1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

Olympiapfarrer am Start

Thomas Weber ist rund um die Uhr für Spitzenathleten, Betreuer und Trainer da. Bei seinen dritten Olympischen Spielen kennt der evangelische Pfarrer den enormen Druck, der auf den Teilnehmern lastet.

Olympische Ringe im Hafen von Vancouver (Foto: AP Photo/Gerry Broome)

Nach Turin und Peking sind es diesmal bereits seine dritten olympischen Spiele. Aber auch in Vancouver wird Thomas Weber nicht auf Medaillenjagd gehen. Er ist in einer ganz besonderen Mission unterwegs. Als Olympiapfarrer der Evangelischen Kirche in Deutschland kümmert er sich um die Seelsorge der deutschen Mannschaft. Unaufdringlich. Aber als Ansprechpartner steht er quasi rund um die Uhr zur Verfügung, wenn er gebraucht wird. Und vor bedeutenden Wettkämpfen stehen Hochleistungssportler unter enormer Anspannung.

Außenstehende, ist sich Pfarrer Weber sicher, können sich gar nicht vorstellen, wie viel Druck im Leistungssport herrsche. Druck, der nicht nur auf den Athleten lastet, sondern ebenso auf Trainern und Betreuern. Nach seinen Erfahrungen stellt er nüchtern fest: "Man muss sagen, dass das ein gnadenloses System ist. Da zählen die guten Platzierungen, da zählen die Medaillenränge."

Es geht um mehr als nur Medaillen

Olympia-Pfarrer Thomas Weber vor Bergkulisse (Foto: EKD, Evangelische Kirche in Deutschland)

Thomas Weber

Aus der direkt erlebten Nähe zu den Sportlern hat der evangelische Pfarrer aus dem nordrhein-westfälischen Gevelsberg erfahren, dass es bei Olympischen Spielen letztlich um mehr als nur Medaillen geht. Und zwar um menschliche Existenzen, die vom sportlichen Erfolg abhängen. So bangten nach Niederlagen Trainer ebenso um ihren Arbeitsplatz wie Betreuer. Selbst die Olympiastützpunkte in der Heimat bekämen bei der Förderung finanziell zu spüren, wenn die Sportler nicht die erhofften Leistungen erfüllt hätten.

Gespräche über Gott und die Welt

Der 50-jährige Olympiapfarrer, der früher als Handballer selbst Leistungssport betrieben hat, vermag sich in die angespannte Situation der Athleten zu versetzen. Insofern weiß er aus Erfahrung, dass er nicht gleich mit der Tür sozusagen ins Haus fallen kann. "Direkt vor einem Wettkampf vermeide ich es zum Beispiel, die Athleten anzusprechen, weil sie sehr auf sich bezogen sind. Das sind zwei verschiedene Persönlichkeiten, - der Mensch vor dem Wettkampf und der Mensch nachher. Das sind oft derart verschiedene Seiten, die man kennen lernt, dass man kaum glauben mag, dass es sich um ein und denselben Menschen handelt."

Seine Aufgabe sieht er vornehmlich darin, für die Mitglieder des Olympiateams stets ein offenes Ohr zu haben. Egal wo, denn vieles ergebe sich aus den alltäglichen Begegnungen. Zum Beispiel im Olympischen Dorf, auf den gemeinsamen Fahrten zu den Wettkampfstätten und natürlich beim gemeinsamen Essen. Vor allem da finden sich Gelegenheiten, über Gott und die Welt zu reden und ein Vertrauensverhältnis aufzubauen.

Da sein, wenn man gebraucht wird

Medaillen in Gold, Silber, Bronce (Foto: AP Photo)

Ziel aller Atlethenträume

Keine Frage: Spitzensportler wollen ihren Wettkampf gewinnen. Allerdings hat ihn noch nie bei den letzten Olympischen Spielen ein Sportler aufgesucht, um vor einem Finale für den Sieg zu beten. Und an Top-Athleten, die in stiller Andacht eine Kerze entzündet hätten, kann er sich auch nicht erinnern. Aber Gottvertrauen, merkt er lakonisch an, brauche natürlich jeder Mensch. Im Rahmen seiner sportlich-seelsorgerischen Tätigkeit habe er mittlerweile etliche Athleten, Trainer, Betreuer, Serviceleute und Delegationsmitglieder mit einem tiefen christlichen Glauben kennen gelernt. Das mit dem Gottvertrauen sei so wie in jeder Kirchengemeinde, nur dass diese Olympia-Gemeinde bunt zusammen gewürfelt sei.

Für Verlierer ist das Motto "Dabei sein ist alles" jedoch kein Trost. Gerde in Situationen von Niederlagen ist Thomas Weber für die Athleten da. "Das setzt auch Menschenkenntnis voraus, sich in die Lage des Verlierers hineinversetzen zu können, wenn sein Teamkollege nun eine Medaille gewonnen hat und sich die Medien auf ihn stürzen, während er allein in der Ecke sitzt." Das sei für viele Sportler so mit der dunkelste Punkt bei solch wichtigenen Wettkämpfen. "Und da vielleicht jemanden aufzuspüren, in diesem Schattendasein, das gehört dann auch dazu."

Aber gerade aus Niederlagen, haben ihm Sportler oftmals gestanden, hätten sie später mehr Kraft für ihr Leben geschöpft, als aus Triumphen.

Autor: Klaus Deuse

Redaktionn: Klaus Krämer