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Sport

Olympiasiegerin unter Dopingverdacht

Anna Tschitscherowa, Hochsprung-Olympiasiegerin 2012, soll unter 14 russischen Athleten sein, deren Doping-Nachtests von Peking 2008 positiv waren. Russland droht mehr denn je das Olympia-Aus für Rio.

Hochsprungolympiasiegerin Anna Tschitscherowa. Foto: Getty Images

Hochsprungolympiasiegerin Anna Tschitscherowa

Russland versinkt immer mehr im Dopingsumpf.

Knapp zwei Wochen nach Berichten

über eine systematische Manipulation von Dopingproben bei den Winterspielen in Sotschi 2014 folgte die nächste Hiobsbotschaft aus russischer Sicht: Unter den

31 positiv getesteten Athleten

bei Nachkontrollen von Dopingproben der Sommerspiele 2008 in Peking sind 14 russische Sportler. Das bestätigte das Nationale Olympische Komitee Russlands (ROC), ohne Namen zu nennen. Der Fernsehsender TV Match veröffentlichte später jedoch eine Liste der Verdächtigen, darunter sind zehn Medaillengewinner. Auf der Liste steht unter anderen Anna Tschitscherowa, Hochsprung-Olympiasiegerin der Spiele 2012 in London. Tschitscherowa zählt zu den herausragenden Leichtathletinnen Russlands. Bei den Spielen in Peking hatte sie Bronze gewonnen. Seit 2007 kam sie bei jeder Weltmeisterschaft aufs Podest, 2011 holte sie WM-Gold.

Außerdem sollen zu den überführten russischen Sportlern auch 4x100-Meter-Staffelolympiasiegerin Julia Tschermoschanskaja und die spätere Speerwurf-Weltmeisterin Marija Abakumowa gehören, die in Peking Silber vor der Deutschen Christina Obergföll gewonnen hatte. Der russische Leichtathletik-Verband RUSAF erklärte, kein Sportler mit Dopingvergangenheit werde an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) teilnehmen.

Sörgel plädiert für "saftige Strafe"

Doping-Experte Fritz Sörgel. Foto: dpa-pa

Doping-Experte Fritz Sörgel

Der Ruf nach einem Ausschluss Russlands von den Spielen in Rio wird immer lauter. Laut Medienberichten befürwortet inzwischen auch eine Mehrheit der Mitglieder des IAAF-Councils, des höchsten Gremiums des Leichtathletik-Weltverbands IAAF, das Olympia-Aus für Russland. "Alles andere als eine saftige Strafe wie ein Ausschluss von den Spielen in Rio würde doch niemand mehr verstehen", sagte der deutsche Doping-Experte Fritz Sörgel. "Nur das würde zumindest kurzfristig Wirkung zeigen und anderen Ländern eine Warnung sein." Der russische Sportminister Witali Mutko sieht nach wie vor keinen Grund für einen Ausschluss seines Landes und drohte für diesen Fall mit Vergeltungsmaßnahmen: "Wenn das ganze Team in Rio suspendiert wird, kehren wir zu Zeiten der Boykotte zurück. Der Staat hat niemals Doping unterstützt."

Ergebnisse der Nachtests von London in dieser Woche

Gregori Rodschenkow, der ehemalige Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors, hatte gegenüber der New York Times davon gesprochen, dass während der Winterspiele 2014 in Sotschi Dopingproben russischer Sportler systematisch manipuliert worden seien. Dabei hätten auch Mitglieder des russischen Inlandsgeheimdienstes mitgewirkt. 15 der russischen Medaillengewinner von Sotschi, so Rodschenkow, seien gedopt gewesen. Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat eine Untersuchung eingeleitet, die bis zum 15. Juli abgeschlossen sein soll. Russland sicherte der WADA und dem IOC volle Kooperation zu, ein Olympia-Ausschluss aller Sportler sei aber nicht akzeptabel. Doch es könnte in Sachen Doping noch schlimmer für Russland kommen. Noch in dieser Woche sollen auch die Nachanalysen von 250 Dopingproben der Sommerspiele in London vorliegen.

sn/jhr (dpa, sid)

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