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Sport

Oleg Blochin: Unsere Stärke ist der Teamgeist

Die ukrainische Mannschaft hofft auf einen erfolgreichen Auftritt bei der WM, auch wenn Stürmerstar Andrej Schewtschenko mal nicht gut drauf ist. DW-WORLD.DE hat mit Nationaltrainer Oleg Blochin gesprochen.

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Minimal-Ziel Achtelfinale: der ukrainische Nationaltrainer Oleg Blochin gibt die Richtung vor

DW-WORLD.DE: Die Ukraine hat es zum ersten Mal in die WM-Endrunde geschafft. Was war der Schlüssel zum Erfolg?

Oleg Blochin: Entscheidend waren unsere Zielstrebigkeit und Zuversicht. Ganz am Anfang der Vorrunde hatte keiner geglaubt, dass wir uns durchsetzen können. Und zwar gegen solch starke Mannschaften wie den Europameister Griechenland, sowie Dänemark und die Türkei. Trotzdem gelingt es mir, meine Jungs zu überzeugen, dass wir jeder Herausforderung gewachsen sind.

Spürt man in der Ukraine bereits das WM-Fieber?

Das WM-Fieber in der Ukraine spürt man, wie überall in der Welt, schon seit einem halben Jahr. Vor allem merkt man es an der wachsenden Zahl der Journalisten, die mich oder die Nationalspieler um ein Interview bitten. Allerdings konnte man sich erst komplett auf das Thema WM konzentrieren, nachdem die ukrainische Landmeisterschaft zu Ende war - nach dem 14. Mai. Dadurch hat die Nationalmannschaft eine Vorbereitungswoche verloren. Diese Woche hätten wir sehr gebraucht, damit sich einige Spieler vollwertig hätten erholen und eher mit dem WM-Training beginnen können.

Wie ist die Atmosphäre innerhalb der Mannschaft? Kann die Aufregung schaden?

WM-Länderporträt Ukraine - Andrej Schewtschenko

Torjäger Andrej Schewtschenko (Mitte) bei seiner Lieblingsbeschäftigung: dem Torjubel

Wir sind bereit, gute Arbeit zu leisten, wir verstehen, wie wichtig die bevorstehende Weltmeisterschaft für das Image unseres Landes sowie jedes einzelnen Spielers ist. Ich sehe schon, dass unsere Fußballer leicht aufgeregt sind, aber wichtig ist, dass wir sehr gut zusammenhalten. Die Aufregung darf unserer Leistung nicht schaden. Aufregung ist ein normaler Zustand vor jedem Spiel für jeden Spieler. Wenn der Spieler keine Aufregung mehr verspürt, bedeutet das, er hat schon alles erreicht und kann seine Karriere beenden.

Welches Spiel in der Vorrunde halten Sie für entscheidend?

Das Spiel gegen Spanien wird wichtig sein, weil es das erste Spiel ist. Es wird die weitere Lage in unserer Gruppe stark beeinflussen. Aber die zwei weiteren Partien sind genauso wichtig, deshalb werden wir in jedem Spiel maximale Leistung bringen. In einer Weltmeisterschaft gibt es keine "Durchgangsspiele" und keine schwachen Gegner.

Wer ist der gefährlichste Gegner in Gruppe H? Und warum?

Die spanische Mannschaft gehört zu den Favoriten dieses Turniers, deshalb bereiten wir uns auf dieses Spiel besonders gründlich vor. Jedoch halte ich eine andere Mannschaft für den gefährlichsten Gegner, und zwar die tunesische. Afrikanische Mannschaften sind dafür bekannt, dass sie immer wieder überraschen. Ich denke, eine Mannschaft, die von Roger Lemerre trainiert wird, ist zu Überraschungen während der WM 2006 fähig.

Ist seitens Saudi-Arabiens auch mit ernst zu nehmender Konkurrenz zu rechnen?

Saudi-Arabien hatte mehr Zeit zur Vorbereitung, und das spielt eine große Rolle. Ich glaube, auch diese Mannschaft ist ernst zu nehmen, sie wird sich auf keinen Fall zu einem "Prügelknaben" machen lassen.

Was ist die Hauptstärke der ukrainischen Mannschaft?

Das Wichtigste ist unser Teamgeist.

Was sind die Schwächen?

Das sind Personalprobleme sowie Verletzungen, die uns die ganze Vorbereitungszeit verfolgt haben. Bis jetzt haben wir keine Testspiele in der von mir gewünschten Besetzung geführt. Andrej Schewtschenko, Sergej Rebrow sowie Oleg Gusew haben bis jetzt nur getrennt von der restlichen Mannschaft trainiert. Unser wichtigster Mann in der Abwehr, Sergej Fjodorow, wird wegen einer Verletzung nicht dabei sein können. Vier weitere Spieler mussten bis zum 4. Juni an der Junioren-Europameisterschaft in Portugal teilnehmen und sind deshalb sehr erschöpft. Auf sie kann ich mich nicht 100-prozentig verlassen.

Welche Mannschaften haben die größten Chancen, ins Finale zu kommen?

Brasilien, Italien und Deutschland. Deutschland spielt zu Hause. Wie man bei uns sagt: zu Hause helfen sogar die Wände. Es kann außerdem sein, dass die Schiedsrichter den Deutschen gegenüber etwas geneigter sein werden.

Viele Experten machen den Auftritt der ukrainischen Mannschaft davon abhängig, ob Andrej Schewtschenko fit sein wird. Ist er die einzelne Schlüsselfigur in der Mannschaft?

Schewtschenko führt die Mannschaft, das stimmt. Aber wir werden gut aufgestellt sein, unabhängig davon, ob er nach seiner letzten Verletzung wieder fit wird oder nicht, ob er gut drauf ist oder nicht. Unsere Auftritte sind nicht ausschließlich auf seiner führenden Rolle aufgebaut, obwohl sein Talent, seine Ausstrahlung für uns sehr wichtig ist - und für unsere Gegner sehr unangenehm.

Welche Ziele hat sich die ukrainische Mannschaft bei der WM gesteckt?

Unser erstes Ziel ist es, das Achtelfinale zu erreichen. Wenn wir das schaffen, werden wir für uns weitere Ziele bestimmen.

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