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Gesichter des Klimawandels

Olafur Eliasson, Künstler, Island und Minik Thorleif Rosing, Geologieprofessor, Grönland

"Es ist frustrierend zu sehen, dass die Staatschefs keine gemeinsame Linie finden."

12 riesige Eisblöcke liegen mitten in Paris. Sie glitzern in der Sonne und schmelzen vor sich hin, kleine Rinnsale laufen am Boden entlang. Es ist ein milder Dezember in Paris – und auch in Grönland, wo die Eisblöcke herkommen. Dort schmilzt das Eis immer schneller – im Sommer inzwischen mit einer Geschwindigkeit von 10.000 Tonnen pro Sekunde. Weil das eine ziemlich unvorstellbare Zahl ist, beschlossen der Künstler Olafur Eliasson und der Professor Minik Thorleif Rosing, Eisblöcke hier in Paris aufzustellen. Der schwerste davon wiegt 10 Tonnen.

Paris Klimakonferenz COP 21 Kunstwerk ''Ice Watch''

12 riesige Eisblöcke bilden das Kunstwerk "Ice Watch"

Das Eis fischten sie im Nuup Kangerlua Fjord in der Nähe von Grönlands Hauptstadt Nuuk aus dem Wasser, transportieren es dann auf einem Boot nach Dänemark und von wiederum mit Kühlwagen nach Paris. Die zwölf schrumpfenden Riesen sind ein stummer Schrei nach Hilfe, nach wirklicher Klimarettung, die nicht nur auf dem Papier steht, sondern ausgeführt wird.

Aber wie viel kann Kunst überhaupt erreichen? Der isländisch-dänische Künstler Olafur Eliasson meint: viel! Eliasson, der dafür berühmt geworden ist, mit natürlichen Elementen - hauptsächlich Licht, Wasser und Lufttemperatur - zu arbeiten, meint: "Kunst und Kultur sprechen auf eine Weise zu den Menschen, die weiter reicht als Politiker und Medien." Er zeigt auf die zwölf Eisblöcke, die in ihrer kreisförmigen Anordnung ein wenig an eine gefrorene Version von Stonehenge erinnern: "Das Projekt thematisiert natürlich den Klimawandel. Aber es geht hier auch um öffentlichen Raum, die Zivilgesellschaft und darum, wie wir durch Kultur zu einer Einheit finden können."

Der grönländische Geologieprofessor Minik Thorleif Rosing fügt hinzu: "Sowohl Kunst als auch Wissenschaft versuchen, uns unsere Rolle in der Welt zur erklären, aber Kunst hat eine besondere Qualität, indem sie Leute dazu bringen kann, etwas tun zu wollen. Und die Wissenschaft kann dich dann dazu bringen, es zu realisieren."

Nun sei es an der Zeit, dass Kunst und Wissenschaft zusammenarbeiten, meint Rosing. Und nicht nur die verschiedenen Disziplinen, sondern auch die Menschen selbst sollten die Gemeinsamkeiten sehen: "Die Menschen merken gar nicht, dass ihre eigenen Interessen auch die allgemeinen Interessen sind. Also müssen wir gemeinsam entscheiden, wohin wir mit diesem Planeten gehen wollen und das dann in die Wege leiten."

Bis zum Ende des Klimagipfels werden sie sich vollständig aufgelöst haben. Doch in Grönland sind es 1000 dieser Blöcke, jede Sekunde.