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Ohnmachtshappen

Die moderne Zeit bringt es mit sich: Für das Essen bleibt nicht mehr viel Zeit. Schnell noch ein Sandwich, ein Snack, ein "To-Go-Getränk". Hauptsache der Hunger-Ohnmacht entkommen.

Der Magen knurrt. Immer lauter meldet er sich. Hunger! Aber, bevor der Heimweg angetreten wird, muss unbedingt noch dies und das erledigt werden. Die Lösung: Ein Snack, eine kleine Mahlzeit für den großen Hunger, wie es ein Werbespruch verspricht. Nur eine Kleinigkeit!

Starker Wille, schwaches Fleisch

Kleinigkeit? Schlagartig ist er da: der Heißhunger. Jetzt nichts Ungesundes auf fast leeren Magen. Den ganzen Tag nur Kaffee und Wasser, zu Mittag einen mickrigen Salatteller. Das dicke, fette Fleischkäsebrötchen lockt. Oder soll es wegen der Linie doch nur Wasser und eine Banane sein? Der Bauch sagt "Ja", der Kopf "Nein". Aber weil der Klügere nachgibt, ist es schon passiert.

So oder so ähnlich geht es täglich Tausenden, die zwar guten Willens, aber schwachen Fleisches sind. Dabei wollte man doch nur eine gesunde Kleinigkeit, ein "Häppchen", einen Snack zu sich nehmen. Auch das Wort "Fleischkäsebrötchen" suggeriert ja durch das Diminutiv -chen, es handele sich um ein zu vernachlässigendes Etwas, einen Imbiss, der kalorienmäßig nicht zu Buche schlägt.

Genießen im Bistro

Seltsames Wort: Imbiss. Es stammt aus dem Althochdeutschen und hatte schon zu jener Zeit die Bedeutung von "kleiner, unkomplizierter Mahlzeit". Es gab auch ein passendes Verb: enbizan. Ins heutige Deutsch übersetzt heißt es: "Essend oder trinkend genießen".

Also ist die Bezeichnung Imbissbude eigentlich nicht richtig. Denn genießen sieht anders aus. Etwa in einem Bistro. Dort werden stilvoll Snacks aller Art serviert, dort sitzt oder steht man an den sprichwörtlichen Bistro-Tischen und plaudert, während man ein bisschen von diesem und von jenem häppchenweise zu sich nimmt.

Moderne Imbissbuden

Inzwischen gibt es die gute alte Imbissbude kaum noch. Die "Esswarenverkaufsstellen" in Bahnhöfen, Fußgängerzonen und Kaufhäusern haben schicke Bezeichnungen bekommen: Snacks und Drinks heißt die moderne Imbissbude jetzt und glitzert in Edelstahl und Glas.

To-Go-Mahlzeiten

Wer nicht im Stehen schnell etwas essen will, kann im Food-Store das einkaufen, was früher einmal Reiseproviant hieß. In heißen Theken locken unter speziellen Lampen vor sich hindampfende Grillspezialitäten.

Da wird Gesottenes und Gebratenes, Gekochtes und vor allem Aufgewärmtes geboten. Schnitzel-to-go gewissermaßen. Ein bisschen was Frisches gibt es zugegebenermaßen auch. Da stehen etwas schüchtern kleine gemischte Salate in durchsichtigen Kunststoffschalen und arrangieren sich mit ihren diversen dressings.

Schnittiges Sandwich

Die Urform einer neuzeitlichen Zwischendurchmahlzeit ist das Sandwich. Ob in Sandwichbars in den Bord-Bistros der Intercity-Züge, den Kühlregalen der Supermärkte oder den Shops der Tankstellen: Natürlich ist das Sandwich auch in allen Food-Stores mit To-Go-Angeboten gegenwärtig.

In den Fernverkehrszügen kommt es in schnittiger Dreiecksform mit "Ham and Cheese" oder wahlweise mit anderen Zwischenbelägen, die in jeder Variation allerdings ziemlich soft sind. Auch die Vollkornvariante mit Gouda kann ohne festen Zubiss verspeist werden.

Sandwich-Historie

Das Sandwich ist keineswegs die Erfindung irgendeiner Fast-Food-Kette, sondern entspringt der Fantasie eines englischen Adeligen und zwar des 4. Grafen von Sandwich. Der Herr spielte gern und begab sich zu diesem Zwecke gerne in Londoner Spielsalons. So auch an jenem denkwürdigen Tag im Jahre 1762, als ihn plötzlich der Hunger überkam, er aber vom Spiel nicht lassen wollte.

Der Kammerdiener wurde gerufen und der Graf von Sandwich beauftragte ihn, zwei Scheiben getoasteten Weißbrotes zu buttern und zu salzen, sowie – und das war das Entscheidende – zwischen die solcher Art vorbereiteten Brote eine Scheibe "Roastbeef" zu legen. Die mitspielenden Herren taten es dem Grafen gleich und bestellten ebenfalls das, was der Graf von Sandwich geordert hatte. Fortan nannte man diese Hungerstiller der Einfachheit halber Sandwiches.

Verfeinertes Zwischendurchessen

Im Laufe der Zeit wurde die Zwischendurch- und Nebenbei-Esskultur verfeinert. Canapés – kleine Brotscheiben mit unterschiedlichsten Leckereien belegt – oder Appetithäppchen, die sich mit den Fingern essen lassen, sind längst im Lieferprogramm der Party-Service- Unternehmen und anderer Cateringfirmen.

Und schnell wurde auch eine neue Bezeichnung dafür gefunden: "Fingerfood", ein Essen en passant, aber vom Feinsten. Dazu die passenden Getränke, versteht sich, möglichst auch "To-Go".

Ohnmachtshappen

Aber es gibt halt immer wieder diese Situationen, in denen man sofort und beinahe egal was zwischen die Zähne bekommen muss, weil man sonst in Gefahr gerät, einfach umzufallen, ohnmächtig zu werden. Auch diese "Notbissen" haben ihren Namen weg: "Ohnmachtshappen". Wenn man sie geschluckt hat, ist man erst einmal wieder ins Leben zurückgekehrt, der Magen knurrt nicht mehr ganz so laut. Bis zum nächsten Mal, an dem dann wieder die Entscheidung ansteht: Kopf oder Bauch?

Autor: Michael Utz

Redaktion: Beatrice Warken

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