Olympia-Helden in Deutschland gelandet | Sport | DW | 26.02.2018
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Olympische Winterspiele

Olympia-Helden in Deutschland gelandet

Die deutschen Olympia-Starter haben wieder heimischen Boden unter den Füßen. Bei den Verantwortlichen lösen ihre Erfolge Aufbruchstimmung aus. Sogar eine neuerliche Olympiabewerbung scheint möglich.

Deutschland Deutsches Olympia-Team in Frankfurt gelandet (picture alliance/dpa/A. Dedert)

Die Eishockey-Spieler hatten mit Silber für die größte Überraschung der Winterspiele gesorgt

Um 16.41 Uhr setzte die Lufthansa-Maschine LH 713 am Flughafen in Frankfurt auf und brachte rund 85 der insgesamt 154 deutschen Athleten aus Südkorea nach Hause. Der Flieger war nach dem Ende der Olympischen Winterspiele von Pyeongchang am frühen Montagmorgen deutscher Zeit in Südkoreas Hauptstadt Seoul gestartet. Unter den Passagieren, die nach der Landung zu einer großen Willkommensfeier im Flughafen erwartet wurden, befanden sich unter anderem das Eiskunstlauf-Traumpaar Aljona Savchenko und Bruno Massot (Gold im Paarlauf), Kombinations-Ass Eric Frenzel (zweimal Gold und einmal Bronze) und einige Eishockey-Silbermedaillengewinner um Kapitän Marcel Goc.

Nach der Landung badeten die Stars im Blitzlichtgewitter. 80 Journalisten waren akkreditiert, 37 davon alleine auf dem Rollfeld, wo Präsident Alfons Hörmann vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Fecht-Olympiasiegerin Britta Heidemann die Athleten empfingen. "Dass jetzt noch so ein Empfang stattfindet und alles, das ist schon mehr, als man vorher gedacht hatte", sagte Bob-Olympiasiegerin Mariama Jamanka.

Deutschland Deutsches Olympia-Team in Frankfurt gelandet (picture alliance/dpa/A. Dedert)

Das deutsche Olympia-Team zurück auf heimischem Boden

Auf dem Flug selbst war zunächst Erholung angesagt - die zwei Wochen Olympia-Marathon forderten ihren Tribut. "Es war ein sehr schöner Flug. Zunächst ein bisschen ruhig, alle hatten noch ein bisschen mit den Feierlichkeiten von gestern zu tun", sagte Frenzel. Damit spielte er vor allem auf die partywütigen Eishockey-Spieler nach deren Silber-Coup an. 
 Nachdem die Kufen-Cracks am Sonntag zwar das Finale gegen die Olympischen Athleten aus Russland mit 3:4 nach Verlängerung verloren hatte, war dennoch die sensationelle Endspielteilnahme lange und feucht-fröhlich im Deutschen Haus gefeiert worden. Entsprechend müde waren alle Beteiligten auf dem 10:45 Stunden langen Flug. "Die erste Hälfte haben wir, glaube ich, alle verpasst", sagte Goc.
 Doch etwas gefeiert wurde im Flieger nach ausreichender Ruhepause aber auch. Abwechselnd enterten mehrere Athleten das Cockpit und gesellten sich zu Flugkapitän Rolf Rehm.

Beeindruckende Bilanz

Pyeongchang 2018 - Rodeln, Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes und Thomas de Maiziere (picture-alliance/dpa/D.Karmann)

Zufrieden: Alfons Hörmann (l.) und Thomas de Maizière (r.)

Die Spiele von Pyeongchang waren aus deutscher Sicht ein großer sportlicher Erfolg: Nach der Pleite von Sotschi vor vier Jahren stieg Deutschland in Südkorea zur zweitbesten Wintersportnation hinter Norwegen auf: 31 Medaillen - 14 Mal Gold, zehn Silber- und sieben Bronzemedaillen - bedeuten die beste Winter-Olympia-Bilanz seit der Wiedervereinigung. "Das Team Deutschland hat aus den Spielen ein sportliches Spektakel gemacht", bilanzierte Chef de Mission Dirk Schimmelpfennig am Schlusstag der Spiele. "Wir sind stolz auf diese besondere Gesamtleistung", kommentierte Alfons Hörmann, eine Bilanz zum Genießen. Das zuvor ausgegebene Ziel von 19 Medaillen plus X wurde übererfüllt. "Es ist ein relativ großes X geworden", freute sich Schimmelpfennig. Bundesinnenminister Thomas de Maizière gratulierte "einem großartigen deutschen Team zu einem grandiosen Erfolg und Platz zwei im Medaillenspiegel".

Deutschland Deutsches Olympia-Team in Frankfurt gelandet (picture alliance/dpa/A. Dedert)

Zwei Goldene und eine Bronzmedaille: der nordische Kombinierer Eric Frenzel nach der Ankunft

Für die Sportler lohnt sich der Erfolg auch finanziell: Mit insgesamt 750.000 Euro schüttet die Sporthilfe eine Rekordprämie aus. Für Gold gibt es 20.000, für Silber 15.000 und für Bronze 10.000 Euro. Zu den 31 Medaillen kamen über 40 Endkampf-Platzierungen. Hier lautet die Aufteilung: für Platz vier 5000, Platz fünf 4000, Platz sechs 3000, Platz sieben 2000 und Platz acht 1500 Euro. "Wir freuen uns sehr, die herausragenden Erfolge der deutschen Olympia-Athleten mit über 750.000 Euro honorieren zu dürfen, da dieser Betrag das äußerst erfolgreiche Abschneiden der von der Deutschen Sporthilfe geförderten Athleten widerspiegelt", sagte Sporthilfe-Chef Michael Ilgner.

Erfolgreiche Eiskanal-Fahrer, bewegende Momente

Die Deutschen, die sich den Luxus von vier rund um das Jahr betriebenen Kunsteisbahnen leisten, räumten erwartungsgemäß im Bobfahren und Rodeln ab. Auch die Erfolge in der Nordischen Kombination, in der Eric Frenzel, Johannes Rydzek und Co. seit Jahren zur absoluten Weltspitze gehören, kamen nicht ganz überraschend. Gleiches gilt für die Erfolge der Biathletin Laura Dahlmeier. Unerwartet waren dagegen die Erfolge der Biathlon-Herren, sowie die beiden Medaillen des Skispringers Andreas Wellinger. Für die größte Überraschung sorgte die Eishockey-Auswahl um Christian Ehrhoff, der nach dem Endspiel gegen die Russen als Fahnenträger bei der Abschlussfeier das letzte Kapitel der "Mega-Story", wie er es nannte, schrieb.

Südkorea Pyeongchang - Aljona Savchenko und Bruno Massot gewinnen Gold für Deutschland (picture alliance/AP Photo/J. Jacobson)

Mit ihrer Kür berührten Aljona Savchenko und Bruno Massot die Herzen vieler Zuschauer weltweit

Bewegendster Moment - nicht nur für deutsche Olympiafans – war wohl die Paarlauf-Kür von Aljona Savchenko und Bruno Massot. "Das sind drei einzigartige Erfolge. Sie mögen symbolisch dafür stehen, wie schön und wie wertvoll solche Momente sind, bei denen man spürt, dass es sich lohnt, was man macht", sagte Verbandschef Hörmann, der ebenfalls rundum zufrieden über das Erreichte in Südkorea war. Getrübt wird die Bilanz lediglich dadurch, dass es in traditionellen Sportarten wie Alpin-Ski, Skilanglauf und Eisschnelllauf kein Edelmetall für deutsche Sportler gar.

Neue deutsche Olympiabewerbung?

Im DOSB wächst nun, angestachelt durch den sportlichen Erfolg, nun wieder der Wunsch, mit einer eigenen Olympiabewerbung durchzustarten. "Wir werden versuchen, Schritt für Schritt bis zum Jahr 2025 die Dinge vorzubereiten, weil dann die Entscheidung für 2032 fortfolgend fällt", sagte Hörmann am Sonntag im ZDF. "Ich bin relativ zuversichtlich, dass nicht im kommenden Jahrzehnt, aber im dann folgenden, also zwischen 2030 und 2040, der Zeitpunkt gekommen sein kann - ich sage sogar, gekommen sein muss - an dem man, ob mit Winter oder Sommer, wo auch immer, nochmals einen Anlauf nimmt", sagte Hörmann.

Die letzten Bemühungen um Spiele in Deutschland scheiterten krachend: Bei Bürgerbefragungen in Hamburg (für Sommer 2024) und München (für Winter 2022) fielen die Olympia-Befürworter durch. Während Hörmann das Gefühl hat, der olympische Funke sei von Südkorea wieder nach Deutschland übergesprungen, bleibt ein anderer, der die Pleiten von München und Hamburg hautnah mitbekommen hat, skeptischer. Neue Vorstöße seien zum Scheitern verurteilt, solange das IOC keinen Weg aus der Glaubwürdigkeitskrise gefunden habe, sagte Thomas de Maiziere. "Sie werden nie die Chance haben, den Steuerzahler davon zu überzeugen, sich für eine Sportveranstaltung zu bewerben, wenn die internationalen Verbände nicht glaubwürdig sind", sagte er.

asz/uh (sid, dpa)

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