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Wissen & Umwelt

Ohrenbetäubend - wenn's an Silvester kracht und knallt

Explodierende Feuerwerksraketen, zischende Kracher, dröhnende Böller. Zu Silvester gibt es davon mehr als genug. Es ist halt Tradition - aber das Gehör kann dadurch massiven Schaden nehmen.

"Jedes Jahr haben wir in den Kliniken Betroffene, die eine irreversible Schwerhörigkeit bis hin zur Ertaubung haben. Man kann eigentlich alle nur davor warnen und sie bitten, mit Silvesterböllern so vorsichtig wie möglich umzugehen", sagt Professor Tobias Moser von der Universität Göttingen.

Der Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und sein Team beschäftigen sich vor allem mit den unterschiedlichen Schallstärken und den zellulären Mechanismen, die den Schall verarbeiten. Schließlich ist das Ohr in der Lage, ein riesiges Spektrum verschiedener Lautstärken wahrzunehmen.

Wie wir hören, was wir hören

Gezeichnetes Ohr mit Noten, die ins Ohr fliegen (Sound - sound © willpower #4300849)

Schwingungen werden im Ohr weitergeleitet

Eine Schallwelle, die auf das Trommelfell im Ohr trifft, bringt es zum Schwingen. Als Druckwelle werden diese Schwingungen im Ohr weitergeleitet, und schließlich setzt die Druckwelle winzige Härchen in Bewegung. Die befinden sich auf so genannten Haarzellen. Die wandeln die Bewegungen der Härchen in Botenstoff-Signale um, die schließlich als Nervenimpulse an das Gehirn weitergegeben werden.

Höchstleistungen würden im Ohr vollbracht, so der Forscher. "Es geht darum, wie wir Schall mit einer zeitlichen Präzision von unter einer tausendstel Sekunde Schall in ein Nervensignal übersetzen. Und das über viele Stunden, viele Tage, eigentlich ständig und immer mit den gleichen Haarzellen und den gleichen Nervenzellen."

Für seine Forschung haben Moser und sein Team in diesem Jahr den renommierten Förderpreis im Gottfried Wilhelm Leibniz-Programm der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) erhalten.

Wenn's knallt und kracht

Tinnitus Symbolbild - Ärztin untersucht Patientin am Ohr (Foto: HNO-Arzt © Alexander Raths #44264335 - Fotolia.com)

Ohrenärzte haben zu Silvester Hochkonjunktur

Das laute Knallen der Silvesterkracher, kann das empfindliche Innenohr in seiner sonst so perfekten Funktion erheblich stören und schädigen. Es kann zu einem Schalltrauma kommen und damit zu einem akuten Hörverlust.

Ein Schalltrauma entsteht bei sehr kurzen Schallimpulsen von mehr als 135 Dezibel (dB). 140 dB beträgt der Lärmpegel, den wir bei einem Düsenflugzeug aus etwa dreißig Meter Entfernung wahrnehmen. Bei öffentlichen Feuerwerken werden in unmittelbarer Umgebung schon mal Spitzenpegel von bis zu 190 dB gemessen. Das kann die Haarzellen stark schädigen und zu einer Innenohrschwerhörigkeit führen. Die betrifft dann vor allen Dingen hochfrequente Töne von etwa 4000 Hertz.

Alle Jahre wieder

Schätzungen zufolge erleiden zu Silvester deutschlandweit mehr als 8000 Menschen Hörschäden, darunter viele Jugendliche. Sie sind sich der Gefahr oft nicht bewusst. Für sie ist nur wichtig, dass es am Silvesterabend richtig knallt. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die ein Hörgerät tragen müssen, ist laut Daten der DAK (Deutsche Angestellten Krankenkasse) in den letzten Jahren stark gestiegen: um 38 Prozent.

Die Erhebung der Kasse geht davon aus, dass der Hörverlust teilweise auf MP-3-Player zurückzuführen ist, aber es kommen eben auch Silvester-Knaller für die Verletzungen infrage. Ein einziger heftiger Knall kann schon genügen. Davon gibt es zum Jahreswechsel mehr als genug. Tobias Moser hat ein einfaches Rezept, um sich zu schützen: "Ich geh zu Silvester nie ohne Ohrstöpsel aus dem Haus."