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Fußball

Olaf Thon: "Spanien wird stärker"

Die WM geht ins Viertelfinale. Olaf Thon, der WM-Experte der Deutschen Welle, zieht Bilanz nach dem Achtelfinale, freut sich über das gestiegene spielerische Niveau und fordert technische Hilfe für die Schiedsrichter.

Der ehemalige Nationalspieler und jetzige DW-WM-Experte Olaf Thon (Foto: Olaf Thon)

DW-WORLD.DE: Olaf Thon, das Viertelfinale ist komplett. Paraguay, Spanien, Uruguay, Ghana, Argentinien, Deutschland, Brasilien und die Niederlande haben die Runde der letzten Acht erreicht. Sind denn das auch wirklich die acht besten Mannschaften der Welt?

Olaf Thon: Ja, auf jeden Fall. Erst einmal, weil sie sich in den Gruppen durchgesetzt haben. Die einen ein bisschen einfacher, die anderen ein bisschen schwerer, aber man sieht doch, wenn man zum Beispiel Spanien betrachtet, dass sie immer stärker werden. Von daher muss ich sagen, das sind schon die besten acht Nationen, die jetzt im Viertelfinale stehen.

Gab es irgendein Team, das im Achtelfinale in ihren Augen überrascht hat – positiv oder negativ?

David Villa trifft gegen Portugal (Foto: AP)

David Villa trifft gegen Portugal

Auf jeden Fall die Spanier, die hervorragend gegen Portugal gespielt haben. Das Spiel immer bestimmt haben mit ihrem "Tiki-taka-Mittelfeldspiel". Mit diesem Kurzpass-Spiel und mit diesen tollen Weitschüssen von Villa und dem schönen Tor, auch wenn es aus leicht abseitsverdächtiger Position erzielt wurde. Aber auch die Brasilianer haben mich überzeugt und natürlich die Niederländer und Gott sei Dank können wir auf die Niederländer erst im Finale treffen.

Es fällt auf, dass vier von fünf südamerikanischen Mannschaften weiter gekommen sind. Nur Chile ist ausgeschieden, weil es im Achtelfinale gegen Brasilien ging. Das war 2006 noch genau anders herum. Da waren es sechs Europäer und zwei Südamerikaner. Warum hat sich das Verhältnis so gedreht?

Ja, auf den ersten Blick war ich auch überrascht, bei längerem Nachdenken aber kann man zu dem Schluss kommen, dass die Südamerikaner vielleicht eine bessere, eine ruhigere Vorbereitung hatten. Nicht mit den vielen Spielen in der Champions League und vielleicht hat man auch das Training ein bisschen besser gedrosselt. Woran es ganz genau liegt, ist schwer zu sagen. Vielleicht ist es auch einfach nur Zufall.

In der Vorrunde hat man viel über das spielerische Niveau gemeckert und gemosert und gesagt, es sei eher schlecht mit einigen Ausreißern nach oben. Fanden sie das Niveau im Achtelfinale jetzt besser?

Also, das Niveau verbessert sich natürlich, je mehr gute Mannschaften gegeneinander antreten. Aber auch die Taktik kommt immer mehr zum Zuge. Das hat man auch beim Spiel der Spanier gegen die Portugiesen gesehen, dass viel taktiert wird. Auch bei dem Spiel der Brasilianer gegen Chile, als es dann entschieden war. Das ist dann immer ein Abtasten. Aber die Spiele werden immer besser auch wenn es ARD-Fernsehexperte Günter Netzer manchmal ein bisschen anders sieht.

Dann sprechen wir mal über die Schiedsrichterleistungen. Ein klares Abseitstor der Argentinier gegen Mexiko, ein zweites Wembley-Tor in der Partie England gegen Deutschland. Warum machen die Schiedsrichter ausgerechnet bei der WM so viele Spiel entscheidende Fehler?

Nicht gegebenes Tor der Engländer gegen Deutschland (Foto: AP)

Jeder hat's gesehen, nur die Schiedsrichter nicht - brauchen die Unparteiischen technische Hilfe?

Ja, ich frage mich auch, warum der Linienrichter dieses Tor der Engländer nicht gesehen hat. Denn für alle war ganz klar ersichtlich, vom Gefühl allein schon, dass dieser Ball hinter der Torlinie war. Das hätte man einfach sehen müssen. Ich bin auch der Überzeugung, dass bei so Spiel entscheidenden Dingen der vierte Schiedsrichter, der mit einem Monitor ausgestattet ist, vernünftig eingreifen kann. Es gibt diese technischen Möglichkeiten, der vierte Unparteiische ist über ein Headset mit dem Hauptschiedsrichter verbunden und kann sich die Szene innerhalb von 10 bis 20 Sekunden anschauen und dann auf Tor oder nicht Tor entscheiden. Genauso wie bei der Abseitssituation der Argentinier. Auf der anderen Seite: Wo macht man eine Grenze, muss man sich natürlich fragen und das ist nicht ganz so einfach. Deswegen ist meiner Meinung nach erst einmal ein Chip im Ball, der anzeigt wann der Ball hinter der Linie ist, der erste und der richtige Schritt in die richtige Richtung.

Nun sagt die FIFA ja immer, man wolle, dass alle Mitgliedsverbände die gleichen Möglichkeiten und die gleichen Bedingungen haben und dass die Technik eben für kleinere Verbände zu teuer sei. Was sagen sie dazu?

Das ist ein Argument, aber das Argument zieht nicht, denn wenn man beim größten Turnier der Welt ist, dann zählen solche Randerscheinungen nicht. Jeder muss sich auch diesen Gegebenheiten beugen und es kann nicht so sein, dass man mit solchen gravierenden Fehlentscheidungen leben muss.

Das heißt, die kleineren Verbände, sollen im Zweifelsfall Torrichter einsetzen, aber bei Champions League und WM dann nimmt man die Technik?

Ja, aber es gibt noch andere Möglichkeiten. Die FIFA kann die jeweiligen Länder mit Zuschüssen unterstützen und das haben sie jetzt in Südafrika auch getan, denn die FIFA ist durch den Fußball und die großen und die kleinen Verbände sehr reich geworden. Also, müssen sie sich auch beteiligen und die kleineren Verbände zur Not unterstützen.

Die Fragen stellte Andreas Ziemons
Redaktion: Tobias Oelmaier

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