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Wirtschaft

Olympia-Sponsoren in der Klemme

Audi hat wegen des Streits um den olympischen Fackellauf in Tibet eine Werbeaktion am Mount Everest abgesagt. Der Autohersteller ist der einzige Sponsor, der die Flamme auf den höchsten Berg der Erde führen soll.

Audi, Hersteller aus dem VW-Konzern - dpa

Audi, Hersteller aus dem VW-Konzern, wird kein Team auf den Mount Everest schicken

Die Audi-Manager haben an alles gedacht, nur nicht an den Aufstand in Tibet, durch den der Olympische Fackellauf in London und Paris zu einem Spießrutenlauf geworden ist. In San Francisco wurde die Strecke kurzfristig geändert, so dass das Olympische Feuer durch menschenleere Straßen getragen wurde. Das waren nicht die Bilder, die sich die chinesische Regierung, das Internationale Olympische Komitee und die Sponsoren aus der Wirtschaft erhofft hatten.

Für die Sponsoren ist die Wirkung ihres Engagements in jeder Beziehung kontraproduktiv. Ziehen Adidas, Coca Cola, Samsung, McDonalds und Volkswagen ihr Sponsoring durch, droht ein Imageschaden in der Heimat. Blasen sie ihre publikumswirksamen Auftritte kurzerhand ab, bekommen sie Ärger in China, wo die meisten von ihnen mit umfangreichen Investitionen vertreten sind.

Projektionsfläche von unschätzbarem Wert

Dabei ist eines zutreffend: Die Olympischen Spiele erregen wie kein anderes Ereignis weltweit Aufmerksamkeit – und das mit einer positiven Botschaft von Jugend, Sport und Frieden. Dadurch sind die Spiele das ideale Umfeld für die Präsentation von Unternehmen und Produkten, was sich das Organisationskomitee teuer bezahlen lässt. Aber die Investition lohnt.

Weltweit wurde über die letzten Spiele in Athen 35.000 Stunden im Fernsehen berichtet. Für Unternehmen ist das eine Projektionsfläche von unschätzbarem Wert. Deswegen stellt der Volkswagen-Konzern als exklusiver Auto-Partner dem Organisationskomitee für die Olympischen Spiele in Peking 6000 Autos zur Verfügung.

Proteste gegen den Fackellauf wie hier in San Francisco - AP

Problematisch für Sponsoren: Proteste gegen den Fackellauf wie hier in San Francisco

Audi wollte schon im Vorfeld der Spiele glänzen und beim Fackellauf in Tibet seinen neuen Geländewagen am Mount Everest präsentieren. Eine Feier zur Begrüßung des Olympischen Feuers im Basislager der Bergsteiger in 5500 Meter Höhe war ebenso geplant wie eine Veranstaltung in der tibetischen Hauptstadt Lhasa. Das wirkt natürlich nur, wenn die Weltpresse zugegen ist und darüber berichtet. Da jedoch Tibet nach den Unruhen für ausländische Journalisten gesperrt worden ist, machen die Veranstaltungen für Audi keinen Sinn mehr.

Audi hält an Werbung in Peking fest

Doch auf dem Olympia-Gelände in Peking wird der Volkswagen-Konzern nicht nur mit dem Fahrdienst für die Sportler und Funktionäre aus mehr als 200 Nationen vertreten sein, sondern auch mit einem 2000 Quadratmeter großen Pavillon, in dem die Konzernmarken VW, Audi und Skoda präsentiert werden. VW ist nämlich nicht nur der größte europäische Autokonzern, sondern auch der führende chinesische Autohersteller.

Der Vorstandsvorsitzende der BASF, Jürgen Hambrecht - dpa

BASF-Vorstandsvorsitzender Jürgen Hambrecht sieht China auf gutem Weg

Die deutsche BASF, der weltgrößte Chemiekonzern, ist ebenfalls einer der ganz großen Investoren in China. Vorstandschef Jürgen Hambrecht hat selbst viele Jahre in China gelebt. Er setzt auf den wirtschaftlichen Wandel. "Wer nach China kommt, sieht den Wandel physisch, direkt und unmittelbar", sagt er. Man müsse anerkennen, wie sich China verändert habe, der Wohlstand entstanden sei und die Bürger mit ihrem persönlichen Einkommen mehr Rechte bekämen. "Dann muss ich sagen, ist eben Handel mit Wandel doch ein richtiger Weg."

BASF-Chef: China ist auf dem richtigen Weg

In den großen Industriewerken europäischer Unternehmen in China haben die Beschäftigten mehr Mitspracherechte, Gesundheitsschutz und höhere Einkommen als in rein chinesischen Betrieben. Hambrecht ist sich sicher, dass das den Wandel der chinesischen Gesellschaft begünstigt. Das gelte auch für die Menschenrechte, sagt er. Man müsse sehen, wie viele Chinesen mittlerweile in Arbeit seien und wie mehr Wohlstand auch zu mehr Rechten führe. "Dann muss ich sagen, dass China – übrigens sagt das auch Amnesty International – auf dem richtigen Weg ist."

Die deutsche Wirtschaft hat sich stark in China engagiert. Im vergangenen Jahr haben deutsche Unternehmen Waren im Wert von 30 Milliarden Euro nach China ausgeführt und von dort Waren im Wert von knapp 55 Milliarden Euro bezogen. Mehr als 3000 deutsche Unternehmen haben in China investiert – von Autofabriken über Chemieanlagen bis hin zu Handelsniederlassungen. Deutsche Fabriken haben erheblichen Anteil am chinesischen Export.

Audi-Chef Rupert Stadtler bezeichnet China als den "zweiten Heimatmarkt". Im vergangenen Jahr hat Audi in China mehr als 100.000 Autos gebaut, 25 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Der Volkswagen-Konzern insgesamt hat voriges Jahr in China 910.000 Autos gebaut und verkauft; in diesem Jahr sollen es mehr als eine Million sein. Das heißt: Der VW-Konzern verkauft in China mehr Autos als in Deutschland.

Chinesische Sicherheitskräfte mit Adidas-Streifen

Was für VW gilt, das gilt in ähnlicher Weise für fast alle großen deutschen Unternehmen. Sie alle haben massiv in China investiert. Und viele von ihnen wollen die Olympischen Spiele nutzen, um in China und darüber hinaus in der ganzen Welt Präsenz zu zeigen. Der Sportartikelhersteller Adidas stattet traditionell – und deswegen auch in Peking – Tausende von Helfern bei den Wettkämpfen mit Sportkleidung aus. Fatal war, dass auch die chinesischen Sicherheitskräfte, die in London und Paris die Fackel begleiteten, bei ihrem Gerangel mit Demonstranten in Trainingsanzügen mit den drei Adidas-Streifen weltweit im Fernsehen zu sehen waren.

Mögen Staats- und Regierungschefs aus Europa die Eröffnung der Olympischen Spiele meiden - VW-Chef Martin Winterkorn wird ebenso zugegen sein wie Adidas-Chef Herbert Hainer, Siemens-Chef Peter Löscher und BASF-Chef Jürgen Hambrecht. Würden die Sponsoren sich zurückziehen, würde das von China als Affront gewertet werden und eine große Chance für ihre Imagepflege vergeben. Wird aber das Sponsoring bei den Olympischen Spielen außerhalb Chinas als Kotau vor der kommunistischen Diktatur verstanden, ist der Schaden ebenfalls groß.

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