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Kultur

Ohne Kuppel und Barockfassade

Ein Prachtbau sollte es werden - das Berliner Stadtschloss. Es sollte aussehen wie damals, mit historischen Fassaden und aufwändigem Figurenschmuck. Doch auch hier scheint das Ganze am Geld zu scheitern.

Zu sehen ist die Humboldt-Box - an dieser Stelle soll das Berliner Stadtschloss errichtet werden (Foto: DW / Sigrid Hoff)

Hier soll es entstehen...

552 Millionen Euro - soviel darf laut Bundestagsbeschluss der Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses kosten. 80 Millionen davon sind für die barocken Fassaden vorgesehen, das Geld soll über Spenden zusammenkommen, die der Förderverein Berliner Schloss einsammelt. Doch was ist, wenn die Spenden ausbleiben? Über diese Frage ist im Parlament jetzt ein Streit entbrannt, denn bislang kann der Förderverein erst 20 Millionen vorweisen. Was tun? Die Antwort aus dem Bauministerium ist kurz: Dann wird das Schloss halt erst mal ohne Kuppel und Barockhülle gebaut.

Ein Betonschloss im Herzen von Berlin?

Im Kern wird das Schloss eine moderne Konstruktion aus Stahl und Beton, gibt Bernhard Stokar von Neuforn, Sprecher der Stiftung Berliner Schloss - Humboldtforum, zu. Die 2009 gegründete Stiftung koordiniert die Bauarbeiten im Auftrag des Deutschen Bundestags. Aber er betont auch: "Die Fassade wird selbstverständlich so geplant, dass sie eine historische Fassade werden kann, wenn sämtliche Schmuckelemente beigesteuert sind."

Berlin, Kurfürstenbrücke mit Stadtschloss, koloriertes Foto um 1900

So sah es aus: das Stadtschloss des preußischen Architekten Andreas Schlüter (um 1900)

Fördervereinsvorsitzender Wilhelm von Boddien, der seit fast 20 Jahren für den Schlosswiederaufbau kämpft, sieht den aktuellen Streit gelassen. Die Spendenbereitschaft der Bürger wird zunehmen, glaubt er, wenn der Bau in die Höhe wächst. Das sei auch beim Wiederaufbau der Dresdner Frauenkirche so gewesen. Der Hamburger Unternehmer ist daher zuversichtlich, dass die fehlenden 60 Millionen Euro schnell zusammenkommen werden. Damit es nicht dereinst ein Betonschloss werde, müsste allerdings Vorsorge getroffen werden. Wichtige Architekturteile wie Gesimse, Fensterlaibungen und Kapitelle aus Sandstein müssten von Anbeginn in die Fassade integriert werden, Schnecken, Putti, oder größere Figuren, die zum barocken Zierrat gehören, könnten dann später kommen.

Wie viel die Fassadenrekonstruktion wirklich kosten wird, das hat der Förderverein zwar ausgerechnet, aber noch nicht überprüft. "Alle Preise sind auf der Basis von heute seriös kalkuliert", versichert der Fördervereinsvorsitzende, "wenn wir aber eine Inflation bekommen, das kann keiner kalkulieren, auch der Finanzminister nicht."

Ein schwieriges Projekt

Das Sieger-Modell für den Neubau des Berliner Stadtschlosses von Franco Stella (Foto: AP)

Sieger-Modell von Franco Stella

Der Wiederaufbau des Berliner Stadtschlosses war von Anfang an umstritten. Schon nach dem Wettbewerbsentscheid für den Italiener Franco Stella wurden Zweifel laut, ob der Architekt mit seinem kleinen Büro ein solches Großprojekt stemmen könne und ob er die Voraussetzungen für die Teilnahme überhaupt erfülle. Ein Mitbewerber reichte eine Klage ein, doch per Gerichtsbeschluss vom vergangenen Dezember darf der italienische Architekt weiterplanen.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Finanzprobleme gleicht das ganze Projekt einer Posse. Warum, fragt sich Philipp Oswalt, Direktor des Dessauer Bauhauses und einer der Kritiker, hat man nicht gleich den Entwurf eines Büros gewählt, das von vornherein auf die barocke Fassade verzichtet und eine moderne Adaption vorgeschlagen hatte? Das Büro Kühn/Malvezzi war von der Jury immerhin mit einem Sonderpreis bedacht worden. "Sie haben genau die Dinge erfüllt, die jetzt Probleme machen", sagt Oswalt, "sie hatten keine Kuppel geplant, ihr Konzept sah vor, die Fassade nach und nach zu vervollständigen. Wie das bei Stellas Entwurf funktionieren soll, ist mir schleierhaft."

Das größte Problem sei jedoch die Entscheidung, die Bausumme zu begrenzen, bevor das Projekt durchgerechnet wurde. "Die Summe reicht nicht, das wissen alle Beteiligten", sagt Oswalt. Dem Bund wirft er Mutlosigkeit vor.

Mehr Geld vom Staat?

Um ein Betonschloss zu verhindern sieht der Fördervereinsvorsitzende Wilhelm von Boddien nur einen Ausweg. Der Bund müsse die Barockelemente vorfinanzieren, als Anreiz für potentielle Förderer. Mit den dann eingehenden Spenden könne man den Vorschuss nach und nach tilgen. Noch in diesem Jahr will er diese Option mit dem Bund aushandeln. Einfach dürfte das allerdings nicht werden, denn Peter Ramsauer, der dritte Bauminister, der sich mit dem Phantomschloss in Berlin herumschlägt, scheint kein Freund barocker Rekonstruktionen zu sein. Er ließ bereits durchblicken, dass er seinen Etat lieber für neue Autobahnkilometer nutzt, als Geld in eine barock anmutende Schlosskuppel zu investieren.

Autorin: Sigrid Hoff
Redaktion: Petra Lambeck

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