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Fußball

Olaf Thon: Die Offensive stärken

Der WM-Experte der Deutschen Welle, Olaf Thon, fordert für das Achtelfinalspiel der Deutschen gegen England eine stärkere Offensive. Sein Tipp: 2:1 nach Verlängerung.

WM-Experte Olaf Thon (Foto: Olaf Thon)

DW-WORLD.DE: Olaf Thon, die Gruppenspiele der WM sind vorbei und in den Playoffs fehlen zwei große Namen: Weltmeister Italien und Vizeweltmeister Frankreich. Was ist da schiefgelaufen?

Olaf Thon: Das hat man erahnen können. Beide haben sich schon in der Qualifikation sehr schwer getan. Wenn ich an die Franzosen denke, die nur durch dieses Handspiel von Henry (Anm.: in der Nachspielzeit des entscheidenden Qualifikations-Playoff-Spiels gegen Irland) weiterkamen, ist das auch die gerechte Strafe. Und man hat es wohl verpasst, sich im richtigen Moment vom Trainer zu trennen. Das sind Fehler, die bei einer Weltmeisterschaft nicht mehr zu kitten sind. Es ist zwar schade, dass so große Namen nicht im Achtelfinale sind. Aber dafür gibt es einige Überraschungen, zum Beispiel die Japaner, die mit dem Torschützen Honda ganz toll aufspielen. Das ist auch der Reiz bei einer Weltmeisterschaft.

Probleme hatten ja auch andere europäische Teams: Europameister Spanien, England und auch die Deutschen mit ihrer Niederlage gegen Serbien. Diese Teams haben alle nicht durchgehend überzeugt. Stimmte da etwas in der Vorbereitung nicht?

Ich glaube, dass in der Vorrunde viele zu viel taktiert haben, nicht locker genug waren und viel zu wenig Risiko eingegangen sind. Das hat auch das Spiel Portugal gegen Brasilien gezeigt. Das war so ein lahmer Kick und keine Werbung für den Fußball. Häufig spielen die Teams ein System mit vier Mann in der Abwehr, zwei defensiven, drei offensiven Mittelfeldspielern und nur einer Spitze: ob Argentinien, Brasilien oder auch Deutschland. Ich halte das für einen Fehler. Gerade gegen England sollten wir mit einem 4-4-2-System spielen, also mit zwei Stürmern, Miroslav Klose vorne und dahinter Cacau. Außerdem wünsche ich mir Jérôme Boateng aus der Mannschaft, weil er der Aufgabe auf der linken Seite nicht gewachsen ist. Dort sähe ich lieber Marcell Janssen, der vorne schöne Flanken auf Klose schlagen könnte.

Cacau nach seinem Treffer im Vorrundenspiel gegen Australien (Foto: AP)

Cacau fällt als Torschütze gegen England aus

Cacau wird auf jeden Fall nicht spielen können. Er hat eine Bauchmuskelzerrung. Vielleicht überrascht uns ja Bundestrainer Löw und macht es wie Sie gesagt haben, spielt also mit zwei Spitzen statt nur mit einem Stürmer. Fehlt da auch vielleicht ein bisschen der Mut zur Offensive?

Ganz genau. Jetzt ist Cacau leider verletzt und wird wohl nicht spielen können. Damit hat Jogi Löw auch eine Begründung, warum er dann wieder nur mit einer Spitze spielen lässt. Er will auch unbedingt Lukas Podolski im Team halten. Rechts soll Thomas Müller spielen, Mesut Özil dahinter die Traumpässe geben und auch Chancen erhalten, Tore zu erzielen. Dennoch würde ich mir gerade gegen die Engländer eine verstärkte Offensive wünschen. Der englische Innenverteidiger John Terry machte bisher keinen sicheren Eindruck. Wir müssen gegen England auch Zeichen setzen. Dann werden sie nervös und sind blockiert, weil sie im Hinterkopf die verlorenen Spiele gegen Deutschland, vor allem die nach Elfmeterschießen. Ich denke, der Schlüssel zum Sieg liegt in der Offensive, von mir aus mit Stefan Kießling als Unterstützung für Miroslav Klose.

Vor zwanzig Jahren erzielte Olaf Thon im Halbfinale der WM 1990 ein Tor im Elfmeterschiessen gegen England (Foto: dpa)

Olaf Thon verwandelt bei der WM 1990 einen Elfmeter gegen England

Also Sie sind auf jeden Fall Optimist und glauben, dass die Deutschen die Hürde nehmen. Wie tippen Sie denn den Spielausgang?

Ich habe einen ironischen Tipp: Nach 90 Minuten steht es 1:1, dann macht Mario Gomez in der 113. Minute das Tor. Ich wünsche mir, dass es nicht zum Elfmeterschießen kommt. Ich leide mit den Spielern, die dann in den entscheidenden Momenten versagen: wie Lukas Podolski, der den Elfmeter gegen Serbien zu zaghaft geschossen hat. Deshalb wünsche ich mir, dass wir schon in der regulären Spielzeit alles klar machen. Aber es wird sehr schwer. Das Spiel wird von der Taktik geprägt sein. Wie ich Jogi Löw kenne, wird er doch nur mit der einen Spitze Miroslav Klose spielen. Und wir müssen dann auf Fehler des Gegners warten. Aber ich denke, bei großen Turnieren ist Deutschland immer über sich hinaus gewachsen. Das traue ich auch dieser jungen Mannschaft zu.

Die Fragen stellte Joachim Falkenhagen
Redaktion: Calle Kops

DW-Radio überträgt das WM-Spiel Deutschland gegen England am Sonntag (27.06.2010) live ab 16.05 Mitteleuropäischer Sommerzeit.

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