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Olympische Winterspiele 2018

Olympische Flamme erreicht Südkorea

Pünktlich 100 Tage vor der Eröffnung der Winterspiele 2018 in Pyeongchang trifft die Olympische Flamme in Südkorea ein. Nun beginnt die Reise des Feuers durch das Gastgeberland. Doch selten war die Vorfreude so getrübt.

Der Premierminister Südkoreas, Lee Nak-yon hält die Olympische Fackel in Händen (Foto: Getty Images/C. Sung-Jun)

Angekommen: Südkoreas Premierminister Lee Nak-yon ist sichtlich stolz

Zum 100-Tage-Countdown vor den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang im kommenden Februar ist die olympische Flamme im Gastgeberland Südkorea eingetroffen. Ein Charterflugzeug mit dem zuvor in Griechenland entzündeten Feuer landete am Mittwoch auf dem Internationalen Flughafen von Incheon nahe der Hauptstadt Seoul. Dieser Tag sei ein "bedeutender Moment in unserer Geschichte", sagte der Vorsitzende des Organisationskomitees, Lee Hee Beom, bei einer Zeremonie auf dem Flughafen. Das Warten sei für die Südkoreaner zu Ende gegangen. "Wir sind jetzt 100 Tage vor den Spielen", hob Lee hervor. Südkorea war Gastgeber der Olympischen Spiele 1988 in Seoul.

Die Fackel soll vor der Eröffnung der Spiele am 9. Februar über eine Strecke von 2018 Kilometern auf dem Land, über Wasser und in der Luft durch Südkorea getragen werden. Rund 7500 Fackelträger sollen das Feuer durch fast alle wichtigen Städte und Regionen des Landes führen. Das olympische Feuer war am Dienstag in Athen an die Organisatoren übergeben worden. Es war am 24. Oktober in der antiken Stätte von Olympia auf der griechischen Halbinsel Peloponnes entfacht worden. Anschließend gab es einen Fackellauf durch Griechenland.

Nicht für alle nachvollziehbar

Was für die Einen nun Grund zum Feiern ist, erzeugt bei den Anderen eher leises, verständnisloses Kopfschütteln, mit der Frage nach dem Sinn des Ganzen. Die Tradition des Olympischen Fackellaufes ist eine lange, dennoch aber nicht uneingeschränkt für jedermann nachvollziehbar. Was macht man eigentlich so lange mit einem Feuer und muss dieser immense Aufwand wirklich sein, sind Kritikpunkte, die man immer wieder hört.

Umringt von Sicherheitsleuten trägt die südkoreanische Eiskunstläuferin und erste Fackelträgerin You Young die Olympische Flamme (Foto: picture-alliance/dpa/L. Jin-Man)

Spektakel mit Sicherheitsleuten: Eiskunstläuferin und erste Fackelträgerin You Young mit der Olympischen Flamme

Natürlich sind die Zeremonien rund um die Olympische Flamme bei Winter- wie bei Sommerspielen nicht wegzudenken, dennoch haben sie mittlerweile auch den Beigeschmack einer großen, aufgeblasenen Show, und das in einem Land wie Südkorea. Das bringt doch viele Menschen zum Nachdenken. Denn die Lage auf der geteilten koreanischen Halbinsel ist wegen des Konflikts um das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm derzeit sehr angespannt. Da blieb es nicht aus, dass Lee bei der Ankunft des Feuers in Incheon betonte, dass Südkorea sichere Spiele organisieren werde. "Wir werden dafür sorgen, dass alle Athleten und jeder, der nach Pyeongchang kommt, eine gute Zeit hat."

Zweifel bei Neureuther und Loch

Dabei ist die Stimmung bei den Wintersportlern schon länger gedrückt: Denn selten war die sportliche und politische Lage so angespannt wie vor der 23. Ausgabe der Olympischen Winterspiele. Das Säbelrasseln zwischen Nordkoreas Staatchef Kim Jong-Un und US-Präsident Donald Trump hat viele Athleten zum Nachdenken gebracht, ob es ihnen wert ist, beim sportlichen Höhepunkt des Winters überhaupt anzutreten.

Die Maskottchen der Olympischen Winterspiele in Südkorea Soohorang (l.) und Bandabi (r.) (Foto: picture-alliance/dpa/S. Varivoda)

Nicht ohne Maskottchen: Soohorang (l.) und Bandabi

"Es ist Wahnsinn. Auf Biegen und Brechen werde ich mir das nicht antun", sagte Rodel-Olympiasieger Felix Loch. Alpinspezialist Felix Neureuther, der vor wenigen Tagen erstmals Vater geworden ist, stellt sich mehr denn je die Frage, ob er einen Olympiastart angesichts der politischen Spannungen in Korea für sich verantworten kann: "Ich fahre einen Slalom, und da fliegen Raketen über mich drüber. Das ist Wahnsinn!"

Der britische Olympia-Chef Bill Sweeney gab kürzlich in einem Interview mit der "Daily Mail" zu, dass für den Kriegsfall ein Evakuierungsplan für die Delegation Ihrer Majestät entworfen worden sei. Die großen Wintersportnationen Frankreich und Österreich haben bereits über einen Verzicht auf eine Teilnahme nachgedacht, sollte sich die Situation zuspitzen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) diskutiert ebenfalls über einen möglichen Verzicht bei den Spielen, schon jetzt hätten viele Stars Angst.

Ein Zeichen gegen Doping

Ein weiteres Problem ist die ungeklärte Russland-Frage. Noch immer ist nicht klar, ob russische Athleten an den Spielen teilnehmen dürfen. 2016 durften 271 russische Athleten unter neutraler Flagge in Rio starten - ungeachtet der Beweise für ein breites Staatsdopingsystem, das Russland nicht nur bei den vergangenen Winterspielen 2014 in Sotschi zu unerwarteten Höhenflügen verhalf. Michael Ask, der Chef der dänischen Anti-Doping-Behörde, forderte die Sportler bereits zu zivilem Ungehorsam auf: "Die Athleten sollten ihre Macht nutzen, um so viel Druck wie möglich auf die handelnden Personen auszuüben."

Einige Wintersportler machen ihrem Ärger über das russische Staatsdoping und dessen Folgen für die Konkurrenz bereits über die sozialen Medien Luft: Im Rahmen der Twitter-Kampagne #MYMOMENT berichten Athleten von den Momenten, die ihnen durch gedopte Konkurrenten gestohlen wurden, weil nicht sie zur Siegerehrung auf dem Treppchen standen, sondern ein Sportler, der erst später durch Nachtests überführt wurde und aus der Wertung genommen werden musste. Unter den anklagenden Athleten sind auch der zweimalige Biathlon-Weltmeister Erik Lesser, die fünfmalige Paralympics-Siegerin Anna Schaffelhuber und Skeleton-Olympiasiegerin Lizzy Yarnold. "Ich möchte nicht, dass Athleten aufgrund von Doping ihren Moment in Pyeongchang verlieren", sagte Schaffelhuber.

ck/de/gri (dpa, sid)

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