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Sport

Olympiasieger im Porträt: Frauen-Sprint-Team

Unerwartet goldig: In den olympischen Einzelrennen wurden Sie noch abgehängt, im Duett liefen sie völlig unverhofft zum Olympiasieg. Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad, zwei Vollblut-Langläuferinnen.

Nystad (l.) und Sachenbacher-Stehle (Foto: AP)

Gold-Duett: Nystad (l.) und Sachenbacher-Stehle

Einzeln liefen Sachenbacher-Stehle und Nystad in Whistler bislang hinterher, doch im Teamsprint zündeten beide plötzlich den Turbo, der sie zur Goldmedaille führte. Für beide war es die vorläufige Krönung von zwei steil verlaufenden Karrieren.

Evi Sachenbacher-Stehle:

Evi Sachenbacher-Stehle (Foto: dpa).

Schon früh an die Spitze: Sachenbacher-Stehle

Reit im Winkl ist ein bayerisches Örtchen, in dem fast jeder Einwohner Wintersport macht. Kein Wunder, dass auch Evi Sachenbacher-Stehle schon früh zum weißen Sport kam: Während die meisten anderen Kinder jedoch lieber alpin fuhren, zog Sachenbacher-Stehle die Loipe vor dem Haus vor. "Zum alpinen Skilauf fehlte mir der Mut", erzählte sie, "wenn es schneller wurde, habe ich Angst gekriegt, deshalb hat mir Langlaufen mehr Spaß gemacht". Nachdem Langlauf lange Zeit eher nur ein Hobby für sie war, kam mit dem Wechsel aufs Sportgymnasium Berchtesgaden die Karriere in Schwung: Seit 1996 gehörte Evi dem DSV-Team an, durchlief alle Kader. Im Winter 1999/2000 feierte Sachenbacher mit Bronze bei der Junioren-WM ihren ersten großen Erfolg. Schon damals entwickelte sich die neue Disziplin immer mehr zu ihrer Spezialität, was auch DSV-Koordinator Jochen Behle früh erkannte und Sachenbacher-Stehle behutsam aufbaute.

2001 gelang der erste Weltcupsieg

Evi Sachenbacher-Stehle weint (Foto: AP).

Auf die Doping-Vorwürfe folgten die Tränen

Der Knoten platzte endgültig für die nur 1,62 m große und 52 kg schwere Athletin zu Beginn der Saison 2001/02, als Sachenbacher-Stehle ihren ersten Weltcupsieg einfuhr. Was folgte war eine für deutsche Verhältnisse herausragende Langlauf-Karriere mit zwei Goldmedaillen (2002 und 2010) und zwei Silbermedaillen (2002 und 2006) sowie einem Weltmeistertitel (2003).

Die Sportsoldatin sorgte allerdings auch für negative Schlagzeilen: Bei den Winterspielen in Turin wurde kurz vor ihrem ersten Einsatz in der Doppelverfolgung ein erhöhter Hämoglobinwert gemessen. Es folgte eine fünftägige "Schutzsperre". Ein Protest, der auf eine entsprechende genetische Veranlagung der Athletin verwies, wurde abgewiesen. Es blieb ein nicht restlos ausgeräumter Blutdopingverdacht.

Claudia Nystad:

Sachenbacher-Stehle, Bauer, Nystad and und Böhler (v.l.) (Foto: AP).

Erfolg in der Staffel: Sachenbacher-Stehle, Bauer, Nystad and und Böhler

Unter ihrem Mädchennamen Künzel begann Claudia Nystad im zarten Alter von zwölf Jahren mit dem Sport auf den zwei schmalen Brettern. Besonders in der freien Technik blitzte ihr Talent früh auf. Sie gewann bei der Junioren-WM in St. Moritz 1998 und lief sich mit viel Ehrgeiz schnell in die nationale Spitze. Die 1978 im sächsischen Zschopau geborene Langläuferin trainierte viel und gerne mit den männlichen Kollegen – eine Praxis, die sie 2002 an die Weltspitze führte. Gemeinsam mit Sachenbacher-Stehle, Manuela Henkel und Viola Bauer holte Nystad völlig unerwartet die Goldmedaille in der 4 x 5-km-Staffel vor Norwegen.

Führungspersönlichkeit im deutschen Langlauf

Nur ein Jahr später stand Nystad bei den Weltmeisterschaften erneut ganz oben auf dem Treppchen und bewieß 2006 in Turin, dass sie auch im Einzel das Zeug zu großen Erfolgen hat: Sie wurde Olympia-Zweite im Sprint und entwickelte sich immer mehr zur Führungspersönlichkeit im deutschen Langlauf. Nystad, die nach dem Training zuhause im österreichischen Ramsau gerne zeichnet gilt als introvertierte und intellektuell und hat nebenbei ein Grafikstudium angefangen. Ihre Bilder wurden bereits in Ausstellungen gezeigt. Für eine Karriere nach der Karriere hat Nystad also schon gesorgt.

Autor: Joscha Weber

Redaktion: Arnulf Boettcher

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