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Kultur

Ohne Pornokabine - der Sexshop für die Dame

Erotikshops gibt es in jeder Großstadt. Doch kaum jemand gibt zu, dort Kunde zu sein - und noch weniger Kundin. Dabei gibt es längst Sexshops speziell für Frauen. Doch was suchen dort Frauen und was Männer?

Weibliche Kundschaft betrachtet in einem Mae B.Shop in Hamburg eine Auswahl an erotischem Spielzeug. (Archiv, Quelle: AP)

Für die Dame - Sexshops sind längst keine männliche Angelegenheit mehr

Ein schwarzes Seidentuch, zwei rote Federn und eine Dose Gleitcreme – Sybille Conrads sucht sorgfältig aus. Dieses Wochenende wollen sie und ihr Mann die Kinder zu den Großeltern schicken und die Zeit nur für sich haben. Die 40-jährige Verkäuferin kommt regelmäßig in den Kölner Frauen-Erotikladen "Lady’s Toys", um ein paar Ideen mitzunehmen und in ihr Eheleben ein bisschen Abwechslung zu bringen. "Ich denke, dass es nicht nur mir so geht". Auch andere Frauen wollen sich umworben fühlen und eine nette Atmosphäre haben, sagt sie. "Männer sind Augentierchen, die brauchen Bilder, visuelle Reize, während Frauen doch eher auf schöne Musik, auf gutes Essen, ganz anders eingestimmt sind auf die Erotik."

Den Frauen-Erotikladen gibt es in der Kölner Altstadt schon seit zwölf Jahren. Der Inhaberin Regine Thoeren ist irgendwann klar geworden, dass sie sich nie getraut hat, in einen normalen Sexshop zu gehen. So entstand die Idee, ein Geschäft nur für Frauen zu eröffnen. Männer haben hier keinen Zutritt, und auch die Auswahl der Artikel ist auf das weibliche Geschlecht abgestimmt.

Viele Vibratoren - wenig DVDs

"Wir verkaufen hauptsächlich Vibratoren. Wir haben ein kleines Sortiment an Wäsche, Fesseln, kleine Intimpeitschen", sagt Inhaberin Thoeren. Es gebe ein Sortiment an Büchern und auch Videos – davon aber nur sehr wenige. "Es gibt einfach keine große Auswahl an schönen Frauen-Filmen. Ich bemühe mich, Filme auszuwählen, in denen die Frauen gut behandelt werden".

Sexshop in Bochum (Archiv, Quelle: DPA)

Für den Herrn: Sexshop mit Pornokabine in Bochum

Nicht weit entfernt vom Frauen-Erotikladen befindet sich ein klassischer Sexshop. Bei "WIWA" sind Damen genauso willkommen wie Herren. Doch Frauen sind in dem Geschäft so gut wie nie zu finden. Vielleicht deswegen, weil das Angebot für Männer gedacht ist, sagt der Verkäufer Edgar Abel. "Das größte sind DVDs. Dann natürlich die ganzen Hefte, Pornografie. Hier oben sind Münzkabinen, wo man Geld reinschmeißen und sich aus hundert Filmen Ausschnitte angucken kann." Frauen kämen zwar auch ab und zu in den Laden, gehörten aber nicht unbedingt zur Hauptkundschaft. "Die meisten Frauen fragen nur etwas, und das haben wir dann meistens nicht", sagt Abel.

Der Mann verlässt sich auf sein Auge

Dass sich Männer und Frauen in Sexshops für ganz unterschiedliche Artikel interessieren sei kein Wunder. Schließlich sei die Unterschiedlichkeit im Sexualleben im Laufe der Evolution entstanden, sagt Andrea Schaal, Paar- und Sexualberaterin aus Köln: "Männer und Frauen haben verschiedene Aufträge von der Natur bekommen." Der Mann habe den Auftrag, möglichst viele Nachkommen zu zeugen – und könne sich dabei eigentlich nur auf die Augen verlassen. "Er sucht sich die Frauen aus, von denen er annehmen kann, dass sie zeugungsfähig sind, dass sie noch jung und gesund genug sind, um das Kind austragen und gebären zu können."

Im Vergleich zu den Männern wünschen sich die Frauen eher eine romantische Atmosphäre, Zärtlichkeit und Zuneigung. Und dafür gibt es auch einen einfachen Grund: Wenn eine Frau Geschlechtsverkehr hat, besteht die Möglichkeit, dass sie schwanger wird. "Wenn eine Frau schwanger wurde, musste sie einen Partner haben, der sie verpflegt und auch bereit war, sie zu schützen. Das rein Äußerliche ist also nicht ausschlaggebend." Die Frau suche danach, ob der Mann Qualitäten mitbringt, mit denen sie sich sicher und geborgen fühlen kann, sagt Andrea Schaal. "Und genau das spiegelt sich im sexuellen Verhalten wieder."

Ein Gentleman genießt und schweigt

Aber nicht nur die Neigungen und Vorlieben der beiden Geschlechter unterscheiden sich voneinander, sondern auch ihre Bereitschaft, über intime Themen zu sprechen. Während sich die Frauen in einem Sexshop austauschen und gerne von Verkäuferinnen beraten lassen, herrscht unter Männern Stille, sagt "WIWA"-Verkäufer Edgar Abel. "Die wenigsten, bestimmt unter einem Prozent, sagen etwas von ihrem Privaten. Die wollen anonym bleiben hier. Die kaufen eine DVD und gehen damit nach Hause."

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