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Sport

Olympisches Fieber ohne Ansteckungsgefahr

Es ist schon fast ein Ritual: Am Ende der Wettkämpfe werden die Olympischen Spiele zu den "besten aller Zeiten" erklärt. Aber das waren sie nicht, meint Stefan Nestler.

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Das olympische Fieber wollte sich einfach nicht einstellen, der Funke nicht überspringen. Und das lag nicht an der großen Distanz von knapp 8000 Kilometern bis Peking oder an der Zeitverschiebung. Die gab es z.B. in Sydney im Jahr 2000 auch, und doch schwappte damals die Partystimmung herüber. Die Chinesen erwiesen sich dagegen schon im Vorfeld der Spiele als Lustkiller. 100.000 Polizisten und 34.000 Soldaten verwandelten Peking in eine Hochsicherheitszone. Die kommunistische Führung verbat sich Proteste gegen Menschenrechtsverletzungen oder gegen das gewaltsame Vorgehen im besetzten Tibet. Vereinzelte Aktionen wurden meist nach wenigen Sekunden beendet. Das Internationale Olympische Komitee schwieg. In gewisser Weise war das konsequent, hatte das IOC die Spiele doch sehenden Auges an einen Staat vergeben, der wohl kaum demokratisch genannt werden kann. Dafür konnten sich die IOC-Offiziellen sicher sein, dass es keine organisatorischen Pannen geben würde. Die Sportstätten waren rechtzeitig fertig und begeisterten aufgrund ihrer ausgefallenen Architektur. Die Wettbewerbe begannen stets pünktlich und wurden professionell abgewickelt. Selbst gelegentliche Wetterkapriolen brachten die Organisatoren der Spiele nicht aus der Fassung. Sie hatten alles im Griff. So ließen sie bei der pompösen Eröffnungsfeier ein kleines Mädchen die Lippen zur Musik vom Band bewegen. Die Sängerin war den Machern der Spiele zu dick und hatte schiefe Zähne. Das passte nicht ins Bild einer vollkommenen Inszenierung - die zu perfekt war, um wirklich zu berühren. Das galt auch über weite Strecken für die Wettkämpfe. Dass sich China mit großem Vorsprung die Nationenwertung sicherte, war in Peking gewünscht, zielstrebig vorbereitet und dann auch umgesetzt worden: planbarer Sport, ein weiterer Stimmungskiller. Für einen anderen konnten die Macher der Spiele nichts. Die Auftritte eines Michael Phelps im Schwimmen oder eines Usain Bolt im Sprint der Leichtathleten waren von einer anderen Welt, einfach unglaublich, und das im wörtlichen Sinne. Wirklich freuen konnte man sich darüber kaum. Eigentlich wartet man nur auf die Nachricht, mit welchen unerlaubten Mitteln diese schier unmöglichen Leistungen möglich gemacht wurden. Schade für die sauberen Sportler, von denen es sicher viele in Peking gab. Hoffentlich.