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Fußball

Olaf Thon: Der Teamspirit stimmt

Der WM-Experte der Deutschen Welle, Olaf Thon, glaubt an einen Erfolg gegen England. Das Team muss sich gegenüber dem Spiel gegen Ghana aber deutlich steigern.

DW-Experte Olaf Thon (Foto: Olaf Thon)

DW-WORLD.DE: Olaf Thon, eigentlich ein perfekter Tag. 1:0 gegen Ghana gewonnen, den Gruppensieg perfekt gemacht. Mehr kann man in der Vorrunde einer WM nicht verlangen?

Olaf Thon: Da haben sie vollkommen recht. Obwohl ich nicht gedacht hätte, dass dieses Spiel so schwer zu spielen wird. Ghana war ein wirklich gleichwertiger Gegner und wir waren sehr nervös. Das hängt vielleicht auch damit zusammen, dass wir eine sehr junge Truppe haben mit Friedrich, der hervorragend gespielt hat. Er war mit der beste Mann. Und er zählt 31 Jahre. Vorne drin Cacau mit 29 und dann kommen alle, die sich so um gute 20, 23, 24 Jahre tummeln und da hat man schon gespürt, dass man Tribut zollen muss.

Cacau hat in der Spitze den gesperrten Miroslav Klose ersetzt. War das denn für Sie eine gelungene Wahl?

Auf jeden Fall. Er war sehr beweglich, hat hier und da auch aufs Tor geschossen. Versucht Chancen herauszuarbeiten. War bissig und man hat auch an seinem Gesicht gesehen, dass er unbedingt will. Ich glaube, in Bezug auf das nächste Spiel gegen England müssen wir versuchen, Druck zu entwickeln, weil deren Abwehr sehr anfällig ist. John Terry von Chelsea ist auch in die Jahre gekommen und hinten sind zwei, drei Abwehrspieler ausgefallen, so dass dort absolut Not am Mann ist. Da müssen wir versuchen, mit einem zweiten Stürmer Gas zu geben. Also, ich würde vorne mit Klose spielen und dahinter Gomez, der um ihn herum spielt und dafür sollte Podolski mal draußen bleiben und eine künstlerische Pause bekommen, weil er einfach nicht in Tritt kommt. Vielleicht hängt das auch noch mit dem verschossenen Elfmeter zusammen.

Mesut Özil hat mit seinem Tor natürlich alles perfekt gemacht. Aber die Chancenverwertung war irgendwie nicht überzeugend oder wie haben sie das gesehen?

Mesut Özil bei einer Pressekonferenz (Bild: AP)

Mesut Özil gelang der Siegtreffer zum 1:0 gegen Ghana

Ja, das stimmt schon. Da wo er überlegen musste, bei der Riesenchance, allein vor dem Torhüter, versagten die Nerven. Und als er dann 20 Meter vor dem Tor nicht nachdenken musste, haut er ihn rein. Das ist klassisch für einen Fußballer, der in Bedrängnis ein Kopfproblem hat und so wurde die Blockade gelöst. Einfach instinktiv Fußball spielen, das ist auch das, was Podolski braucht. Was jeder Fußballspieler braucht, auch im offensiven Bereich. Das wirkt wie eine Erlösung und ich glaube, dass wir von Özil nicht das letzte Tor bei dieser WM gesehen haben.

Was war denn in der Abwehr los? Also Per Mertesacker hatte da sicher nicht seinen besten Tag. Muss der Bundestrainer da etwas ändern?

Überraschend für mich - auch, dass Per Mertesacker diese einfachen Stellungsfehler macht. Im Zweikampf war er sehr ungeschickt, im Kopfballduell trotz seiner Größe von knapp zwei Metern immer zweiter Sieger. Das lag nicht am guten Gegner, sondern an ihm selber. Und ich glaube, man muss ihm auch mal zugestehen, ein schlechtes Spiel zu machen. Umso besser und toller fand ich es, dass Arne Friedrich über sich hinausgewachsen ist und Per Mertesacker mitgezogen, mitgerissen hat. Wie Mertesacker das sonst immer getan hat. Also, von daher ist ein Teamspirit zu sehen, wo der eine dem anderen in der Not hilft und das schweißt zusammen.

Wir müssen uns im Achtelfinale verbessern, hat Bundestrainer Jogi Löw gesagt. Was muss sich da ändern?

Sorgenvoller Blick von Bundestrainer Joachim Löw (Foto: dpa)

Jogi Löw: Wir müssen uns verbessern

Ja, es war wirklich gegen Ghana ein "ausreichend minus". Die Leistungssteigerung muss gewaltig ausfallen und vor allen Dingen müssen sie mit Herz spielen und ohne gebremsten Schaum. Ich hoffe, dass Jogi Löw ein Zeichen im Sturm setzt und die nötigen Leute aufstellt, die auch nach vorne spielen und nicht nur versuchen hinten rum zu spielen.

Wie schätzen sie die Engländer überhaupt ein. Die Vorrunde ist für die ja auch nicht perfekt gelaufen?

Ja, sie müssen auch Tribut zollen. Vor allen Dingen die Spieler, die in der Champions-League gespielt haben. Also, die Engländer haben ein ähnliches Problem wie wir auch und ich hoffe, dass wir Druck machen können, denn hinten sind sie verwundbar.

Olaf Thon, sie erinnern sich mit Sicherheit an das letzte WM-Spiel zwischen Deutschland und England. Das war 1990 im Halbfinale in Turin.

Ist das schon so lange her?

Ja, das ist so lange her. Seither hat es bei keiner WM mehr ein Spiel gegeben zwischen diesen beiden Teams. Sie standen damals selbst im deutschen Team. Welche Erinnerung haben sie an das Spiel?

Ja, das weiß ich natürlich. Das schönste Spiel meiner Karriere in der Nationalmannschaft. Belohnt dann mit dem letzten Elfmeter, der dazu geführt hat, dass wir ins Endspiel gegen Argentinien kamen und die Weltmeisterschaft gewonnen haben. Und ja, ich blicke immer wieder gerne zurück an diese Vergleiche mit Gascoigne, Lineker im Sturm und Shilton im Tor. Und eins weiß ich ganz genau: Die Engländer haben im Hinterkopf Angst vor den Deutschen und das sieht man auch in den Aussagen. Als Kaiser Franz Beckenbauer die Engländer mal wieder kritisiert hat, wie empfindlich sie darauf reagiert haben. Das zeigt auch, dass sie einen Komplex haben gegen die Deutschen zu spielen. Deswegen bin ich überzeugt davon, dass wir weiter kommen.

Brauchen wir denn am Sonntag wie damals auch ein Elfmeterschießen gegen England oder wie ist ihr Tipp für das Spiel?

Ich hoffe nicht, weil ich das Elfmeterschießen persönlich gar nicht so mag. Ich habe Mitleid mit den Spielern, die dann versagen, obwohl sie vielleicht vorher ein großes Spiel abgeliefert haben. Es wäre mir ganz Recht für alle, wenn Deutschland schon vorher alles klar machen würde. Aber das muss einher gehen mit einer wirklich großen Leistungssteigerung. Vor allen Dingen im offensiven Bereich. Aber auch bei Mertesacker und auf der linken Seite Boateng, der für meine Begriffe nicht überzeugt hat. Er war fehl am Platze und da sollte Jogi Löw eine andere Variante ins Auge fassen mit Badstuber oder mit Janssen.

Die Fragen stellte Joachim Falkenhagen
Redaktion: Andreas Ziemons

DW-Radio überträgt das WM-Spiel Deutschland gegen England am Sonntag (27.06.2010) live ab 16.05 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit.

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