Seiten nicht zu erreichen seien, wich er aus. "Über einzelne Webseiten weiß ich nicht Bescheid", lautete die lapidare Antwort.

Scharfe Kritik am IOC

Das IOC bemühte sich um Schadensbegrenzung und ließ am Mittwoch verlauten, die von den Sommerspielen berichtenden Journalisten sollten den "für ihre Arbeit notwendigen Zugang" ins Netz erhalten und man werde daran arbeiten, das sicherzustellen. Man wolle das Thema mit den chinesischen Verantwortlichen erörtern. Doch die Glaubwürdigkeit ist angekratzt.

Internetnutzer sitzt in einem dunklen Internet-Cafe (Quelle: AP)

China betreibt großen Aufwand für die Zensur des Internet

Die Organisation Reporter ohne Grenzen machte das IOC dafür verantwortlich, die derzeitige Lage durch seine konziliante Haltung und sein "jahrelanges Schweigen" ermöglicht zu haben. "Als China sich für die Spiele bewarb, hatte es volle Pressefreiheit versprochen und das muss freien Internetzugang beinhalten", sagte der Asien-Direktor der Organisation, Vincent Brossel der Agentur AFP. "Was für eine Demütigung ist das jetzt für Jacques Rogge!"

Internetzensur in China

In China gibt es bis auf die Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao keinen freien Zugang zum Internet. Zur Kontrolle der Netzverbindungen hat das Ministerium für Öffentliche Sicherheit in Peking ein gigantisches Filtersystem errichten lassen, dass außerhalb Chinas als "The Great Firewall" bezeichnet wird.

Um beispielsweise einen Zugriff auf die Seiten www.dw-world.de/chinese unmöglich zu machen, wird unter anderem verhindert, dass Browser-Eingaben wie www.dw-world.de/chinese mit einem sogenannten Domain Name Server (DNS) in die technisch notwendige Zieladresse in Form einer IP-Adresse (194.55.30.46) übersetzt werden. Gleichzeitig wird der Zugriff auf diese Server-Adressen blockiert, so dass Internet-Anwender auch mit der direkten Eingabe der IP-Adresse nicht zum Ziel kommen.

Logos von Baidu und Google (Quelle: dpa)

Baidu und Google sind in China beliebt. Doch nicht alle Suchfragen führen zum Erfolg

Gefiltert sind in China auch Suchmaschinen wie Google oder der heimische Anbieter Baidu. Kurios ist, dass "unverfängliche" Berichte von DW-WORLD.DE durchaus von den Maschinen gefunden werden, wie zum Beispiel ein Hintergrundbericht zur Leichtathletik. Selbst chinesische Staatsmedien übernehmen zum Teil die DW-Berichte. system-kritische Inhalte werden jedoch herausgefiltert. Unternehmen wie Google oder Yahoo unterwerfen sich dabei einer umstrittenen Selbstzensur.

Die Redakteure der chinesischen Onlineredaktion wissen, dass viele ihre Nutzer sehr wohl technische Möglichkeiten kennen, die Zensur zu umgehen. In jüngster Vergangenheit stellten sie durchaus auch kurzfristige Verbesserungen fest. So sind die deutschen und englischen Seiten von DW-WORLD seit einigen Tagen weitgehend zu erreichen. Und auch einzelne Artikel des chinesischen Angebots waren zugänglich, jedoch nur wenn man über den Artikellink verfügte.

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